Kolumne

#Gedankenliebelei: „Dann fehlt euch ja nun nur noch ein Kind!“ – eine Kolumne über kinderlose Frauen um die 30

16. Oktober 2018

Unerfüllter Kinderwunsch

„Ich bin jetzt irgendwie neugierig – erwartet ihr Nachwuchs?“. „Schön, dass ihr so glücklich seid. Dann fehlt ja nun nur noch ein Kind!“. „Jetzt solltet ihr euch aber schon langsam mal beeilen, die Uhr tickt!“ Diese und etliche ähnliche Anmerkungen, Kommentare und Fragen zu unserer Familienplanung bekomme ich seit ich mit 24 geheiratet habe, was mittlerweile sieben Jahre her ist. Klar, mein Mann und ich sind seit zig Jahren zusammen, wir arbeiten beide schon seit über zehn Jahren – da wartet das Umfeld. Zuerst das private, mittlerweile anscheinend auch viele meiner Leser. Und in letzter Zeit häuften sie sich, die neugierigen direkten Fragen.

Ich verstehe es. Sehr gut sogar. Neugierde ist etwas völlig normales und da ich hier vieles teile, ist der eine oder andere auch interessiert an unserer Familienplanung. Dafür habe ich Verständnis. Es ist mir aber ein Bedürfnis über genau dieses Thema zu schreiben: über die ungefragte Einmischung in etwas derart privates und darüber, dass kinderlose Frauen um die 30 es meist gar nicht mal so toll finden, ständig mit Fragen oder Aussagen dieser Art konfrontiert zu werden.

 

Kinderlose Frauen

Es gibt Frauen, die entscheiden sich bewusst gegen Kinder und es gibt Frauen, die mit der Kinderfrage völlig überfordert sind. Für die sind diese Fragen im schlimmsten Fall nervig. Es gibt aber Frauen, die sind ungewollt kinderlos. Es gibt Frauen, die haben keinen Partner. Es gibt Frauen, deren Partner nicht bereit ist oder keine Kinder möchte. Es gibt Frauen, die würden alles dafür geben, endlich einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand zu halten. Es gibt Frauen, die dürfen aus gesundheitlichen Gründen nicht schwanger werden. Es gibt Frauen, die haben Fehlgeburten hinter sich. Und für diese Frauen ist jedes Nachfragen und jedes auf-die-tickende-biologische-Uhr-aufmerksam-machen eine Qual.

Und für diese Frauen ist jedes Nachfragen und jedes auf-die-tickende-biologische-Uhr-aufmerksam-machen eine Qual.

Die wenigsten Frauen äußern sich nämlich direkt zu diesen Umständen, wenn es so ist. Verständlicherweise! Vielleicht hat man Angst vor dem, was die Anderen denken könnten, vielleicht möchte man sein Gegenüber nicht mit einer unangenehmen Antwort belasten, vielleicht ist die Scham zu groß, vielleicht kann man auch einfach nicht darüber sprechen. Zu emotional besetzt, zu sensibel, zu schmerzhaft und vor allem zu privat ist das Thema. Genau dafür möchte ich ein Bewusstsein schaffen. Ich möchte aufzeigen, wie unangemessen diese sicherlich kein bisschen böse gemeinte Nachfrage ist und wie verletzend und niederschmetternd Fragen, Kommentare und Anmerkungen zur Familienplanung sein können.

Mir ging es selbst vor ein paar Jahren so, dass ich eine Bekannte fragte, wie „es bei ihnen eigentlich mit der Kinderplanung“ aussieht, um kurze Zeit später zu erfahren, dass sie nicht lange vor unserem Gespräch eine Fehlgeburt hatte. Sie hatte tapfer gelächelt, nicht darüber gesprochen, zu frisch war der Schmerz. Erst später erzählte sie mir davon.

Ich möchte aufzeigen, wie unangemessen diese sicherlich kein bisschen böse gemeinte Nachfrage ist und wie verletzend und niederschmetternd Fragen, Kommentare und Anmerkungen zur Familienplanung sein können.

 

Meine persönliche Geschichte

Heute bin ich eine der Frauen, die oft nach ihrer Familienplanung gefragt wurde und immer tapfer lächelte oder sogar Argumente aufzählte, die jetzt gerade noch gegen Kinder sprechen, um sich zu rechtfertigen. Ich bin eine der Frauen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht schwanger werden darf. Ich habe vor kurzem eine chronische Krankheit diagnostiziert bekommen, deren Symptome mir mein Leben zeitweise schon seit 2013 schwer machten und weiß nicht, ob ich je leibliche Kinder haben werde. Ob mein Körper jemals in der Lage sein wird, ein Kind auszutragen.

Mit den Symptomen der Krankheit wäre eine Schwangerschaft sowohl für mich, als auch für das Baby gefährlich und mit den Medikamenten, auf die ich täglich angewiesen bin, um die Symptome zu bekämpfen, auch. Ob es dafür eine Lösung geben wird, weiß ich aktuell noch nicht. Ich weiß nur, dass für meinen Mann und mich immer klar war, dass wir ein Mal Kinder haben möchten und jetzt gar nichts mehr klar ist.

Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass diese Situation schmerzhaft ist. Auch ohne ständiges Nachfragen von Außenstehenden.

Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass diese Situation schmerzhaft ist. Auch ohne ständiges Nachfragen von Außenstehenden. Ich setze mich mit der Thematik schon ein paar Jahre auseinander, habe Wege gefunden, die Situation anzunehmen, wie sie ist und kann deshalb hier heute darüber schreiben und aufrichtig zu meiner Situation stehen. Ich schreibe darüber, weil es ein sehr sensibles Thema ist, das mehr Aufmerksamkeit braucht. Ein Thema, das unfassbar viele Frauen betrifft und über das die meisten nicht sprechen, obwohl sie vielleicht gerne würden. Das macht es gewissermaßen zu einem Tabu-Thema – aber was so viele betrifft, belastet oder vielleicht sogar zerbrechen lässt, sollte kein Tabu sein.

Unerfüllter Kinderwunsch

 

Kein Mensch ist unvollständig

Keine Frau, die kinderlos ist, egal ob freiwillig oder nicht, sollte sich dafür rechtfertigen müssen, Fragen oder Kommentare hinnehmen müssen oder das Gefühl gegeben bekommen, unvollständig zu sein. Jede Frau, jeder Mensch ist nämlich schon vollständig. Für sich – auch ohne Kinder, Partner oder Haustier. Es wäre schön, wenn wir anfangen würden, zu sehen, was unser Gegenüber schon ist und uns nicht darauf fokussieren, was ihm angeblich fehlt. Denn das suggeriert die Frage nach Kindern, auch wenn sie wertneutral und nur aus reinem Interesse gestellt wird. Sie suggeriert, dass einem etwas fehlt.

Vielleicht muss die eigene Neugierde also in diesem Fall nicht befriedigt werden und man wartet einfach ab.

Neugierde ist etwas ganz natürliches und vor allem auch etwas wunderbares! Aber vielleicht konnte ich den einen oder anderen von euch sensibilisieren, dass die Frage nach Kindern etwas sehr privates ist, auch wenn sie gesellschaftlich anerkannt ist. Keine Frau hat Freikarten in ihre Gebärmutter verteilt und eines Tages sieht man sowieso jeder Frau an, dass sie schwanger ist: vielleicht muss die eigene Neugierde also in diesem Fall nicht befriedigt werden und man wartet einfach ab.

Ich schreibe niemandem vor, wie er sich zu verhalten hat. Im Gegenteil: ich möchte mittlerweile jeden Menschen nehmen, wie er ist und ggf. einfach ändern, wie ich mit ihm oder einer Situation umgehe. Ihr wisst nun, was ihr mit dieser Frage anrichten könnt. Es ist euch bewusst, dass ihr euer Gegenüber vielleicht verletzt und keine ehrliche Antwort bekommt. Was ihr mit diesem Wissen macht und ob ihr weiter fragt, liegt selbstverständlich ganz alleine bei euch.

 

Möchtest du deine Geschichte erzählen?

Als ich im Frühjahr zu genau diesem Thema eine Instagram Story verfasst habe, war die Resonanz enorm – ich bekam unzählige Nachrichten von Frauen, denen es genau so geht. Die die Fragen nicht mehr hören können, weil sie nerven, verletzen oder immer wieder alte Wunden aufreißen. Viele erzählten mir ihre Geschichte und schrieben mir, dass es das erste Mal sei, dass sie darüber sprechen. Wenn du das Bedürfnis hast, deine Geschichte zu erzählen, hast du hier in den Kommentaren nun die Möglichkeit. Gerne auch anonym. Glaub mir, es hilft! Wenn ich nämlich ehrlich zu euch und mir selbst bin, ist diese Kolumne hier auch ein wenig Selbsttherapie.

Habt es schön!
Nadine

P.S.: Jetzt, wo der Artikel einen Tag online ist und ich eure Worte und Geschichten gelesen habe, frage ich mich, warum ich den Zusatz „um die 30“ gewählt habe. Wahrscheinlich, weil es mich betrifft und die Fragen und Kommentare (vor allem zu meiner biologischen Uhr) seit meinem 30. Geburtstag stark zugenommen haben. Ich möchte anmerken, dass es eigentlich um jede Frau geht. Egal, wie alt sie ist.

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131 Kommentare

  • antworten W. 16. Oktober 2018 at 11:59

    Danke!

  • antworten Henriette 16. Oktober 2018 at 12:09

    Danke, dass du das mit uns teilst. Ich kann nur ansatzweise nachvollziehen, wie du dich fühlen musst. Fühl dich gedrückt.

  • antworten . 16. Oktober 2018 at 12:21

    W, 34, kinderlos, mit Kinderwunsch
    2 Fehlgeburten hatte ich schon dieses Jahr. Ich war in diesem Jahr so oft/viel/lang bei Ärzten wie in 10 Jahren davor nicht, denn ich bin kerngesund, auch nach all den Untersuchungen. Es fehlt die Antwort auf das große „Warum?“.
    Ich gehöre zu denen, die das ziemlich geheim halten. Lieber ertrage ich die Frage, ob/wann es denn Nachwuchs gäbe als: Na, probiert ihr es weiter? Na, tut sich da wieder was? … Ich lasse (fast) alle im Glauben, dass es den Kinderwunsch nicht gibt, nicht jetzt – obwohl genau das gerade den meisten Raum in meinen Gedanken einnimmt.
    Ich darf noch hoffen. Und ich hoffe darauf, eines Tages die ganze Geschichte mit happy End erzählen zu können. Allen.
    Und ich hoffe, dass viele, die neugierige Fragen gestellt haben (darunter übrigens auch welche mit medizinischem Beruf), dann ins Nachdenken geraten.
    Ich habe noch Hoffnung.
    Sollte sie nicht erfüllt werden, werde ich irgendwann trotzdem meine Geschichte erzählen, um die Welt zu sensibilisieren. Aber dafür bin ich gerade noch nicht bereit.

    Liebe Nadine, Danke dass du deine Geschichte mit uns teilst. Ich wünsche dir alles, alles Liebe und Gute für deinen/euren Weg.

  • antworten Nicole 16. Oktober 2018 at 12:28

    Ich habe beide Seiten: Das GLÜCK eine Tochter(22) zu haben aus einer früheren Beziehung und das PECH mit meinem Ehemann in den letzten Jahren zu viele Fehlgeburten und Kämpfe gehabt zu haben- dementsprechend mit ihm ungewollt Kinderlos bin. Deswegen weiß ich nicht ob mein Kommentar trotzdem okay ist..Mich zerreißen und machen Fragen wie ,wann kommt Nachwuchs?‘ und Sprüche wie .. ,die Uhr tickt’ wütend. Wir für uns haben einen guten Weg gefunden damit klar zu kommen. Ich drücke dich auf diesem Wege und sage Danke für diesen Post 🙂
    Lg
    Nicole

  • antworten B 16. Oktober 2018 at 12:31

    „…Kein Mensch ist unvollständig…“
    Danke,du hast es auf den Punkt gebracht. Und sprichst mir aus der Seele….

    Und ja ich bin auch so eine Frau die mit dieser Frage ob ich Kinder will total überfordert und mein Leben so wie es ist, ist total toll und trotzdem in einem drin überlegt man ob es die richtige Entscheidung ist…jedoch weiß ich nicht, ist dieser Zweifel impliziert von außen, weil alle es erwarten und ständig nachgefragt wird. Oder kommt der Zweifel von mir?

  • antworten . 16. Oktober 2018 at 12:36

    W, 34 … ergänzt noch 2 Dinge:
    – Harry und Meghan. Im Mai geheiratet und 5 Monate später wird die frohe Botschaft verkündet. Ob sie wissen, wie viel Glück sie da haben? Darüber wurde ja in der Klatschpresse auch schon übelst spekuliert und ich hätte nicht mit Meghan tauschen wollen, wenn es nicht zügig geklappt hätte.
    – Warum ist die Kinderfrage eigentlich so ein „Frauending“? Männer werden da offensichtlich nicht danach gefragt. Auch nicht von ihrer eigenen Verwandtschaft (= meine Erfahrung)

  • antworten Andrea 16. Oktober 2018 at 12:45

    Hallo Nadine,
    Danke für diesen Artikel!
    Auch wenn ich zwei tolle Jungs habe, geht mir das Thema unter die Haut, denn ich musste mir vor ein paar Wochen, aufgrund eines Myoms die Gebärmutter entfernen lassen. Das hat ganz viel mit mir gemacht und es beschäftigt mich immer noch sehr!
    Wenn einem die Entscheidung Kinder zu gebären abgenommen wird, ist es ein großer Einschnitt, egal ob man 20, 30 oder wie ich 43 Jahre alt ist. Kommentare wie „Ach, du bist ja eh schon zu alt, sei doch froh, wenn das Teil raus kommt!“ waren wie Messerstiche in mein blutendes Herz. Nun habe ich noch bis zum 28.10 Zeit zu Hause zu heilen, dann muss ich wieder arbeiten. Das wird für mich auch noch mal eine Herausforderung, denn ich arbeite in einer Kita mit einer U2 Gruppe (1-3 Jahre) und drei Ü3 Gruppen (3-6 Jahre). Ich arbeite gruppenübergreifend und der Gedanke, in der „kleinen Gruppe“ zu sein, lässt mir die Haare zu Berge stehen.

    Alles Liebe dir und deinen Leserinnen!

    Liebst, Andrea

  • antworten Dorofee 16. Oktober 2018 at 12:50

    Tja, wie die Royals das machen habe ich mich heute morgen auch gefragt. Und was würden die machen mit einer Frau, die keine Kinder bekommen kann? Ich bin mit Ende dreißig schon fast aus dem Alter raus, wo ich noch nervende Fragen bekomme. Wie ich selbst haben Eltern und Schwiegereltern die Hoffnung aufgegeben. Mein Mann und ich sind seit fünfeinhalb Jahren zusammen und haben nie verhütet. Wir gingen selbstverständlich davon aus, dass wir Nachwuchs haben würden. Aber es ist nie passiert. Ich war einfach noch nie schwanger. Wir sind der Sache. Ie richtig auf den Grund gegangen, weil wir auch nicht wissen möchten, wer nun eigentlich „Schuld“ ist. Wir haben uns das kinderlose Leben erfolgreich schöngeredet und sind froh, kein Kind zu haben und unser Leben ganz egoistisch so zu leben, wie wir es möchten. Und wenn es doch noch passieren sollte – dann freuen wir uns eben auf unser Chaoskind;)
    Vielen Dank liebe Nadine für diesen und auch alle anderen wunderbaren Posts!! Und ich würde allen Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch ja raten, es zu akzeptieren, aber ich weiß, dass das nicht so einfach ist. Mein Kinderwunsch war auch nie wirklich stark. Haltet trotzdem die Ohren steif!!

    • antworten Marion 16. Oktober 2018 at 14:04

      Toll geschrieben liebe Dorofee und Dir liebe Nadine, danke für den Post! So nervig dieses Gefrage, warum habt Ihr keine Kinder, wolltet Ihr wirklich nie welche, Ihr könntet doch noch, traut Euch…. Aber genau wie Ihr @Dorofee praktizieren wir es auch schon seit 5-6 Jahren, vorher war das Thema Kind nie wirklich Thema, weil es halt einfach nicht gepasst hat, Wohnung zu klein, Job weg…….. Aber jetzt ist es im Sommer „endlich“ passiert, die Nachricht über den positiven Test hat uns total aus der Bahn geworfen, weil eigentlich war unser Leben als Paar, mit Haus und ohne Kinder, die tun und machen können wann und was sie wollen, einfach perfekt. Wir haben uns das „ohne Kinder“ immer schön geredet, sind viel gereist und hatten immer eine schöne Zeit zu Zweit. Dann hatten wir uns gerade mit dem Gedanken angefreundet im Frühjahr 2019 zu Dritt zu sein und angefangen uns zu freuen und schon war die Schwangerschaft wieder vorbei… „Es“ hat in der 7./8. Woche aufgehört zu wachsen und musste ausgeschabt werden…. Inzwischen bin ich 43, ich denke das war irgendwie fast die letzte Chance, da ich auch chronisch krank (Diabetes Typ II) bin und auch weit entfernt vom Idealgewicht bin, aber ausgerechnet jetzt ist der Kinderwunsch wieder total groß……. Ein Chaos der Gefühle, der Verstand sagt nein, die Frauenärztin eigentlich auch, aber das Herz sagt ja……. warten wir ab! Ich kann Euch nur raten immer das beste aus Eurem Leben zu machen und es kann ja auch zu zweit schön sein und auch als Single kann man es schön haben, man muß es nur zulassen! ♥

    • antworten Anna 16. Oktober 2018 at 14:15

      Der Kommentar hätte genauso von mir stammen können 🙂 Wir verhüten auch seit einigen Jahren nicht, und es pssiert nichts. Heute sind wir beide ganz froh darüber 🙂

  • antworten Anonym 16. Oktober 2018 at 12:52

    Seit unserer Hochzeit wurde ich auch ständig gefragt, wann es denn Nachwuchs geben wird. Es hat einige Zeit gedauert bis es geklappt hat und in der Zeit taten die Fragen in Bezug auf den Nachwuchs besonders weh, weil man am liebsten rausgeschrien hätte: es klappt halt nicht!!!
    Aber nach dem ersten Kind hören die Fragen nicht auf…. die Frage nach dem zweiten Kind kam auf, da war ich noch nicht mal mit dem ersten aus dem Krankenhaus wieder raus…

    Ich habe allergrößten Respekt vor Frauen, die keine Kinder bekommen können bzw. bereits einen schmerzlichen Verlust erleiden mussten. Manchmal habe ich das Gefühl, dass man ab einem bestimmten Alter nur auf das Kinderkriegen reduziert wird. Sowohl im Privat- als auch Berufsleben.

    Ein Arbeitgeber hatte mir mal gesagt, als es um mein Alter ging, er könne mich sowieso nicht gebrauchen, da ich sowieso bald schwanger werden würde. Geschockt von seiner Antwort lächelte ich es einfach weg, aber am liebsten hätte ich ihm in die Adresse gekotzt #sorrynotsorry

    • antworten Nadine 16. Oktober 2018 at 21:17

      Hallo liebe Nadine,
      Ich kann das nur unterschreiben, wenn man ein Kind hat, wird einfach nach dem nächsten gefragt. Weil Einzelkind geht ja nicht… (Bei mehreren Kindern kommen dann die Kommentare, jetzt ist aber mal Schluss!).
      Meine Oma hat bisher das nur direkt angesprochen, und die ist grundsätzlich wenig empathisch und feinfühlig (teilweise aus Gründen, aber es gibt auch Leute, die Schlimmes erlebt haben und trotzdem empathisch sein können…), und dann wird einfach total viel meine Mutter gefragt, die mir das freundlicherweise nicht (mehr) sagt. Wobei das hier nicht mal ein belastendes Thema ist, ich rege mich aber eben darüber auf, weil ich mehrere Frauen kenne für die das belastend ist. Diese Frage gehört sich einfach nicht, als würde es darum gehen, was man für ein Brot kauft…
      Dir danke ich für deinen persönlichen Einblick, und dafür, dass sich einige Frauen gesehen fühlen durch deinen Beitrag,
      schade, dass es so viele Tabuthemen gibt.
      LG NAdine

  • antworten Netty 16. Oktober 2018 at 12:55

    Danke, dass du deine Geschichte mit uns teilst. Ich bin 30 und wurde vor zwei Jahren ebenfalls mit einer chronischen Krankheit diagnostiziert. Ich muss nun mein Leben lang Chemotherapeutika nehmen und die Wahrscheinlichkeit, dass ich je ein Kind werde austragen können ist null. Zudem bin ich single und frage mich, wer mich mit diesem Ballast überhaupt haben will. Es ist nicht leicht zuzusehen, wie die Freundinnen im Umfeld ihre Zukunft planen und Kinder kriegen. Umso mehr bedeutet es mir, zu lesen, dass ich mit meinen Gedanken nicht alleine bin. Danke

  • antworten Jess 16. Oktober 2018 at 13:06

    Danke für den Artikel. Es ist tatsächlich so, dass diese Fragen mit sehr vielen unangenehmen Emotionen verbunden sein können. Ich glaube, oft denken die Menschen auch zu wenig darüber nach, dass sie unter allen Umständen eine unangenehme Antwort bekommen. Denke, auf die Antwort, dass es einfach nicht klappen will und vielleicht sogar bereits eine oder mehrere Fehlgeburten hinter einem liegen, sind die wenigsten Frager vorbereitet. Entsprechend überfordert sind sie dann.
    Ich selber bin eine Frau, die keinen Kinderwunsch verspürt, obwohl ich steil auf die 30 zugehe. Für mich sind solche Fragen tatsächlich im schlimmsten Fall nervig. Ich bin in den Momenten gerne etwas grausam und antworte ehrlich, dass ich keine will. Mein Gegenüber kann selten mit einer passenden Antwort aufwarten. Es ist einfach wie du sagst: wir sind alle von ganz allein schon vollständig und „ganz“. Ich brauche keinen Mann oder ein Kind, um mich als komplett zu betrachten. Und so sollte es auch sein.

  • antworten T 16. Oktober 2018 at 13:07

    Danke für den tollen Beitrag. Wir versuchen nun seit knapp 1,5 Jahren ein Baby zu bekommen und im Juli habe ich mein erstes Kind leider durch eine Fehlgeburt verloren. Im Alltag war es immer ganz normal zu fragen, ob denn bei unseren Freunden Kinder geplant sind und die Meinungen dazu sind geteilt. Wir gehen mit unserem Schicksal sehr offen gegenüber Familie und Freunden um, aber auch mir tut es unendlich weh, wenn mich ein Fremder nach unserer Familienplanung fragt und ich die Situation nur weg lächeln kann.
    Es ist schade, dass auch das Thema Fehlgeburt oder ungewollte Kinderlosigkeit Tabuthemen sind, über die in unserer Gesellschaft kaum gesprochen wird. Ich hoffe, dass sich dies ändert, denn keiner kann etwas dafür in dieser Situation zu sein und hat Rücksicht und Verständnis verdient. Danke dir, für den mutigen Schritt in diese Richtung!

  • antworten Ulli 16. Oktober 2018 at 13:09

    Liebe Nadine,

    obwohl ich doppelt so alt bin wie Du lese ich Deinen Blog sehr sehr gerne und kann auch immer etwas für mich mitnehmen. Ich habe das Glück vier wunderbare Kinder und ein Enkelkind zu haben.
    Trotzdem kann ich mir sehr gut vorstellen wie man sich fühlt, wenn der Kinderwunsch nicht erfüllt wird.
    Zwei meiner Freundinnen sind leider kinderlos geblieben und haben lange gebraucht die Kinderlosigkeit zu akzeptieren.
    Ich finde es sehr mutig und stark von Dir so ehrlich über das Thema zu schreiben und kann Dir nur beipflichten, dass es unmöglich ist ständig nachzufragen wie es mit Kindern ist. Das ist so eine private Frage, die niemanden etwas angeht. Selbst meine eigenen Kinder habe ich nicht gefragt ob und wann wir „endlich“ Großeltern werden, dafür ist das Thema zu sensibel und geht letztendlich nur dem Paar etwas an. Irgendwann wird man es erfahren, entweder den Grund warum der Kinderwunsch unerfüllt bleibt oder das Gegenteil, ein Baby ist unterwegs.

    Fühl Dich gedrückt, alles Liebe und Gute

  • antworten Angela 16. Oktober 2018 at 13:14

    Danke für deinen Mut deine Geschichte mit uns zu teilen.
    Eine einfache (und meistens ehrlich interessierte) Frage über die Zukunftspläne kann einer Person wirklich einen Stich versetzen. Würde die Frage „wie sieht deine berufliche Planung der nächsten Jahre aus?“ genau so eine Reaktion in einer Frau hervorrufen? Wahrscheinlich nicht. Aber die Frage nach Kindern… oft ein sehr dünnes Eis.
    Als Frau in besagtem Alter erwartet alle Welt, dass man doch bald „in Produktion gehen sollte“. Ja, theoretisch sind wir in der Lage leben zu erschaffen. Sind wir deswegen dazu verpflichtet? Hat deswegen jeder ein Recht darauf zu erfahren an welchem Punkt der Schöpfungsgeschichte wir uns gerade befinden? Nein.
    Ich persönlich finde die Frage aus einem anderen Grund schwierig. Ich bin aktuell nicht bereit für Kinder und weiß nicht ob ich es je sein werde. Ich weiß, dass ich glücklich sein kann ohne Mutter zu werden. Mich verletzt die Frage nach dem Kinderwunsch nicht. Die Reaktion auf meine Antwort ist es, was mich oft trifft. Die erstaunten Blicke die sagen „was stimmt denn bei dir nicht??“.
    Egal ob „nicht können“ oder „nicht wollen“; kinderlose Frauen um die 30 entsprechen nicht so richtig der Normvorstellung unserer Gesellschaft. Ich hoffe sehr, dass ein Blogpost wie dieser dazu beiträgt, die Menschen zum Nachdenken und Umdenken anregt!!

  • antworten Ledi 16. Oktober 2018 at 13:14

    Wir haben zwei Kinder (2 Jahre und 3 Monate) und wurden quasi direkt nach der Geburt des Kleinen von allen Seiten gefragt, ob wir denn noch ein drittes wollen. Tatsächlich so oft, dass ich nicht sagen kann, wie oft. Der Dialog war IMMER folgender: „Naaaa ist denn da die Familienplanung abgeschlossen? *zwinkerzwinker*“ „Nein, wir möchten noch ein drittes, wenn alles klappt.“ „Na, dass das klappt habt ihr ja gezeigt! *schallendesLachen*“ „Das ist nicht selbstverständlich. Vorm Großen hatte ich eine Fehlgeburt.“ … Was dann folgt ist immer Entsetzen. Betretenes Schweigen. Rumgestammel. Ich führe dann immer das aus, was mir der Arzt vor der Gebärmutterausschabung gesagt hat: dass man -wenn man von meinem Zeitpunkt Spermium-Eizellkontakt ausgeht- die Quote für ein „Scheitern“ bei 75-80% liegt. Und dass solche Nachfragen gerade bei kinderlosen Frauen ganz ganz ganz gehörig unter die Güttellinie gehen können. Bislang waren tatsächlich alle Nachfragenden geläutert. Zumindest unmittelbar danach. Ich wünsche es allen Kinderlosen, dass diese Leute zukünftig sensibler mit dem Thema umgehen. Ich hab das große Glück, zwei Kinder zu haben und kann mit meiner Fehlgeburt in die Offensive gehen. Ich wünsche allen Kinderlosen aus tiefstem Herzen viel Kraft.

  • antworten Sara 16. Oktober 2018 at 13:24

    Ich möchte mich vor deinem Mut verneigen und Danke dir für diesen unglaublich offenen und authentischen Beitrag! Danke für deine Worte und das Bewusstsein für mehr Rücksicht. Genau das braucht es heute ganz besonders.

    Liebe Grüße von Herzen,
    Sara von dreieckchen.de

  • antworten Anna 16. Oktober 2018 at 13:25

    Danke für den Artikel.
    Mein Mann und ich verhüten seit 12 Jahren nicht. Ich bin nie schwanger geworden.
    Die ersten Jahre waren furchtbar. Ständig kamen Nachfragen aber wir wollten mit niemandem darüber reden. Aus heutiger Sicht würde ich es vielleicht anders machen, aber damals ging es einfach nicht anders.
    Mehrere Versuche in einer Kinderwunschklinik blieben erfolglos. In der Zeit war es insbesondere für mich sehr schmerzhaft. Oft vollgepumpt mit Hormonen und dann immer wieder die negativen Ergebnisse.
    Inzwischen sind wir stolze Eltern eines Adoptivkindes. Mit der Situation gehen wir inzwischen recht offen um. Freunde und Familie wissen um die Adoption und kennen auch unsere Geschichte.
    Aber natürlich weiß nicht jeder davon. Und obwohl ich inzwischen 40 bin, kommen immer wieder Nachfragen nach Nummer zwei. Und obwohl wir glücklich sind und mit diesem Thema unseren Frieden gemacht haben, versetzen diese Nachfragen doch immer noch einen kleinen Stich. Manchmal antworte ich patzig aber meistens lächele ich darüber hinweg und ärgere mich innerlich über diese Fragen.

    • antworten Anja 16. Oktober 2018 at 21:00

      Das ist so ziemlich genau unsere Geschichte. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Fragen ganz schnell aufhören, wenn man ehrlich antwortet und man in ganz betretene Gesichter schaut. Aber bis ich dazu bereit war, hat es viele Jahre gedauert und jedem möchte man seine private Geschichte ja auch nicht erzählen.

  • antworten Anonym 16. Oktober 2018 at 13:28

    Liebe Nadine, 1000 Dank fuer deine wunderbaren Worte! Fuehl dich umarmt… wie viele vor mir hier schon geschrieben haben, ist es mitunter eine zehntnerschwere Last, die einem mit diesen Fragen aufgebuerdet wird. Meistens genau in dem Moment, in dem man sie gerade abgeschuettelt hat bzw sich gerade mal GANZ fuehlt. Unser Weg geht auch schon ein ganzes Stueck lang. Ca. 5 Jahre mit mehr oder weniger rasanter Achterbahnfahrt liegen hinter uns und es geht noch weiter. Vor Kurzem haben wir mal den Weg der medizinischen Hilfe eingeschlagen. Jeder Schritt in diesem Thema erfordert eine wahnsinnige Kraft. Laut einer bekannten Hebamme gehen diesen Weg fast 50 % der Frauen die bei ihr entbinden. Das hat mich platt gemacht. Ich bin also nicht allein? Jeder hat seine individuelle Geschichte (in meinem Fall eine spontane Schwangerschaft mit therapeutischem Abbruch) und keiner ‚darf‘ sie erzaehlen. Ich denke, dass unsere Generation viel oefter mit dem Thema konfrontiert wird und schoen langsam auch liebevoller und vorsichtiger damit umgeht. Ich finde den Gedanken wunderbar, schon GANZ zu sein. Danke dafuer! Ich wuensche dir und deinem Mann und allen Frauen, Maennern, Paaren und auch gleichgeschlechtlichen Paaren (die noch mal andere Huerden haben), Singles ganz viel Kraft und deine Initiative darueber zu schreiben, ist so ein wertvoller und wichtiger Schritt in die richtige Richtung! *Danke*

  • antworten Anne 16. Oktober 2018 at 13:30

    Mit dem Nachfragen fing mein Opa schon an, als ich 21 war und noch nicht mal einen Freund hatte – was er wusste. Schon da hat es mich sehr gestört. Mit 28 hatte ich dann endlich einen Freund und dann fingen seine Eltern an. Da sie polnische Wurzeln hatten und es dort normal ist mit Anfang 20 zu heiraten und Kinder zu bekommen, war ich in ihren Augen schon zu alt dafür und müsste mich beeilen. Ich hatte aber endlich einen Studienplatz in meinem Wunschfach ergattert, nach langem Weg von Hauptschule, über Ausbildung und Abitur nachholen…da dieser viel mit Laborarbeit zu tun hat, müsste das Studium deswegen unterbrochen werden. Der Anspruch und die Lernzeit ist hoch. Ich schaffe es kaum so, wie sollte das mit Kind klappen? Vor allem ist er beruflich oft im Ausland unterwegs und ich habe keine Familie vor Ort und wäre alleine. Sie übten Druck auf ihren Sohn aus und er auf mich, was leider zu vielen unnötigen Streitereien geführt hatte. Den gleichen Druck übten sie auf den Bruder von meinem Freund und seiner Frau aus, weshalb die beiden den Kontakt abbrachen. Seitdem werde ich mit Fragen in dieser Richtung in Ruhe gelassen. Ja, ich will Kinder, aber ich habe mich nicht so lange in diesem Bildungssystem hochgekämpft um vor der Zielgeraden aufzugeben. Wenn es dann mit 34/35 nicht mehr klappt, dann muss ich die Konsequenzen tragen und glaube fest daran, dass man auch ohne Kinder ein schönes, erfülltes Leben haben kann.

    • antworten Katja 23. Oktober 2018 at 11:46

      Ja mit dem rasanten Wandel in den letzten 20 Jahren betrifft es jetzt genau uns, die nächsten Generationen werden dann schon feinfühligere Eltern haben und eh mit einem ganz anderen Weltbild im Leben stehen. Es ist immer wieder schwer den Druck von außen nicht sein Druck werden zu lassen, da muss ich mich immer wieder in meine Überzeugung zurückholen die wie deine ist. Ein schönes und erfülltes Leben ohne Kinder? Natürlich möglich, aber Hallo! Die Schwester von meinem Partner hat ein kleines Mädchen adoptiert und ich bin mir zu 100% sicher die lieben es so sehr wie ein Eigenes.

  • antworten X 16. Oktober 2018 at 13:31

    Danke für den Beitrag. Vor allem das Beleuchten verschiedener Situationen – denn je nachdem, ist jede für sich wichtig. Ich möchte auch noch auf diejenigen hinweisen, die nie Kinder haben möchten, es aber ständig gefragt werden.
    Bei mir ist das anders. Ich möchte „einmal“. Mit Anfang 30 ist das für viele schon zu spät. Ständig fragt man; weil man schon länger in einer Beziehung ist… aber hinter der Fassade sieht niemand die eigentlichen Sorgen. Ich bin eine von denjenigen, bei denen der Partner plötzlich nicht mehr weiß, ob es das richtige ist. Aber was bleibt? Verlassen? Wenn man doch liebt? Das Gefühl abdrehen? Wie?
    Zudem ist die Panik da; dass es wegen eines frauenärztlichen Befunds sowieso schwierig wird. Was die Zukunft bringt, mal sehen. Die Angst, plötzlich zu alt zu sein, bleibt. Oder eben Schwierigkeiten zu haben.
    Dass mein Partner nie darüber gefragt wird, macht mich wütend und machtlos. Weil er es somit auch nicht versteht.
    Aber ich werde dabei bleiben und für das Thema sensibilisieren. Danke!

  • antworten Nora 16. Oktober 2018 at 13:33

    Ich mag nur Herzerl da lassen, geht das auch?! 🙂
    Schön, dass du so mutig aus- und angesprochen hast, was für viele Frauen Thema ist. Ich hoffe, es sensibilisiert ein paar Menschen, achtsamer mit ihren Aussagen, Fragen und Wertungen umzugehen.

    GLG Nora

  • antworten E. 16. Oktober 2018 at 13:37

    Liebe Nadine
    Vielen Dank für diesen mutigen Text. Ich habe nach einer Fehlgeburt eine lange Kinderwunschbehandlung durchlebt. Jede Frage nach Kindern hat mir zeitweise den Boden unter den Füßen weggerissen. Mein Mann hat mich sehr sehr oft wieder aufbauen müssen. Kurz bevor ich meinen Kinderwunsch aufgeben wollte, hat es doch geklappt. Und jetzt… kommen unglaublich viele Fragen nach einem zweiten Kind. Ich schaffe und möchte aber keine erneute Kinderwunschbehandlung mehr. Manchmal macht mich die Frage noch sehr traurig und versuche ausweichend zu antworten, aber in letzter Zeit schaffe ich es immer öfter darüber zureden. Mir ist es wichtig, die anderen Frauen zu sensibilisieren, weil diese Fragen nach Kindern so unglaublich verletzen können.

  • antworten D. 16. Oktober 2018 at 13:38

    Vielen Dank für deinen Post!
    Ich bin 36. Vor 14 Jahren bin ich mit meinem Mann zusammen gekommen und seit 5 Jahren sind wir verheiratet. Seit Jahren kommen immer wieder die gleichen Fragen und Kommentare. Nach der Hochzeit wurde es natürlich noch schlimmer. Anfangs habe ich es belächelt, dann wurde es irgendwann nervig. Wir wollten den für uns richtigen Zeitpunkt abwarten und nicht nur einem Erwartungsdruck nachgeben.
    Seit 2,5 Jahren versuchen nun tatsächlich ein Kind zu bekommen. Bisher erfolglos. In dieser Zeit wurden die Kommentare für mich immer verletzender. Denn tatsächlich werde auch nur ich gefragt. Was mir sehr zu schaffen macht ist, wie leicht es anscheinend meinem Umfeld fällt, Kinder zu bekommen. Und bei jeder Schwangerschaft und Geburt verspürt man Neid und Traurigkeit, obwohl man sich doch freuen sollte. Und fühlt sich darüber schuldig.
    Wir haben jetzt angefangen uns untersuchen zu lassen, aber bisher wurde nichts gefunden. Wir versuchen es weiter und geben die Hoffnung nicht auf. Wir haben ein tolles Leben. Das Wichtigste ist, dies nicht zu vergessen, auch wenn es nicht einfach ist.

    • antworten N. 16. Oktober 2018 at 17:17

      Ich bekam grad Hühnerhaut: Das ist haargenau meine Geschichte, sogar die Zahlen stimmen! Einzug das mit der Untersuuchung haben wir noch nicht gemacht… Ich wünsche euch viel Glück – und das Wichtigste hast du ja bereits erkannt: Wir haben ein schönes Leben. Wir sind sind uns genug. Herzlichst, N.

  • antworten R-32- 16. Oktober 2018 at 13:40

    Liebe Nadine, ich danke dir für deinen Artikel und deine persönliche Gewichte, die privater nicht sein kann.
    Ich liege gerade neben meinem 9 Monate alten Baby und bewundere ihn beim Mittagsschlaf.
    Ich hatte vorher eine Fehlgeburt, in der 11 Woche, kurz bevor wir es allen sagen wollten. Ich bin nachts wach geworden und lag in meinem Blut! Ich musste ins Krankenhaus und eine Ausschabung musste vorgenommen werden. Die Frage war: was erzähle ich im Büro, warum ich jetzt ausfalle? Wenn man in einem Unternehmen arbeitet in den alle zwischen Mitte 20 und Mitte 30 sind, ist das gar nicht so einfach, weil irgendwie redet man immer über alles und man weiß zum Teil
    Mehr von den Kollegen als von der Familie. Ich habe also erzählt was passiert ist und auf einmal sprachen so viele über ihr gleiches Schicksal, dass ich total erstaunt darüber war, wie oft sowas doch passiert. Woher hat es scheinbar bei jedem immer sofort geklappt. Wie naiv ich doch war.
    Danach spielte mein Körper total verrückt und es stelle sich kein richtiger Zyklus ein. Mal blutete ich wie verrückt und musste vor lauter blutverlust ins Krankenhaus, mal passierte gar nichts. Ich war bei zig Ärzten, bis ich eine Frauenärztin gefunden habe, die scheinbar den richtigen Weg gefunden hat, damit ich jetzt neben meinem Wunder liegen kann.

  • antworten L. 16. Oktober 2018 at 13:40

    Vielen Dank für deine Geschichte und deinen Mut!

    Ich befinde mich in einer ähnlichen und doch ganz anderen Situation: Ich möchte keine Kinder, weil sich die Mutterrolle für mich einfach fremd anfühlt und ich in meiner Arbeit im Bereich HR einfach zu oft gesehen habe, wie schnell Mütter in wirtschaftliche Abhängigkeiten, in die (Alters)-Armut oder trotz bester Ausbildung und vorhandener Karriere ins berufliche Aus gerutscht sind. Dieses Risiko in Verbindung mit dem Fehlen eines, nennen wir es, „Mutterinstinkts“ sind für mich die Hauptgründe.

    Früher habe ich das bei Nachfragern auch immer so kommuniziert, mittlerweile verzichte ich aber darauf. Der Grund: Mir wurde meist entweder vorgeworfen unreif zu sein, abnormal oder egoistisch – weil ich der Gesellschaft Kinder schuldig wäre und schon noch draufkommen würde, dass ich unrecht habe. Anschließend kamen die Schwarzmalereien, dass ich trotz Ehemann und Freundeskreis unvollständig wäre und alleine sterben würde. Diese Diskussionen sind im Einzelnen zwar auszuhalten, auf Dauer zermürben sie aber – dabei gibt es bei mir nicht einmal körperliche Gründe oder einen unerfüllten Kinderwunsch. Ich kann es mir deshalb gar nicht ausmalen, wie es sein muss, sich solchen Diskussionen stellen zu müssen, wäre ein unerfüllter Kinderwunsch da!

    Deswegen: Mein Mitgefühl allen, die dieses Phänomen noch viel stärker betrifft als mich.

    • antworten Leni 16. Oktober 2018 at 22:04

      Das mit dem beruflichen Abseits sehe ich auch so. Die Erfahrung im Personalwesen habe ich auch gemacht. Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen drängen ein Elternteil (und das sind idR die Frauen, Männer reißen sich in meinem Umfeld nicht um die Sorgearbeit) in die Ecke. Ich kämpfe hier momentan privat um Verständnis und Unterstützung und bin eigentlich nur frustriert wie starr die Strukturen noch sind, sodass gleichberechtigte Sorgearbeit verhindert wird (Arbeitszeiten, Höhe der Krippengebühren, deren Öffnungszeiten, trad. Rollenverständnis etc.)…
      Und ja: Die Frage nach der Familienplanung ist eine Frechheit. Geht niemanden außer die Beteiligten was an…

    • antworten s. 16. Oktober 2018 at 22:20

      Du sprichst mir Wort für Wort aus der Seele.
      Auch von mir alle Kraft der Welt in diesen Momenten an die, die sich nicht freiwillig für ein Leben ohne Kinder entschieden haben. Und für uns „andere“ starke Nerven beim Versuch seinen eigenen Lebensentwurf nicht von anderen bewerten zu lassen.

  • antworten Michaela 16. Oktober 2018 at 13:44

    Jetzt sitze ich da bin und weine! Und die Tränen wollen einfach nicht wollen einfach nicht stoppen. Ich verstehe jedes einzelne Wort, jeden Gedanken den du schreibst. Ich hatte bereits 11 Fehlgeburten. Davon weiß kaum jemand. Vor allem nicht über die Anzahl. Ich bin auch immer diejenige die da steht und lächelt. Die einen sagen zu mir Sachen wie gottseidank habt ihr keine Kinder, die anderen wieso habt ihr keine Kinder und meinen früheren Job, weil ich grundsätzlich die Karrierefrau keine Kinder möchte. Zu geil auf die Karriere ist. Hatte ein Image, welches überhaupt nicht meiner Person entsprach.
    Dann kamen andere Schicksalsschläge dazu, die mich dann irgendwann mal auch dazu haben scheiden lassen, dass mein Körper dafür keine Kraft mehr hat.
    Im Freundes, Bekannten Kreis wurden dann auch schon zu Sachen erzählt, dass ich ja frustriert sein, Wenn andere Kinder bekommen, und deshalb mich nur so verändert habe und mich zurückgezogen habe. Was nicht der Fall ist, ich freue mich immer noch mit andere Kinder bekommen, mir diese Kinder mit Liebe und Achtung in die Familie aufgenommen werden. Bei Menschen die mir als ich einmal von eine Fehlgeburt erzählte, sagten stell dich nicht so an, dann probierst du es halt noch einmal, ja da habe ich mich distanziert, und habe beschlossen das ich bestimmte Menschen nicht im Freundeskreis haben möchte.
    Es gibt Momente, da glaube ich wirklich damit abgeschlossen zu haben, dann gibt es wieder Momente, tut es einfach nur weh. Dass ich meinem Mann und mir diese Familie nicht schenken kann. Mein Mann ist so ein liebevoller, toller Mensch, wie Kinder auf ihn reagieren, mit so viel Liebe Begeisterung und Hingabe. Das werde ich meinem Mann, nie schenken können. Ich weiß dass er mich liebt, ich weiß das wir eine gute Ehe und Freundschaft zueinander führen, doch was ist wenn seine Sehnsucht Papa werden zu wollen, doch größer ist?
    Danke für deine offenen Worte, ich weiß das ist ein großer Schritt ist darüber zu reden, darüber zu schreiben, es hier mit so viel en Menschen zu teilen. Doch dann wissen die Frauen, dass sie nicht alleine sind. Weil einfach zu wenig darüber geredet wird.
    Ich wünsche dir/euch für euren weiteren Weg, für dich und deine Gesundheit von Herzen alles Liebe und Gute.

    • antworten E. 17. Oktober 2018 at 10:07

      Liebe Michaela,

      es tut mir Leid was Du erleben musstest und puste Dir ganz viel Glück und Zuversicht zu. Wer weiß was noch passiert…

      Alles Liebe!

      E.

  • antworten stefi_licious 16. Oktober 2018 at 13:45

    Sehr schöner Artikel – ich kann mich hier nur einreihen. Es ist gut, dass darüber auch mal geschrieben wird.
    Ich habe es mir abgewöhnt, andere nach ihrer Lebendsplanung zu fragen. Bei Menschen, die mir sehr nahe stehen, ergeben sich solche Gespräche von selbst. Bei weiteren Freunden und Bekannten forciere ich so ein Thema nicht mehr.
    Ich habe mich selbst lange genug mit diversen Fragen dieser Art rumgeschlagen und fand das meistens sehr anmaßend. Komischer Weise fragen ja immer nur die Menschen, die es am wenigsten angeht. Man muss mit Fragen zur persönlichen Lebensplanung sehr aufpassen. Besonders, wenn es sich nicht um die engsten Vertrauten handelt. Manche Entscheidungen unserer Mitmenschen gehen uns auch einfach nichts an. Und wenn jemand Hilfe für ein Thema sucht, meine ich, wird man das in Gesprächen schon merken.
    Abgesehen davon, ist es wichtig, besonders die ungewollten Entscheidung akzeptieren zu lernen und sich mit ihnen auseinander zu setzen. Denn nur dann können einen solche intimen Fragen auch nicht mehr treffen.
    Mein Mann und ich haben für uns entschieden, dass Adoption oder Dauerpflege eine Option sein könnt. Und siehe da, das war wohl unser Weg. Mit 46 bin ich jetzt seit einem Jahr Mama von einem wunderbaren, fast zweijährigen, Mädchen. Und wenn ich das erzähle, sehe ich häufig in den Augen der anderen die brennende Frage: warum habt ihr keine leiblichen Kinder? Aber ganz ehrlich – ich ignoriere das. Denn es geht das Gegenüber meistens nix an. Man muss ja auch seine Geheimnisse haben. 😉

    Viele herzliche Grüße
    die Frau S.

    • antworten Michaela 19. Oktober 2018 at 6:59

      Danke!

  • antworten K aus N 16. Oktober 2018 at 13:58

    Liebe Nadine,
    mit Ende 30 kenne ich das Thema nur allzu gut. Ja, ich hätte gerne Kinder, aber bisher hat es tatsächlich zeitlich nie gepasst. Gleichzeitig ist es so, dass mein Mann einen Gendefekt hat, der zwar im Alltag keinen allzugroßen Stellenwert einnimmt, aber durchaus eine gesundheitliche Belastung ist. Dieser Gendefekt könnte sich auf etwaige Kinder übertragen. Möchte ich mit diesem Risiko leben? Wir haben für uns entschieden, dass wir es jetzt doch mal probieren möchten. Wenn es klappt, wunderbar. Wenn nicht, unser Leben war auch ohne bisher gut. Wir sind nicht unvollständig. Aber ich möchte tatsächlich auch nicht dauernd danach gefragt werden, warum wir noch keine Kinder haben.
    Von daher danke ich dir für deinen Artikel.
    Herzliche Grüße
    K aus N

  • antworten Nauka 16. Oktober 2018 at 14:03

    Liebe Nadine, danke für deine Sensibilisierung! Ich finde es irgendwie so kontrovers, dass auf der einen Seite gefühlt immer alle Nachfragen stellen, sobald man ein gewisses Alter erreicht hat oder frisch verheiratet ist… und auf der anderen Seite scheinen die Gründe, warum Menschen kinderlos bleiben, in der Gesellschaft immer noch so tabuisiert zu werden, denn das Interesse am Thema „Kinder kriegen“ scheint in der Gesellschaft ja recht groß zu sein. Es ist toll, dass du uns mit deiner Kolumne an deiner Geschichte teilhaben lässt und damit zur Aufklärung beiträgst. Vielleicht werden eines Tages die Fragen weniger, wenn sich mehr Menschen darüber bewusst sind, was alles hinter einer Kinderlosigkeit stecken kann!

    Ich hoffe, dass dir durch deine gestellte Diagnose nun noch besser geholfen werden kann als vorher – in allen Bereichen, in denen du dir Unterstützung wünschst!

  • antworten Manu 16. Oktober 2018 at 14:15

    Ach… wie sehr finde ich mich in deiner Geschichte wieder. Ich bin gerade erst 34 geworden, und mit jedem Tag wird die Bürde, noch keine Kinder zu haben, grösser. Früher (also so in meinen frühen 20ern) war immer klar, dass ich mal Kinder möchte. Nun ist aber nicht mehr alles klar: Schon ein paar Jahre bin ich mir in dieser Frage nicht mehr sicher. Mein Leben mit meinem Verlobten gefällt mir, ist aber auch ohne Familie nicht ganz einfach zu bewältigen, da wir beide im Schichtbetrieb arbeiten. Früher war ich beruflich nicht an dem Ort, wo ich sein wollte – jetzt wäre ich das FAST, aber irgendwie passts auch nicht so recht. Zudem fühle ich mich auch ohne Nachwuchs sehr ausgelastet und habe auch mehr Ängste als früher. Kann ich einem Kind gerecht werden? Schaffe ich das? Bin ich fähig ein Kind gross zu ziehen? Ich weiss es nicht. Nach einer Krankheit und einem Eingriff an der Gebärmutter sind die Zweifel nicht weniger geworden. Und mit jeder Nachfrage, mit jedem dummen Spruch wird der Druck grösser und die Unsicherheit auch. Ich bin mir bewusst, dass ich diese Entscheidung selbst treffen muss. Niemand wird mir dies abnehmen. Aber ich bin einfach im Moment unsicher. Und auch mein Alter macht dies nicht besser… mit jedem Lebensjahr komme ich – biologisch gesehen – mehr unter Druck. Keine Ahnung, wie ich da wieder heil aus dem „Schlamassel“ komme. 😉 Da helfen auch gut gemeinte Ratschläge wenig. So wie: „für Kinder gibts keinen richtigen Zeitpunkt“. Aha.

    • antworten Jana 16. Oktober 2018 at 15:33

      Genau diesen Satz könnte ich mittlerweile rückwärts aufsagen „Für Kinder gibt es keinen richtigen Zeitpunkt“ …. Nun ja, für uns gab es aber schon viele falsche Zeitpunkte und wir haben auch erst jetzt „starten“ können, mit Mitte 30. Und ja, es klappt aktuell nicht, was viele Ursachen haben kann… Ich fühle mit dir, auch wenn ich dir nicht konkret helfen kann.

      • antworten Manu 17. Oktober 2018 at 9:17

        …fühl dich umarmt Jana! All diese zahlreichen Kommentare zeigen doch auch, wie vielen es so geht. Das macht mich zwar irgendwie nicht weniger betroffen, aber es beruhigt mich etwas. Oft ist ja da auch das Gefühl, mit solchen Problemen alleine zu sein. Alles Gute dir!!

    • antworten Sunny 16. November 2018 at 17:53

      Deine Geschichte kommt mit irgendwie bekannt vor. Ich bin inzwischen 41 und immer noch kinderlos obwohl doch verheiratet. Ich war noch nie auf Kinder bekommen fixiert, jedoch nahm die Fragerei danach mit Mitte 30 stark zu. Ich habe immer Ausreden gesucht, aber eigentlich fand ich mein Leben so, wie es war und immer noch ist, mit meinem Mann alleine zu sein, schön. Wenn man 40 wird hört die Fragerei komischerweise auf einmal auf. Wir haben uns aktiv gegen ein Kind entschieden und so langsam geben auch die letzten Frageneden die Hoffnung auf und akzeptieren meine Entscheidung, auch wenn die meisten sie nicht verstehen können.

  • antworten SHK 16. Oktober 2018 at 14:38

    Liebe Nadine, vielen Dank für deine Offenheit! Ich denke, jeder muss für sich einen Weg finden wie er mit dem Thema umgeht. Ich habe viele Freundinnen bei denen es problemlos geklappt hat, kenne aber auch viele, mitunter ich selbst, bei denen es eben nicht so war. Ich wollte nie Kinder, bzw. sie waren kein Thema. So mit Anfang 30 und dem richtigen Lebenspartner kam dann doch der Wunsch.. und blieb erst mal ein Wunsch. Es klappte nicht.. irgendwann geht man dann doch mal zum Arzt.. Die Kurzfassung: mehrere künstliche Versuche.. man geißelt sich und fragt sich ständig warum klappts nicht. Von außen kommen immer gaaaanz schlaue Sprüche „du musst loslassen.. nicht so verkrampft an das Thema gehen“.. bla bla bla.. Diese Kommentare braucht kein Mensch. Ich habe mich dazu entschieden offen mit diesem Thema umzugehen, natürlich kommen dann auch solche Kommentare. Für mich gab es nie die Schuldfrage, wer von uns beiden Schuld daran ist, dass es nicht klappt (natürlich gab es eine ärztliche Diagnose), aber ich fand es irgendwann schon lustig, denn die Ursache waren nun mal die Schwimmerchen und das hat nichts mit loslassen und verkrampfen zu tun.. Trotzdem bin ich weiter offen damit umgegangen, für mich, für niemanden sonst. Ich habe angefangen mit traditioneller chinesischer Medizin, mich einfach um mich gekümmert.. um meinen Körper.. und nach 6 Jahren.. kam er dann einfach so, unser Sohn. Er wird wohl schon altersbedingt ein Einzelkind bleiben :-), bzw. wir haben ja unseren Wunsch dann doch erfüllt bekommen. Aber er bleibt unser Wunder. In meinem Fall gab es das „Wunder“, andere Frauen mit Kinderwunsch werden dies vielleicht nicht erfahren. Aber ich bin der festen Ansicht, man kann auch glücklich werden, wenn man etwas akzeptiert für sich und sich nicht von anderen beeinflussen lässt. Es gibt Patenkinder, Adoptionsmöglichkeiten, es gibt so viele Wege, seine Liebe in die Welt zu tragen. Wichtig ist nur, dass man zusammenhält und das beste aus seinem Weg macht. Wie sagt man so schön “ Es gibt viele Wege die nach Rom führen“.
    Und noch zum Schluss, die Meinung und Gedanken anderer.. die können einem Wurscht sein 😉 man darf sich nur nicht selbst aus den Augen verlieren.

  • antworten Melissa 16. Oktober 2018 at 14:39

    Ich bin ein wenig zwiegespalten. Einerseits habe ich großen Respekt davor, dass du deine Geschichte offen mit der ganzen Welt teilst. Andererseits bedaure ich es sehr, dass das „nötig“ ist. In einer Gesellschaft, die so gerne offen sein will und eine Jeder-will-Mentalität propagiert, werden manche Themengebiete davon ausgeklammert. So auch das Thema Frau und Kind. Ich selbst bin 34, Single, bisexuell und habe keinen Kinderwunsch. Hatte ich nie. Ich wollte immer einfach warten, ob die Hormone irgendwann mal hüpfen. Bislang taten sie es nicht und das ist für mich okay. Ich habe viele Nichten und Neffen, drei wunderbare Patenkinder, die ich sehr lieb habe. Aber trotzdem ertappe ich mich immer wieder dabei, dass ich mich automatisch erkläre, manchmal sogar rechtfertige und mit anderen in einer Diskussion darüber stecke, ob es „okay“ ist für eine Frau in meinem Alter einfach keine Familie gründen zu wollen. Meine Familie respektiert und akzeptiert meine Haltung, so auch meine engsten Freunde. Aber ich habe auch schon Sätze gehört wie „Ich finde, man ist nur richtig Frau, wenn man ein Kind geboren hat“ oder „Ohne Familie bist du nicht komplett“ oder „Was willst du denn dann in deinem Leben?“ Ich will eine Menge, und ich definiere mich nicht über Kinder als Frau – wo kommen wir denn da hin?

    Ich wünsche jeder Frau, die Kinder gerne möchte, dass sie welche bekommen könnte. Egal, auf welchem Wege. Hauptsache, es macht sie glücklich! Es ist, wie du sagst, wirklich eine ganz private und sehr persönliche Sache. Nur leider leben wir auch in einer Gesellschaft, die so schnell nicht von Konventionen, Gender-Denken und Traditionen abrücken kann. Ich versuche da selbst nicht mitzumachen und stelle solche Fragen nicht. Aus meiner Erfahrung heraus sprechen Frauen selbst davon, wenn sie es möchten. Und wenn nicht, dann ist das auch okay.

    Ich wünsche dir und allen Frauen, die in einer ähnlichen Situation sind wie du ganz viel Kraft und Lebensfreude!
    Gruß,
    Melissa

  • antworten Anuschka 16. Oktober 2018 at 14:46

    Liebe Nadine,

    auch von mir ein großes Danke für diesen Post.

    Ich bin jetzt 29 und werde seit vielen Jahren nicht ernst genommen oder sogar dafür angefeindet, dass ich noch nie Kinder wollte. „Wenn bei dir erst mal die Uhr tickt…“ „Das kannst du jetzt noch gar nicht wissen…“ „Dir wird etwas fehlen, wenn du alt bist…“ usw. Ich bin mir dieser Entscheidung schon so lange so sicher und trotzdem wird mir immer wieder gesagt, dass das falsch von mir ist. Es zermürbt, es macht wütend und auch traurig.

    Seit einem Jahr habe ich einen neuen Partner, mit dem ich sehr glücklich bin und der Gott sei Dank zu dem Thema ähnlich steht. Eigentlich alles gut also. Wäre da nicht der denkwürdige Abend, an dem mich seine Tante zur Seite nahm um mir ins Gewissen zu reden. Er ist der einzige Sohn und und beide Schwestern der Mutter sind lesbisch und haben keine Kinder bekommen. Mir also von einer kinderlosen Mittfünfzigerin sagen zu lassen, dass sie sich ja alle so für uns freuen würden, wie es denn mit Kindern aussähe und wann man damit rechnen könnte fand ich schon grenzwertig. Als ich ihr dann aber meine Position erläuterte und die mit einem „Das kann man doch alles regeln, ich passe gerne mal drauf auf!“ beiseite gewischt wurde, war ich sprachlos. Abgesehen von den äußeren Umständen (wenige Monate zusammen, Fernbeziehung, er ist Soldat und muss bald in den Einsatz) WILL ich einfach keine Kinder, egal ob man da Lösungen finden könnte oder nicht.
    Ich hatte das Glück, dass mein Freund dazwischen gegangen ist und ihr die Leviten gelesen hat, so dass sie sich nachher kleinlaut bei mir entschuldigte, aber ich denke, solche Diskussionen werde ich noch öfter führen müssen.

    Hinzu kommt noch, dass ich wegen einer Hormonstörung ohne Behandling gar nicht in der Lage wäre, Kinder zu bekommen. Paradoxerweise hat mich das schon erschreckt. Aber ich habe das Gefühl, darüber gar nicht reden zu dürfen, weil ich ja auch keine Kinder möchte.

    Wie man an all den Kommentaren hier sieht, ist es wirklich ein Thema unserer Zeit und ich bin froh, dass es zumindest hier Raum dafür gibt.

    Liebe Grüße
    Anuschka

    • antworten Natalie 16. Oktober 2018 at 16:12

      Oh wow! Oft habe ich das Gefühl, dass diese Frauen die darauf beharren, dass man endlich schwanger wird neidisch auf dich sind, dass du dich entschieden hast in Freiheit zu leben! Denn es gibt viele Mütter, die es sogar bereuen je Kinder bekommen zu haben. Es gibt zig Bücher darüber. Finde ich gut, dass darüber auch gesprochen wird! Jeder muss so leben, wie er es für richtig hält, alles andere ist falsch.

      • antworten Anuschka 17. Oktober 2018 at 7:52

        Danke für deine Antwort auf meinen Kommentar! Mir tut jeder Leid, der gerne Kinder bekommen hätte und keine hat, aber ich bin weder Projektionsfläche für überfüllte Wünsche, noch eine Gebärmaschine, die man an und ausschalten kann. Die Frage nach Kindern finde ich eigentlich schon übergriffig, kann aber verstehen, dass sie nicht böse gemeint ist. Wenn man sich dann aber Vorwürfe anhören muss, geht es wirklich zu weit.

        • antworten Anuschka 17. Oktober 2018 at 7:53

          *unerfüllte

    • antworten Racine 16. Oktober 2018 at 16:17

      Krass…Ich bin gerade echt sprachlos! Wie unfassbar dreist Dir so etwas aufzubürden und quasi hinterrücks noch ein schlechtes Gewissen einreden zu wollen…da fehlen mir echt die Worte!
      Ich sehe das wie du: Ich bin jetzt 31 und habe für mich bisher auch einfach noch nicht den Wunsch verspürt Kinder bekommen zu wollen.
      Ja, die sind ganz süß, aber ich bin ehrlicherweise auch froh wenn ich sie wieder abgeben kann ^^“
      Manchmal denke ich selbst ich bin Banane wenn ich darüber spreche dass ich die Art Frau bin die 100% sicher ist, irgendwann definitiv einen Hund zu haben und kein Baby…aber who cares?
      Liebe Grüße,
      Racine

      • antworten Anuschka 17. Oktober 2018 at 8:26

        Liebe Racine,
        was den Hund angeht, da bin ich ganz bei dir! 🙂 Deswegen bist du sicher nicht Banane. Und : I care!
        Alles Liebe,
        Anuschka

        • antworten Katja 18. Oktober 2018 at 0:20

          Ich kann deine Geschichte so nachvollziehen. Ich bin 31 und habe definitiv keinen Kinderwunsch und auch nie gehabt. Die Fragen hörten nie auf und hören auch heute nicht auf. Es gibt nur eine handvoll Leute die meine Meinung zu dem Thema verstehen und auch nachvollziehen können. Mein Partner und ich sind uns bei dem Thema einglück mehr als einig.
          Ich dachte immer, mir fehlt der Mutterinstinkt, aber dem ist nicht so, denn ich habe 2 Hunde und wenn da einer Nachts hustet bin ich wach. Ich möchte aber weder eine Schwangerschaft durchleben, noch ein Kind großziehen. Eine Zeit lang habe ich mich wirklich gefragt, ob mit mir alles in ordnung ist. Mir tut jeder hier leid, der einen unerfüllten Kinderwunsch hat und sich den Fragen nach der Kinderplanung immer wieder stellen muss. Aber auch wenn man keinen Kinderwunsch hat, können diese Fragen mehr als anstrengend und zermürbend sein. Die Leute wollen dann – ähnlich wie du es beschreibst- versuchen einen zu missionieren. Als hätten ie es sich zur Aufgabe gemacht dir ein Kind „aufzuschwatzen“ .

          Da es bei mir recht wahrscheinlich ist, das sich eh keine Kinder bekommen könnte, nutze ich das teilweise schon als Fluchtweg um dem Thema so schnell wie möglich aus dem Weg zu gehen, da dann meist keiner weiter nachhackt.
          Mein Partner ist die hälfte des Jahres beruflich unterwegs, ich bin mit meinem Job, Haushalt, Garten und Hobbys mehr als ausgelastet zudem sind wir wirklich glücklich mit uns und unseren Tieren und fühlen uns ohne Kinder in keinster Weise unvollkommen .

  • antworten Simona 16. Oktober 2018 at 14:58

    Bei mir wurde letztes Jahr ein Tumor in der Gebärmutter festgestellt, auch die Eierstöcke waren bereits befallen und mir musste alles entfernt werden. Ich war zu dem Zeitpunkt keine 27 Jahre alt und hatte weder einen Kinderwunsch noch wollte ich es ausschließen.
    Ich habe dieses Jahr meinen Partner nach 10Jahren Beziehung geheiratet, und wo es vorher schon vereinzelt Fragen zum Thema Kind gab will es jetzt gar nicht mehr aufhören.
    Ich habe alles möglichen Antworten ausprobiert, von „wir warten noch“, „wir wollen das Leben genießen“ bis hin zur Wahrheit. Die wollen die meisten aber gar nicht hören, außer peinlich berührter Stille kommt manchmal noch „man kann es sich ja auch ohne Kinder schön machen“ (bei diesem Satz bekomme ich jedoch die Krise-schliesslich scheint für den Fragesteller Kinder bekommen wohl schon wichtig zu sein..)

  • antworten VE 16. Oktober 2018 at 14:59

    Liebe Nadine,
    Vielen Dank für deinen Artikel. Ich habe noch nie bei einem Blog einen Kommentar hinterlassen, aber nach dem Lesen deines Artikels wollte ich das machen. Und ich hab mich aber auch bewusst für den Blog entschieden, weil ich auf Instagram nicht weiß, wer aller aus meinem Freundeskreis mitliest. Und da sind wir schon beim Dilemma – das Thema ist privat und man will/kann es nicht mit jedem teilen.
    Ich bin 35, seit 5 Jahren mit meinem Mann zusammen, seit 6 Monaten verheiratet. Ich hatte vor ihm eine lange Beziehung, über die ich nicht einfach hinweggekommen bin und daher habe ich in der neuen Beziehung lange Zeit gebraucht mich überhaupt darauf einlassen zu können. Während Freundinnen in ähnlichen Situationen nach der Trennung sofort neuen Partner, heiraten, Haus kaufen und Kinder kriegen in Rekordzeit abgehakt hatten, bin ich immer noch kinderlos, wohne zur Miete und hab jetzt „gerade mal“ geheiratet. Und wenn es nach mir ginge, würde ich auch vielleicht erst in 5-10 Jahren über das Kinderthema mal nachdenken, denn mir gefällt mein Leben so, wie es gerade ist. Ich kann mich da meiner „Vorschreiberin“ Manu nur anschließen. Aber die biologische Uhr lässt das nicht zu. Und ich fühle mich dazu gedrängt jetzt darüber nachzudenken, als dass ich aus freiem Willen eine Entscheidung für ein Kind treffen kann.
    Ich war auch in diesen „sie-trinkt-nichts-also-ist-sie-schwanger“-Situationen – so nervig! Beruflich bin ich gerade auch nicht happy, aber in der unguten Situation, dass Firmen frisch verheiratete Frauen Mitte 30 ohne Kinder nicht gerne einstellen, weil sie könnte ja schwanger werden.
    Traurig ist auch, dass der Freundeskreis sich um einen herum so verändert. Ich habe 2 Kreise mit engen Freundinnen, in beiden bin ich die einzig kinderlose. Wenn wir uns treffen, gibt es kein anderes Gesprächsthema mehr und das ganzen Gejammere über keinen Schlaf, ständig kranke Kinder oder die fehlende Hilfe des Mannes im Haushalt, wenn’s dann ernst wird, motiviert mich jetzt nicht gerade das Kinder-Projekt selbst anzugehen. Und die Zeit für ein ernsthaftes Gespräch unter Freundinnen, wo man vielleicht wirklich erzählen würde, wie man über das Thema denkt, gibt es nicht mehr. Und so bleibt es bei dem oberflächlichen, nervigen Gefrage und den ausweichenden Antworten.

    • antworten Manu 17. Oktober 2018 at 9:28

      Genau so empfinde ich das auch: ich muss jetzt darüber nachdenken, obwohl ich das eigentlich aktuell gar nicht möchte. Abgesehen davon gibt es nämlich Themen, die akuter wären. Wir planen unsere Hochzeit, ich möchte allenfalls nochmals einen Karriere-Schritt machen etc. Aber all dies wird dominiert von dieser einen Frage, die man sich ja schon selbst genug oft stellt. Und keine Antwort hat darauf. Und dann kommt die auch immer wider von aussen..immer und immer wieder. Und der Druck steigt. Und wenn man all dies ausspricht und zugibt, dass man sich einfach auch (noch) nicht entscheiden kann, dann kommt oft der Satz: „ja du hast ja noch Zeit“. Und auch genau diese Worte setzen noch mehr Druck auf, weil man genau weiss, dass das biologisch jetzt nicht unbedingt korrekt ist.

  • antworten Pia 16. Oktober 2018 at 15:01

    Danke für diesen so ehrlichen Beitrag…Ich bin seit 1 Jahr Mutter… Aber das auch nach circa 10 Jahren genau dieser Fragen in einen so intimen und privaten Bereich…. Dadurch , dass ich Hebamme bin, wurde mir die Frage wahrscheinlich noch häufiger gestellt und auch so manches Mal mit einem dreisten Unverständnis für meinen kinderlosen Zustand gestraft….
    Als ich dann immer noch kein Kind hatte, obwohl ich meinen Mann nach 15 Jahren Beziehung heiratete, fragten die Leute auch irgendwann ob es nicht klappen würde…. Das machte die Situation nicht besser.
    Ich wollte mich nicht rechtfertigen und schon gar nicht erklären, dass ich chronisch krank bin und Medikamente nehmen muss.
    Dass wir Eltern werden konnten, hat viel Mut gekostet und wir sind sehr dankbar für unser gesundes Kind. Und auf die Frage, wann denn das Geschwisterchen geplant ist, antworte ich nicht…. Sondern mache der Fragenden Person bewusst, wie scheisse diese Fragen sind .. nach Kindern …nach Geschwistern…und nach vermutlichen Schwangerschaften….Du weisst nie was dahinter steckt….

  • antworten Verena 16. Oktober 2018 at 15:02

    Ich danke Dir für diesen offenen und ehrlichen Beitrag! Mir kommen grad die Tränen…
    Ich war eine der Frauen, die Dir im Frühjahr auf Deine Instagram Story geantwortet hat. Ich bin eine der Frauen, die seit 5 Jahren alles dafür tun würde, ein Baby zu bekommen und es bisher noch nicht geklappt hat. Was passiert ist seitdem? Unzählige Diagnosen weshalb es nicht klappt, eine zerbrochene Ehe und viele Nächte voll mit Ängsten und Sorgen für immer kinderlos zu bleiben. Im Freundeskreis bekommt ein Paar nach dem anderen ihr Wunschkind. Teilweise sind es nicht einmal Wunschkinder, sondern eben diese, die von dem Umfeld…von der Gesellschaft“ verlangt“ werden. Diese Situationen machen es nur noch schwerer für mich. Die wenigsten verstehen es, was es bedeutet darum kämpfen zu müssen. Sich unzähligen Untersuchungen unterziehen zu müssen und immer wieder einen neuen Grund für das „geht nicht“ zu erfahren. Derzeit stecke ich mit meinem neuen Partner wieder mitten drin im Kinderwunschchaos. Nun heißt es „ihr müsst heiraten und in eine Kinderwunschklinik gehen“ … wir MÜSSEN, weil wir es kaum noch selbst entscheiden dürfen. Die Krankenkassen übernehmen nur bei verheirateten Paaren die Kosten (warum? Ich war verheiratet und auch das war keine Garantie), die biologische Uhr tickt, weil wir auch schon Anfang/Mitte 30 sind, weil uns eine Adoption aufgrund meiner chronischen Erkrankung schwer gemacht wird…all diese Dinge beschäftigen uns gerade und wir stellen uns immer wieder die Frage „Warum?“ … auf die wir wahrscheinlich nie eine Antwort bekommen werden. Die Angst, das eine erneute Kinderwunschbehandlung wieder alles zerstört, an meinen Kräften zerrt bis zum umfallen und alte Wunden aufreißt ist riesig. Aber welche Alternative gibt es, wenn man sich so sehr ein Kind wünscht? Ich habe leider keine Antwort drauf…

  • antworten Julia 16. Oktober 2018 at 15:07

    Liebe Nadine,
    vielen Dank für diesen mutigen Text. Ich kann Dich so gut verstehen! Ich bin 37 Jahre und leide auch unter einer chronischen Erkrankung und nehme Medikamente. Eine Schwangerschaft wäre irgendwie möglich, aber niemand kann uns sagen, wie es mir während der Schwangerschaft und danach ginge. Desweiteren wurde mir vor vier Jahren ein kindskopfgroßes Myom entfernt und seitdem steht fest, dass ich nicht natürlich gebären könnte, sondern ein Kaiserschnitt nötig ist, da meine Gebärmutter keine starken Wehe aushalten kann.
    Aus all diesen Gründen haben mein Mann und ich uns dazu entschieden kein Kind zu bekommen. Das hat der Verstand entschieden, nicht das Herz. Es ging mir deswegen sehr schlecht dieses Jahr und ich kenne sehr gut die ganzen Nachfragen. Nach unserer Hochzeit vor vier Jahren wurden die Blicke auf meinen Bauch immer mehr und ich mit jedem Nachfragen und Kommentar trauriger. Am schlimmsten war meine Schwiegermutter. Die mehrmals betonte, dass sie gerne Oma wäre. Mir nach meiner OP sagte, dass wir mit dem Kinderkriegen spät dran seien (ich konnte vor Schmerzen kaum gerade stehen) und den Höhenpunkt darin fand, dass sie auf einem Geburtstag die Kinder von Freunden vor allen Gästen als ihre Ersatzenkelkinder präsentierte. Ich kann kaum beschreiben, was das in einer Frau, die ungewollt kinderlos ist, auslöst. Scham, Trauer, aber auch Wut und Hass.
    Ich verstehe die Neugier von Menschen und dennoch würde ich selber so ein sensibles Thema nie ansprechen. Es ist allein die Sache des Paares und geht niemanden etwas an. Ich frage ja auch keine Mutter, warum sie Kinder bekommen hat.
    Aber nicht nur die Familie und Freunde fragen, sondern auch jeder Arzt und so viele andere Personen. Ich frage mich, warum ist das für alle so wichtig? Ein Leben kann ohne Kinder auch erfüllt sein. Natürlich wünsche ich mir, dass es anders wäre, aber nicht alle Paare können Kinder kriegen. Das war immer so und wird immer so sein. Ich habe mich mittlerweile berappelt und genieße mein Leben auch ohne Kind. Manchmal bin ich sogar ein kleines bisschen froh, dass wir kein Kind haben, denn wir sind frei und können tun und lassen was wir möchten.
    Nur wenn wieder ein Baby im Freundeskreis geboren wird und es stundenlang kein anderes Gesprächsthema mehr gibt, dann denke ich oft, warum bei uns nicht?
    Andere haben Angst vor ihrem 40. Geburtstag, ich freue mich darauf, weil ich die Hoffnung habe, dass dann endlich alle Nachfragen und Kommentare aufhören…

  • antworten anonym 16. Oktober 2018 at 15:11

    Ich kann mir ein wenig vorstellen, wie es kinderlosen Frauen und Paaren geht. Ich habe „nur“ ein Kind, für das ich unwahrscheinlich dankbar bin. Aber auch das ist irgendwie in dieser Gesellschaft nicht richtig. Denn so wie du ständig die Fragen hörst, weil du noch kein Kind hast, werde ich häufig gefragt, wann denn das nächste kommt. Gut, jetzt da ich über 40 bin, hat die Fragerei aufgehört. Aber ich war 28, als mein Kind geboren wurde – locker 10 Jahre wurde ich von vielen Seiten gelöchert. So nach dem Motto „Ein Kind ist ja kein Kind“. Leider war mir ein 2. Kind nicht vergönnt – auch aus gesundheitlichen Gründen. Das wollte ich aber eigentlich niemandem erzählen. Man sah mir den gesundheitlichen Zustand nicht an, mir gings ja auch nicht so schlecht – aber eine Schwangerschaft hätte halt Risiken mit sich gebracht, die ich nicht bereit war zu tragen. Schließlich hatte ich einen Mann und ein Kind. Dafür bin ich dankbar. Und ehrlich, ein bisschen froh bin ich drum, jetzt über 40 zu sein und somit keine Fragen mehr zu hören.

    Auch wenn ich glücklich in meinem Leben bin, überkommt mich manchmal schon etwas Traurigkeit, dass ich quasi nicht frei darüber entscheiden konnte, einem zweiten Kind das Leben zu schenken.

    Für dich alles Gute Nadine.

    LG
    anonym

  • antworten Ines 16. Oktober 2018 at 15:14

    Danke. Einfach nur Danke! Danke für deinen Mut und deinen Einsatz und deine Stärke und deine Worte. Ich selbst finde es sehr schwer damit umzugehen. Ich hatte immer gedacht, dass Kinder zu meinem Leben gehören würden. Aber bisher hat es nicht geklappt, über die Gründe rede ich nicht gerne. Am schwersten ist es diese Erwartungshaltung von außen zu „ertragen“ und sich trotzdem als vollständig zu sehen. Danke für deine Worte. Und ganz viel Kraft für dich, deinen Mann und eure Zukunft.
    Liebe Grüße
    Ines

  • antworten J 16. Oktober 2018 at 15:24

    Hallo liebe Nadine!
    Vielen Dank für den tollen Beitrag. Uns geht es oft sehr ähnlich, denn Nachfragen bekommen wir regelmäßig, nach unserer Hochzeit im letzten Jahr noch mehr als vorher. Wir sind zudem ein Frauenpaar und haben dadurch noch eine Hürde mehr zu nehmen. Wir müssen jeden Versuch schwanger zu werden absprechen und planen und haben pro Monat in aller Regel genau einen Versuch. Diese Versuche kosten uns zu allem Überfluss auch noch eine Stange Geld, auch wenn wir dieses bereitwillig ausgeben, keine Frage. Ich bin 35 und werde meinen Herzenswunsch Mutter zu werden so schnell nicht begraben, aber es zehrt Nerven und Kraft, jeden Monat auf’s Neue. Wenn dann zwei Freundinnen aktuell parallel schwanger sind und die dritte Freundin dir einen Nachricht schreibt „Wollen wir mal telefonieren?“ und du schon ahnst, dass sie dich anrufen möchte, weil bei ihr auch Nachwuchs unterwegs ist, dann möchte man hin und wieder schreien oder weinen oder auswandern … auch wenn das natürlich nichts ändert. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt, versuchen optimistisch zu bleiben, dass es klappt und nicht darüber nachzudenken, was wäre, wenn es nicht funktioniert.
    Fühl dich umarmt und sei dir sicher, du bist mit deinen Gefühlen und Gedanken nicht alleine. Aber wie du so schön geschrieben hast, wir sollten jeden Tag verinnerlichen, dass wir GENUG sind. Das wir GANZ sind. Und dass wir glücklich sein sollten!
    Liebe Grüße

  • antworten K. 16. Oktober 2018 at 15:28

    Ein schöner, ehrlicher, wichtiger Beitrag – danke dafür.

    Ich bin 40 und darf wie es aussieht im Jänner endlich meinen langersehnten kleinen Räuberjungen in den Händen halten <3
    Ich bin sehr glücklich und dankbar, da es lange aussah als wäre "mein" Zug abgefahren.

    Vor einem Jahr hatte ich eine Fehlgeburt – im Urlaub, auf Sizilien – wir konnten uns dort in einer schönen berührenden kleinen Zeremonie noch von unserem Engel verabschieden und liessen ihn mit einem gebastelten Papierboot und einem Brief ins Meer hinaus schweben, dennoch war es natürlich sehr schwer und unendlich traurig.

    Danach folgten auch viele Arztbesuche, Bangen, Hoffen und mit Hilfe einer tollen Klinik wurde aus den prognostizierten 3% Chancen des Arztes dann doch ein kleines Wunder das grad in dem Moment in mir "herumwerkt".

    Ich habe meine Geschichte nie herausposaunt, allerdings hatten mein Partner und ich beschlossen wenn sich jemand mitfühlend und ehrlich nach "uns" erkundigt und nicht nur alibimässig wir relativ ehrlich antworten – da ich ganz stark der Meinung bin "gemeinsam sind wir stark" und zum einen das Reden Therapie ist UND zum anderen auch anderen Mut geben kann….es geht in der Tat so vielen Pärchen gleich und sich mit Rat und Tat, Erfahrungen beiseite zu stehen, tut einfach gut.

    Ich selber frage auch nicht konkret nach, sondern warte ab und wenn ich ein Signal bekomme, dann frage ich doch auch mal, weil manche sich auch einfach nicht trauen und ich einfach finde es darf und soll kein Tabu Thema sein.

    In jedem Fall wünsche ich dir ALLES ALLES LIEBE und verliere (noch) nicht den Glauben, ich weiss, man hört diese "Wunder" immer nur von anderen und auch das kann ehrlich gesagt manchmal nerven – das weiss ich nur zu gut – aber aus eigener Erfahrung "don't give up – aus isses erst wenn es aus ist" <3

    Ich drücke dich virtuell unbekannterweise

    K.

  • antworten Tini 16. Oktober 2018 at 15:32

    Herzlichen Dank für diese ehrlichen Worte! Du sprichst vielen aus der Seele. Diese Fragerei – so verletzend und unangebracht. Ich wünsche Dir / Euch von Herzen alles Liebe und Gute. Ihr findet Euren Weg. 💚

  • antworten Natalie 16. Oktober 2018 at 16:00

    Du sprichst mir aus der Seele..
    Ich dachte eigentlich immer, dass ich Kinder möchte bis vor 2 Jahren. Ich hatte Myome. Eigentlich sollten die über 2 kleine Schnitte raus operiert werden doch sie waren zu groß und so wurde bei mir ein Kaiserschnitt gemacht. Wenn ich das hier schreibe, dann kommt alles wieder hoch.. die Monate danach lag ich nur im Bett; Ich hatte entsetzliche Schmerzen und viel Zeit zum Nachdenken. Man sagte mir, dass es Schwierigkeiten geben kann, wenn ich schwanger werde; dass es wieder ein Kaiserschnitt sein müsste usw. Für mich war sofort klar, dass ich das NIE wieder erleben möchte. Diese Schmerzen und Sorgen um mich selbst würde ich mir für kein Kind, dass noch nicht mal existiert antun. Ja, man sollte zuerst immer an sich selbst denken, das ist ganz und gar nicht egoistisch! Ich bin sehr froh, dass mein Mann zu mir steht. Er meinte er habe ja MICH geheiratet WEGEN mir und nicht, weil ich ihm ein Kind gebären könnte. Es gibt noch andere Gründe warum ich keine Kinder möchte; krankheitbedingt, die ich nicht weiter ausführen möchte. Heute bin ich mir sicher, dass ich nie wirklich Kinder wollte. Die Gesellschafft wollte es.

  • antworten Eva Maria 16. Oktober 2018 at 16:22

    Liebe Nadine , danke dir für diesen sehr persönlichen Post. Ich finde mich in jedem Satz wieder. Und merke wie leid ich es bin von anderen bewertet und als unvollständig abgestempelt zu werden, nur weil ich mich nicht für Kinder entscheiden kann. Es ist nicht Mal das dagegen, aber wie bei dir auch macht es meine chronische Erkrankung unvorhersehbar. Und ich will diese nicht Mal als Grund vorschieben müssen, denn auch so habe ich das Gefühl, mein Leben und das meines Mannes ist gut so wie es ist.

    Der Druck der Umgebung wird einem bei solchen Worten wieder bewusst und danke dir und auch all den anderen Kommentaren. Es tut gut zu sehen dass ich mit dem Themen nicht alleine bin und es viele viele verschiedene Geschichten gibt.

    Liebe Grüße
    Eva Maria

  • antworten W, 45 J. 16. Oktober 2018 at 16:32

    Liebe Nadine,

    vielen Dank für deine Offenheit und diese Zeilen.
    Uns hat das Thema bald 20 Jahre verfolgt. Bis zur Hochzeit ging es ja noch, aber danach. Bei mancher Party war es sinnvoll, demonstrativ ein Glas Alkohol in Händen zu halten, damit wenigstens die Frage, ob ich denn jetzt schwanger sei, schon mal geklärt war.
    Egal wie man sonst geantwortet hat, auf „wollt ihr gar nicht“ und „klappt wohl nicht“ folgte „da gibt es doch ärztliche Hilfe“ und schließlich „wie ist es denn mit Adoption?“.
    Irgendwann habe ich mir angewöhnt, sehr ehrlich zu sein und mir vermeintliche Rücksichtnahme auf die Empfindsamkeit der Fragenden abzugewöhnen. Seitdem lauteten meine Antworten:
    „Ärztliche Hilfe hatten wir – jahrelang. Medizin ist aber kein Allheilmittel.“
    „Das klingt so schön, geh doch zum Arzt. Hast du schon mal darüber nachgedacht, was es mit dir und deiner Beziehung macht, wenn es nur noch ein beherrschendes Thema gibt, Leben und Liebe von Uhr und Kalender bestimmt werden und dein Körper ständig durch hormonelle Extreme getrieben wird?“
    „Macht es UNS aus, Eltern zu sein?“
    Später (bis heute) und in ganz distanzlosen Fällen sage ich: „Doch, wir haben ein Kind, ein Sternenkind.“ und gern erkläre ich diesen Begriff auch mehr oder weniger drastisch. Spätestens beim Wort „tot“ kippt die Stimmung. Folgt dann noch „habt ihr es denn nicht nochmal versucht?“ werd ich unhöflich…

    Nach vielen Tiefs haben wir gelert zu akzeptieren, dass es unser (genetisches) Kind nicht geben wird. Und gegen die Herausforderungen einer Adoption haben wir uns entschieden (zu alt, zu erschöpft, zu…)
    Heute geht es uns meist gut damit, aber eine wunde Stelle auf der Seele bleibt.

    Daraus gelernt habe ich trotz allem auch etwas: über Jahre sind wir den Weg allein gegangen, ohne Freunde und Familie einzubeziehen. Wir wollten alle schonen und haben uns dabei vergessen. Wir haben uns liebe Menschen zugleich ausgegrenzt. Warum eigentlich? Und auch an der Freude erst keinen teilhaben lassen. Was soll eigentlich dieser Unfug, dass man es bis zur 12 Woche nicht erzählen soll, da es ja noch „schiefgehen“ könne? Und wenn das so ist? Muss ich dann auch allein trauern?

    Heute ist mir eines wichtig: sucht euch ein paar wirklich liebe Menschen, mit denen ihr eure und deren Hochs und Tiefs teilen könnt. Das ist so unendlich wertvoll!!!und ich bin allen unendlich dankbar, die in diesem Sinne an unserer Seite sind und waren und an deren Seite ich seien darf.

    Bleib wie du bist und nochmals danke.

    • antworten W, 45 J. 16. Oktober 2018 at 16:44

      – Nachtrag –

      Ich habe noch etwas vergessen: es ist nun wahrlich nicht schön, dass es anderen ähnlich ergeht. Dennoch tut es wohl, sich öffnen zu dürfen, weil es so ist.
      Habt alle dank für die Berichte. Ihr seid genau so wie ihr seid richtig und vollständig.

  • antworten Christine 16. Oktober 2018 at 16:36

    Wow, ein ganz starker Text, danke! Und ich bin sehr überwältigt von den vielen Kommentaren, so viele Frauen, denen es ähnlich geht.
    Unser Sohn wurde funf Jahre nach unserer Hochzeit geboren, die Zeit bis ich schwanger wurde war vor allem bei Familienfeiern mit entfernterer Verwandschaft manchmal nur schwer zu ertragen. Jetzt ist mein Sohn fast vier und einige haben das in den Kommentaren schon geschrieben, die Frage nach dem zweiten Kind hört nicht auf. Nur wenn man will und man einfach jahrelang nicht schwanger wird…. ich könnte es noch nicht mal erklären, wenn ich wollte.
    Mittlerweile machen mich solche Nachfragen wirklich wütend, auch wenn sie nicht böse gemeint sind. Wir waren dieses Jahr auf einer Hochzeit, da fingen die Hinweise der Gäste auf einen zahlreichen Kindersegen schon in der Kirche an und durchzogen den ganzen Abend – ich war so wütend.
    Danke Nadine, dass du diesen Text veröffentlichst und hier eine Plattform bietest die eigenen Gefühle auszudrücken.
    Alles Liebe, Christine

  • antworten Stefanie 16. Oktober 2018 at 16:39

    Es ist gut, wenn ehrlich über die Themen Kinderwunsch, unerfüllter Kinderwunsch und auch nicht vorhandener Kinderwunsch gesprochen wird! Schön, dass du dein Forum hier dazu nutzt.
    Mein Mann und ich sind auch betroffen (wie im Grunde wohl fast jeder um die 30, denn die Gesselschaft erwartet ja einfach, dass man sich im Bezug auf den Kinderwunsch positioniert). Ich hatte ein paar sehr anstrengende, zeitaufwändige Hormonbehandlungen.
    Wir sind damit sehr offen und auch offensiv umgegangen, haben im Familien, – Freundes,- und Bekanntenkreis über die Hormonbehandlungen und unsere psychische Belastung gesprochen. Auch unsere Trauer über eine Fehlgeburt haben wir gezeigt.
    Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Menschen sensibel mit Betroffenen umgehen, wenn sie um den unerfüllten Kinderwunsch wissen. Die Offenheit war daher ein guter Selbstschutz. Leute, die eh nur blöde Bemerkungen machen würden, haben sofort die Klappe gehalten. Freunde, haben sensibel nachgefragt, ob uns gerade zum Reden zu Mute war.
    Für mich war meine Verletzlichkeit offen zu zeigen mein stärkster Panzer.
    Bei uns war es übrigens eher so, dass mein Mann die doofen Kommentare und Nachfragen einstecken musste, bevor wir unsere Situation offen macht haben. Es sind nicht nur Frauen betroffen von diesem Thema.
    Inzwischen haben wir eine kleine Tochter. 🙂

  • antworten Rosa 16. Oktober 2018 at 17:17

    Nadine, danke für den Beitrag. Und wie man den vielen Posts entnehmen kann schlummern da ganz viele Schicksale….

    Ich bin in dem Alter wo die Kinder bereits aus dem Haus wären oder die Enkelkinder auf dem Schoss sitzen. Ja ich habe zwei Kinder. Mit 35 Jahren bekommen. Die 15 Jahre davor waren schrecklich.
    Ich hab alles mitgemacht hässliche Bemerkungen warum immer noch nicht schwanger, massive gesundheitliche Probleme während der Kinderwunschbehandlung, falsche Beurteilung über die Zeugungsfähigkeit meines Mannes etc. Es war keine schöne Zeit.
    Nach einem misslichen Versuch befruchtete Eizellen zu implantieren – am Tag davor kam mein Vater schwer krank ins ins Krankenhaus ich konnte ja nicht mehr absagen war ja alles soweit vorbereitet gut hat ja dann auch nicht geklappt – es blieben noch drei über. Zwischenzeitlich dachte ich über eine berufliche Weiterbildung nach und schob das alles weg. Dann kamen die Sorgen/Horrorszenarien was passiert mit den dreien…. eigentlich sind es ja meine Babys… daraufhin beschlossen mein Mann und ich es noch EINMAL zu versuchen. Ich lies mir dann alle drei Einpflanzen. Raus kam dann letztendlich eine Zwillingsschwangerschaft. Die Schwangerschaft lief mehr wie bescheiden und es kam zu einer Frühgeburt in der 30. SSW.
    Beide Kinder haben Ihre Probleme eins mehr das andere weniger. Manchmal wenn es wieder ganz schlimm ist denke ich was wäre gewesen wenn ich das nicht gemacht hätte was wäre aus mir und der Ehe und meinem Mann unserer Partnerschaft dann geworden….
    Und die die am meisten damals bewertet haben na ist sie jetzt endlich schwanger, wann wird sie, weißt nicht wie es geht sagte mal mein Vater zu meinem Mann…. die haben mir in den schweren Jahren mit den Kinder nicht ein einziges mal wirklich geholfen. Es gab und gibt nur Vorwürfe wie ich sei schuld ich übte nicht genug weil er noch nicht lesen kann, etc……
    Nicht falsch verstehen ich liebe meine beiden Kinder über alles, aber es war und ist eine verdammt anstrengende Zeit und ich bin irgendwo am Ende. Gebe mir die Schuld und komme einfach nicht darüber hinweg.

    Wollte ich wirklich Kinder oder ist es einfach nur weil es eben schon immer so war und ist … eine Gebährmutter hat Kinder zu bekommen….. ich weiß es nicht aber ich rate jeder Frau dazu genau in sich hineinzuhorchen und notfalls sich fachliche Hilfe holen. Und einen scheiß drauf geben was andere sagen und denken -ist schwierig ich weiß verdammt schwierig.

    Inzwischen hab ich eine unheilbare Krankheit und beginne eine Therapie für mich.

  • antworten E 16. Oktober 2018 at 17:32

    Ich bin 27, mein Mann 37. Seit 2,5 Jahren versuchen wir ein Kind zu bekommen und es tut sich nichts. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, aber es wird immer schwieriger. Vor allem wird es schwieriger nicht dauernd daran zu denken.
    Wenn ich die Kommentare hier lese, bin ich traurig, geschockt und auch ein bisschen getröstet. Wir sind nicht alleine.

  • antworten Su 16. Oktober 2018 at 18:06

    Ich danke dir so sehr für die Worte! Ich bin einer dieser Frauen, 40 ohne Partner mit Kinderwunsch. Ich bin einer der, die es gesellschaftlich „nicht geschafft“ haben. Wie oft habe ich mir anhören müssen: ja wenn du noch Kinder willst, dann würde ich mich mal ran halten. Ran halten. Woran denn eigentlich? Oft kämpfe ich damit, dass es noch nicht mal mit einer Beziehung funktioniert, oft wünsche ich mir eine kleine eigene Familie und oft bin ich einfach durcheinander. Soll ich das alleine machen? Will es überhaupt richtig, wenn ich nicht in Begeisterung aufspringe, alleinerziehende Mutter zu werden? Muss ich mein „Schicksal“ einfach annehmen? Bereue ich es mit 60? Woher soll ich wissen, dass ich die Leere einer fehlenden Partnerschaft nicht einfach nur mit einem Kind ausfüllen möchte? Ich bin mitunter schlichtweg einfach überfordert mit all diesen Fragen und aber auch dem gesellschaftlichen Druck.Vor kurzem hat mich ein Kollege gefragt, ob ich nie Kinder wollte und mir ist das Herz in die Hose gerutscht, bei der Vergangenheitsform, die er benutzt hat. Immer schwingt dieses „versagt haben“ mit. Und immer wieder muss ich mir sagen: Nein, ich bin nicht glücklicher mit Mann und Kind. Ich bin ja immer noch ich. Ich wäre vielleicht anders glücklich, aber anders ist ja nicht immer besser, nicht wahr?

  • antworten MN 16. Oktober 2018 at 18:53

    Ach Nadine, ich bin so berührt von deinen Worten und von den ganzen Kommentaren hier.
    Das Thema Kinder war immer sehr weit von mir entfernt. Schließlich hab ich so lang studiert, da will ich erst mal Karriere machen und in meinem Job aufgehen. Außerdem will ich ja reisen, die Welt sehen und so ein Kind schränkt sowieso ein.
    Trotzdem habe ich mich schon immer stark gegen diese unsäglichen Fragen gemacht, wenn ich sie mitbekommen habe.
    Tja, und dann ändern sich plötzlich deine Werte. Die erträumte Karriere gibt dir persönlich gar nicht so viel, wie ich immer gedacht habe und ganz ehrlich: reisen kann man ja auch mit Kindern.
    So schön so gut. Wenn da die Ärzte nicht meine chronische Erkrankung festgestellt hätten. Einerseits bin ich unendlich dankbar, dass ich den ganzen Symptomen endlich einen Namen geben kann, also weiß was mit mir los ist. Andererseits kann ich nur ganz unwahrscheinlich Kinder bekommen, solange ich medikamentös nicht richtig eingestellt bin. Und selbst wenn, würde ich es kaum halten können. Ja und die Ärzte bekommen mich einfach nicht eingestellt. Das ist leider meist ein sehr langer Prozess und klappt häufig gar nicht.
    Meinem Freundeskreis öffne ich mich hier und das hilft auch wirklich sehr ♥️ Aber Menschen, die mir nicht so nahe stehen geht das einfach mal nichts an. Trotzdem kommt die Frage, gerade auf der Arbeit relativ häufig. Oder eben der verstohlene Blick auf den Bauch.
    Was mich am meisten verletzt ist, wenn werdende Eltern ihre Freude nicht mit mir teilen, aus Angst mich zu verletzen. Das ist ja lieb gedacht, aber impliziert ja, dass ich es ihnen nicht gönnen würde.
    Klar denk ich an nem Tag, an dem ich viele Kinderwägen sehe, „bei aller Welt klappt’s, nur bei mir nicht“ Aber bei Menschen, die mir wichtig sind, freue ich mich ganz bedingungslos und ehrlich mit. Da möchte ich auch jedes kleinste Detail wissen und kann die Ultraschallbilder kaum abwarten.
    Danke, dass du dieses Tabu-Thema ansprichst, von dem mir gar nicht so bewusst war. Zumindest in diesem Ausmaß. In meine Mutter Freundeskreis klappt es auch bei mehreren Paaren schon seit langem nicht, aber die Anzahl der Kommentare hier schockt mich ehrlich gesagt ganz schön. Danke!

  • antworten M. 16. Oktober 2018 at 19:38

    Liebe Nadine,

    vielen Dank für das Ansprechen des Themas. Wie wir sehen, berührt es eine Menge Frauen.
    Für mich war früher immer klar: Ich bekomme Kinder. Zwei Stück. Wozu habe ich schließlich mein breites Becken, wenn nicht für solch eine Geburt? Ich sah mich im Schulelternbeirat, beim Sportverein meinem Kind zugucken und vor allem (Schande über mein Haupt) hatte ich nie Lust mein Leben lang zu arbeiten. Deshalb habe ich mich nach dem Abi auch für eine Ausbildung entschieden – drei Jahre lernen, vielleicht zwei Jahre arbeiten und dann Kinder bekommen.
    Nun bin ich 33, sitze hier ohne Partner und Kinder. Ok, das klingt gerade zu dramatisch, denn ich bin wirklich glücklich ohne Kinder. Vielleicht wäre es anders gelaufen, wenn ich in Sachen Männern nicht so wählerisch wäre. Ich hatte bisher nur zwei Beziehungen à jeweils ein Jahr, deshalb kam der große Kinderwunsch gemeinsam mit einem Mann nie auf.
    Inzwischen habe ich eine 9cm-Myom-OP mit Kaiserschnitt und eine Endometriose-OP hinter mir. Auf natürlichem Wege dürfte ich nun sowieso nicht mehr gebären, weshalb der Sinn meines breiten Beckens wieder dahin ist.
    Nach der Diagnose habe ich auch in mich hineingehorcht: Ist es für mich wirklich okay oder belüge ich mich selbst? Aber ich habe wirklich das Gefühl, dass ich damit klar bin. Je mehr Kinder in meinem Umkreis geboren werden, desto weniger möchte ich selbst eines. Und glücklicherweise habe ich auch eine Freundin, die keine Kinder möchte, mit der kann ich mich gut austauschen.

    Früher, muss ich zugeben, habe ich auch hin und wieder nach einem Kinderwunsch bei Freunden gefragt. Das habe ich mir aber seit ein paar Jahren abgewöhnt. Wenn ich selbst gefragt werde (was glücklicherweise nicht so häufig ist), sage ich direkt, dass bei mir die Wahrscheinlichkeit sehr gering ist, Kinder bekommen zu können. Ich hoffe auch, dass ich damit die Fragenden ein bisschen für das Thema sensibilisieren kann.

    Ganz liebe Grüße und fühl dich gedrückt, M.

  • antworten J. 16. Oktober 2018 at 19:53

    Liebe Nadine,
    nachdem ich die vielen Kommentare und Geschichten gelesen habe, bin ich vielleicht die erste hier, die sagt: Ich möchte keine Kinder bekommen. Warum, werde ich da immer gefragt. Die Gegenfrage, warum das Gegenüber denn Kinder möchte, hinterlässt immer Verständnislosigkeit. Denn Kinder zu wollen, das sei doch normal. Keine Kinder zu wollen, lässt einen zum egoistischen Superfreak werden. Eine Zeitlang habe ich auf die Frage, ob ich Kinder wollen würde, scherzhaft geantwortet, dass ich leider keine Kinder bekommen kann – des Schockeffektes wegen. Hat immer gewirkt, die nachstehende Belehrung, dass diese Frage eine zutiefst persönliche ist, fiel meist auf – Achtung, Kalauer – unfruchtbaren Boden.
    Wie man es auch dreht und wendet: Vielen lieben Dank für diesen Post und die angestoßene Diskussion.
    Alles Liebe,
    J. <3

  • antworten Mini P 16. Oktober 2018 at 20:13

    Liebe Nadine,
    mich berührt dein Artikel sehr! Danke dass du deine Gedanken mit uns teilst❤️ ich kann ansatzweise verstehen was du empfindest. Nach dem ersten Kind folgte.eine Fehlgeburt. Und dann lange Zeit nix, außer ein riesen Gefühlschaos und traurige Momente. Momente in denen ich mich nicht verstanden gefühlt habe. Ich fühlte mich einsam. Zwei Jahre folgten ohne Schwangerschaft und der druck, den ich empfand war riesig. Unangenehme fragen auch von engen Freunden waren Alltag. Ich zog mich zurück und hoffe inständig dass das Geschwisterchen endlich kommt.
    Heute, 5 Jahre später bin ich glückliche Mama von 3 Kindern. Als ich innerlich losgelassen habe, würde mein Wunsch erfüllt.
    Ich wünsche mir, dass die Gesellschaft sensibler mit uns Frauen umgeht. Dass wir nicht reduziert werden auf das Muttersein. Wir sind starke Persönlichkeiten! Warum erkennen das die wenigsten?

    Ich wünsche dir alles gute liebe Nadine. Mach weiter so

  • antworten SK 16. Oktober 2018 at 20:16

    Vielen Dank für den berührenden Artikel und deine Offenheit!!!
    Seit zwölf Jahren besteht nun schon mein Kinderwunsch. Ich bin jetzt 35 Jahre alt und mit meinem Expartner, mit dem ich 12,5 Jahre zusammen war, hat es leider nicht geklappt. Er wollte dann doch nicht. Als wir uns dann getrennt haben war ich 31. Heute habe ich einen tollen Partner, der jedoch leider noch nicht weiß, ob er das „Gesamtpaket“ mit mir möchte. Manchmal könnte ich schreien. Ich rede mir dann immer ein, dass ich doch gar keine Kinder möchte oder das ich notfalls einfach eine Single-Mum werde.
    Besonders hart ist es für mich, wenn gefühlt alle um mich herum Kinder kriegen und heiraten. Letztes Jahr war ich auf der 14. Hochzeit eingeladen. Hoffentlich kommt irgendwann auch noch meine Zeit. Und wenn nicht…. weiß ich noch nicht. Am Donnerstag will sich mein Partner entschieden haben. Dann mal schauen, wie es weiter geht. Und ob es dann auch klappt, weiß ich leider auch noch nicht.

    • antworten I. 30. Oktober 2018 at 20:45

      Liebe SK,
      mir geht es ähnlich wie dir. Ich bin 36 und habe einen großen Kinderwunsch. Mein Partner wollte ursprünglich keine Kinder, mit mir könnte er es sich aber vorstellen. So die Aussage zu Beginn unserer Beziehung, vor 10 Jahren. Seit 6 Jahren möchte ich mit ihm Kinder, mittlerweile nur noch ein Kind. Er traut sich jedoch nicht. Diverse Stunden mit Tränen wie es denn weiter gehen soll haben wir hinter uns. Er hat sich für den gemeinsamen Weg mit Kind entschieden, allerdings setzt er es nicht in die Tat um. Wie wir es mal versucht haben, hatte er Herzrasen bekommen und nichts ging. Seit dem ist nichts mehr passiert. Ich kämpfe mit mir, was ich machen soll. Ich liebe ihn und das gemeinsame Leben, im gemeinsamen geplanten Haus ist schön. wenn da nicht der Kinderwunsch zwischen uns stehen würde. Ich habe oft Ultimaten gestellt zu gehen, schaffe es aber nicht….

  • antworten J. 16. Oktober 2018 at 20:37

    Vielen Dank für das Teilen deiner Geschichte. Ich finde, du triffst es sehr gut auf dem Punkt! Und natürlich wünsche ich jedem am Ende des Tages sein persönliches Happy End!

    Ist es egoistisch zu sagen, dass man keine Kinder will? Ich hatte all die Jahre einen tollen Mann, eine tolle Karriere, schöne Urlaube und so vieles mehr. Ich war zufrieden mit dem, was ich hatte und da war für ein Kind kein Platz. Die Fragen kamen natürlich auch, klar! Pietätlos – Aber ich war selbstbewusst genug, dagegen zu kontern. Und dann stagnierte vor ca. 3 Jahren meine Karriere, ich war unzufrieden und auf einmal setzte ich mich ernsthaft mit der Kindsfrage auseinander und entschied mich in der Urlaubslaube dafür und direkt nach dem Urlaub war ich schwanger. Die Freude war da, aber auch gleichzeitig ein Schock, weil das so schnell ging! Mit 38 bekam ich ein kleines gesundes süsses Mädchen, das heute 2 Jahre alt ist und uns täglich sehr, sehr viel Freude bringt. Und ich hätte fast wegen meiner Karriere drauf verzichtet!

    Kaum gebährt man aber ein Kind, folgt die Frage nach einem zweiten Kind und Kommentare wie: „Nur mit 2 Kindern ist eine Familie komplett!“ Quatsch! Wir sind auch zu dritt sehr glücklich! Manchmal fragen wir uns schon, ob wir es noch mal wagen sollen. Neulich war ich schwanger und es hat von meiner Karriere her, die gerade wieder Fahrt aufgenommen hat, einfach nicht gepasst. Ich wankte extrem zwischen Freude und Schock. Ein wenig später verlor ich es in der 9. Woche. Ich schäme mich schon etwas dafür, sagen zu müssen, dass ich eher erleichtert war. Ausser mein Mann weiß niemand davon.

    Ich kenne auch Verwandte und Freunde, die es ewig versuchen, künstlich befruchten und einem das Glück sogar nicht richtig gönnen. Das ist hart. Das ist die andere Seite der Medaille und man stellt sein Glück auch immer hintendran, was auch nicht schön ist. „Wir sind doch die, denen alles gelingt“. Dieser Neid ist eklig spürbar und dabei können wir weder dafür noch für die Kinderlosigkeit im nahen Umfeld. Man kann, egal auf welcher Seite man steht, es niemanden recht machen und doch ist es etwas ganz persönliches. Vielleicht probieren wir es nächstes Jahr noch einmal, wenn es besser passt oder auch nicht. Die Natur wird es schon richten… Alles Liebe für euch alle! ❤️

  • antworten A. 16. Oktober 2018 at 20:38

    Ich bin eine von den Frauen, die diese Frage überfordert. Danke, dass du auch an die gedacht hast. Ich habe eine psychische Krankheit und möchte dieses krankhafte Verhalten, das oft so schmerzhafte Folgen für mich hat, nicht an ein Kind weitergeben. Ich weiß, dass mich die sozialen Situationen, in die man durch ein Kind unweigerlich kommt, überfordern würden. Und das Kind würde merken, dass ich unsicher bin und diese Angst vor Menschen sicherlich übernehmen. Ich möchte nicht, dass jemand die gleichen Schwierigkeiten durchleben muss wie ich. Das will ich niemandem zumuten und ich möchte auch nicht dafür verantwortlich sein.
    Hätte ich ein starkes, intaktes großes Umfeld, in dem ich mich wohlfühle, könnte ich es vielleicht wagen. Aber ich habe es nicht.
    Zum Glück hatte ich auch nie diesen dringlichen Wunsch, Kinder zu haben. Vielleicht weil ich schon mit 19 wusste, dass ich es nicht packen würde, vielleicht ist es einfach nicht so in mir drin. Das weiß ich nicht.
    Aber es tut trotzdem sehr weh. „Natürlich“ möchte ich eine Familie haben. Ich hätte gerne Kinder. Als ich selbst eines war, wollte ich immer vier haben. Und manchmal versetzt es mir doch einen Stich. Ich wäre so gerne „normal“, gesund… Und hätte gerne eine Familie, so wie das für viele in meinem Alter selbstverständlich ist. Oder zu sein scheint.
    Das ist die eigentliche Traurigkeit. Ich weiß, dass ich kein Kind haben kann, aber ich wäre so gerne gesund und hätte zumindest gerne die Möglichkeit, darüber nachzudenken und in mich hinein zu hörchen, möchte ich das…
    Vielleicht ist es nun verwirrend, was ich geschrieben habe. Wahrscheinlich habe ich mich einfach schon früh damit beschäftigt, dass es nicht geht. Es ist okay.
    Aber dieser Stachel bleibt. Du bist nicht wie die anderen, du bist nicht normal.
    Und wenn ich sage, ich möchte keine Kinder, dann steckt all das dahinter. Der Kommentar dazu, dass ich es dann ja gut hätte, weil ich deshalb keine Eile mit der Partnersuche zu haben bräuchte, hat mich aus zwei Gründen verletzt. Erstens weil so viel mehr dahintersteckt. Und zweitens, warum ist mein Partnerwunsch „weniger wert“, weniger dringlich? Warum darf ich mir keinen Partner wünschen, warum darf der, der Frau, die Kinder will automatisch größer sein? Ich möchte trotzdem nicht allein bleiben.
    Danke fürs Sensibilisieren! Und die Ehrlichkeit!

  • antworten No name 16. Oktober 2018 at 20:45

    Liebe Nadine,
    ein toller und sehr wichtiger Beitrag.
    Ich selbst bin nicht einfach so schwanger geworden und musste den Weg über eine Kinderwunschklinik gehen. Das zerrte sehr an den Nerven, denn die Erwartungen, die auf einen herabprasseln sind manchmal nur schwer zu händeln. Bekannte und Freundinnen, die nahezu zeitgleich versucht haben schwanger zu werden, hatten alle mit Problemen zu kämpfen. Von mehreren Fehlgeburten, Endometriose bis zur Eizellenspende, hab ich viele Kämpfe miterlebt. Man beachte, dass wir sogar alle unter 30 waren. Und von außen immer die Erwartungen und der Blick auf den Bauch. Das fand ich immer am schlimmsten und habe mich gedemütigt gefühlt. Bei Kommentaren habe ich oft direkt gekontert und gesagt, dass schwanger werden nicht für jeden so einfach ist. Selbst darauf gab es noch dumme Kommentare: „Ach was, ihr seid doch noch jung“.
    Nun ist bei uns alles gut ausgegangen und wir haben eine Tochter bekommen. Erwartungen erfüllt? Nein, denn wo bleibt nur das zweite? Wieder die Fragen, wieder die prüfenden Blicke auf den Bauch. Und wehe man mag mal keinen Alkohol trinken, dann ist man natürlich für das Gegenüber schwanger. Ein sehr sensibles Thema und ich war seinerzeit froh darüber sprechen zu können und mich schon fast in einer Gemeinschaft mit Anderen zu befinden.

  • antworten T 16. Oktober 2018 at 20:56

    Danke für deine ehrlichen Worte! Du triffst mit diesem Post einen Nerv. Zugegeben, ich kann mich nicht wirklich in deine Situation hineinfühlen, denn ich habe keinen Kinderwunsch – hatte ich nie. Und dafür muss man auch einiges über sich ergehen lassen. Ich bin Ende Dreißig, seit zwanzig Jahren in einer Beziehung und gewollt kinderlos. Mit dieser Aussage wird man schnell in eine Ecke gestellt. In seinen Zwanzigern heißt es dann man sei vielleicht nicht nicht so weit, man hätte vielleicht nicht den richtigen Partner… Das würde noch kommen… Später wird daraus eine Drohung: man wird diese Entscheidung bereuhen, im Alter alleine sein, einsam. Man sei egoistisch, kaltschnäuzig, ein Mensch der sich nur für sich selbst interessiert – assozial. Und leider kommen all diese Vorwürfe sehr oft nur von anderen Frauen, nicht von Männern. Überhaupt warum werden nur wir Frauen immer wieder auf die Rolle der Mutter reduziert? Warum stellt niemand Männern diese Fragen? Und warum müssen sich nur kinderlose rechtfertigten, Mal ganz davon abgesehen das es sowieso kein legitimes Argument für Kinderlosigkeit zu geben scheint. Niemand der Kinder hat muss argumentieren warum er sich dafür entschieden hat. Wir müssen endlich aufhören die Erwartungen aller anderen erfüllen zu wollen und uns ganz ehrlich fragen was wir wollen. Und wir müssen aufhören unsere Ansichten und Erwartungen auf andere zu projezieren und anzuerkennen, das jeder Mensch das Recht hat eigene Entscheidungen zu treffen. Wir alle haben nur dieses eine Leben und in dem sollten wir versuchen glücklich zu werden -So oder so.

  • antworten Anna 16. Oktober 2018 at 21:06

    Ja diese Frage nervt wirklich oft. Ich habe mich ganz bewusst gegen ein Kind entschieden. Nicht weil ich keine Kinder möchte, sondern weil ich sehr jung schwer krank wurde und viele Jahre stärkste Medikamente nehmen musste. Medikamente die in einer Schwangerschaft völlig unbekannte Auswirkungen auf mein Kind hätten haben können. Meine Entscheidung war gegen den eigenen Wunsch, den eigenen Egoismus und den Druck der Gesellschaft. Ich habe oft daran gezweifelt. Auch und nicht zuletzt weil mein Mann einwunderbarer Vater hätte sein können. Meine Entscheidung war hart und ich habe Zeit gebraucht es zu verkraften. Als ich eine Operation hatte, die eine Schwangerschaft auf natürlichem Weg so gut wie unmöglich macht habe ich trotz meiner bereits getroffenen Entscheidung bittere Tränen vergossen. Jetzt war es ein unumstößlicher Fakt. Nie werde ich eine Mutter sein. So oft stellen wir unüberlegte Fragen oder sprechen ungefragt Wünsche aus.

  • antworten Frau Wunderlich 16. Oktober 2018 at 21:08

    Ich bin noch nicht ganz 30, aber für mich waren Kinder noch nie ein Thema. Es gibt tatsächlich auch diese Frauen, die damit nicht viel anfangen können. Das klingt für manche vielleicht herzlos, aber es ist einfach so. Irgendwie fehlt mir dieses komplette Gen, diese Mutter-Gefühle. Da regt sich einfach nichts bei mir. Auch nicht, seitdem ich eine Nichte habe, die nun anderthalb ist. Im Gegenteil. Es bestätigt mich nur noch mehr, dass ich keine eigenen Kinder möchte 😀 Dabei bin ich mir mit meinem Partner einig, dass wir keine Kinder möchten. Für uns ist das also völlig ok. Aber nicht für Freunde, Nachbarn oder Verwandte. Die eine Frage kommt daher immer wieder. Und das finde ich wirklich nervig. Es ist einfach auch sehr privat. In meinem Fall ist es einfach nur eine Einstellungssache und es ist für mich nicht schlimm zu sagen, dass ich keine Kinder möchte. Aber ich will mir nicht vorstellen, wie es Frauen gehen muss, die keine Kinder bekommen können oder dürfen. Oder es seit Ewigkeiten versuchen. Diese Frage muss jedes Mal wie ein Schlag ins Gesicht und unglaublich verletzend sein. Schon allein deswegen, weil man einfach nicht weiß, warum jemand (noch) keine Kinder hat, würde ich diese Frage nie stellen. Ich persönlich finde, das geht Außenstehende nichts an. Das ist eine Sache zwischen zwei Menschen. Und wenn diese darüber sprechen möchten, werden sie es schon tun. Ich finde es übrigens unglaublich mutig, wenn Frauen hier über ihre Fehlgeburten oder jahrelangen Versuche schreiben. Denn für eine Frau ist dies etwas sehr intimes und ich wüsste nicht, ob ich diesen Mut hätte. Und was ich nun eigentlich sagen wollte: Man sollte einfach erst mal darüber nachdenken, was diese (für viele so harmlose) Frage bei einem Menschen evtl auslösen kann. Denn hinter Kinderlosigkeit kann so viel stecken. Ich persönlich bin da sowieso sehr offen. Ob man nun verheiratet ist oder nicht, Kinder hat oder nicht, ein Haus gebaut hat oder nicht, im Job erfolgreich ist oder nicht…kann anderen völlig egal sein. Solange man selbst glücklich ist mit seinen Entscheidungen und sich vielleicht auch irgendwann mit seinem Schicksal arrangieren kann. Auch wenn das manchmal nicht einfach ist. Ich habe vor ziemlich genau einem Jahr meine Mama verloren und dabei schmerzlich festgestellt, wie verdammt schnell dieses Leben zu Ende gehen kann. Und was für ein Glück wir haben, überhaupt am Leben zu sein. Und das sollten wir so leben, wie wir es möchten und nicht wie andere es manchmal gerne hätten.

  • antworten LW 16. Oktober 2018 at 21:12

    Liebe Nadine,
    vielen vielen lieben Dank für deinen Mut, deine Offenheit und deinen tollen, berührenden Text. Seit einem Jahr versuchen mein Mann und ich ein Kind zu bekommen. Nachdem Anfang des Jahres der Krümel einfach nicht mehr wachsen wollte und kein Herzschlag festzustellen war musste eine Ausschabung gemacht werden. Besonders schwierig ist es dann, wenn Kollegen mit denen man keinen engen Kontakt hat nachfragen „ob eventuell etwas unterwegs ist“, noch bevor man die 12 Wochen überhaupt geschafft hat. Wenn dann auch noch „Reste“ gefunden werden und die Prozedur der Ausschabung ein zweites Mal vorgenommen werden muss ist das mehr als furchtbar. Vor ein paar Wochen habe ich das zweite Mal die Nachricht bekommen, dass es trotz positivem Test wieder nicht geklappt hat.
    Wir versuchen es weiter – aber jede schlechte Nachricht tut im Herzen weh und dann sind auch nachfragen furchtbar. Ich habe beim lesen der vielen Kommentare und einzelnen Schicksale und auch Entscheidungen Tränen in den Augen und bin gleichzeitig wahnsinnig froh, dass es so viele positive Bestätigung gibt!
    Ich wünsche uns allen alles Gute und jeder genau das was für diejenige passt, vor allem aber selbstbestimmt und glücklich <3

  • antworten T 16. Oktober 2018 at 21:39

    Danke fur deinen Post, er trifft auch bei mir einen Nerv. Ich bin 37, seit zwanzig Jahren in einer Beziehung und gewollt kinderlos. Wenn man als Frau keine Kinder bekommen kann, wird man für diesen „körperlichen Defekt“ bemitleidet. Aber wenn man körperlich dazu in der Lage wäre, muss der „Defekt“ ein anderer sein. Dann landet man ganz schnell in einer anderen Ecke. Dann heißt es man sei egoistisch, kaltherzig – asozial. Man wisse nicht was Familie bedeutet, werde es bereuen, werde einsam und verbittert. Man muss sich ständig rechtfertigen – obwohl kein Argument gut genug ist. Das ist ebenfalls kränkend und abwertend. Ich habe größten Respekt davor was Mütter jeden Tag leisten und eben genau deshalb, weil ich mich dieser Aufgabe nicht gewachsen fühle habe ich mich bewusst dagegen entschieden. Ich fände es schön wenn beim Thema Kinderkriegen wieder mehr Fingerspitzengefühl an den Tag gelegt würde und unser Uterus wieder als Privatsache und nicht als öffentliches Eigentum gesehen würde.

  • antworten Juli 16. Oktober 2018 at 22:03

    Liebe Nadine,
    von Herzen danke für Deinen Artikel und den persönlichen Einblick in Deine Geschichte. Ich kenne inzwischen mehr Frauen, die ungewollt kinderlos sind, als solche die ganz unkompliziert schwanger werden. „Normal“ empfinde ich kein Kind mehr, seit ich dieses Thema immer bewusster mitbekomme.
    Mir wurde mit 30 (nach einer wunderschönen Nacht mit einem wunderbaren Mann und einer kleinen Verhütungsunsicherheit) recht unsensibel von einer Frauenärztin eröffnet, dass ich sowieso nicht einfach so schwanger werden würde, „da braucht es bei Ihnen schon medizinische Unterstützung“. Dann rauschte sie ab und ließ mich etwas sprachlos zurück. Damals hatte ich zwar keinen aktuellen Wunsch, aber ich war bis dahin ganz einfach davon ausgegangen, dass ich in meinem Leben Kinder bekommen werde.
    Vor allem in der Zeit ohne feste Beziehung hat mich das sehr gequält. Denn mit absoluter Sicherheit wollte es kein Arzt ausschließen: „Sie müssen es einfach versuchen. Never say never“ und so… Mitte 30 lernte ich meinen Herzensmenschen kennen, der sich bewusst Kinder wünschte, und plötzlich und unerwartet war das Thema sehr präsent. Wir ließen es darauf ankommen und wurden zusätzlich unterstützt – Zuversicht und entspannte Freude, eine schöne Zeit. Dann starb er. Und mit ihm „starb“ auch die Vorstellung eigener Kinder. Eine neue Beziehung erschien mir undenkbar. Und selbst wenn, beginnt man eine neue Liebe nicht direkt mit einer Kinderwunschbehandlung…
    Fünf Jahre später bin ich heute ganz versöhnt mit diesem Thema. Ich erlebe viele Kinder in meinem Leben rundherum bei Geschwistern und Freunden. Ich kann mich an ihnen und mit dem Glück der Anderen freuen, ohne dass es etwas mit mir macht. Und ich habe meine Arbeit erweitert um die Neuorientierung von jungen Frauen, deren Lebensträume geplatzt sind – denn selbst wenn die Option A ein Herzenswunsch war: es gibt eine gute Option B, die ein zufriedenes Leben ermöglicht! Davon bin ich inzwischen fest überzeugt. Dazwischen braucht es Zeit, sich zu verabschieden von all den Dingen, die man sich fürs Leben erhofft und vorgestellt hat. Und das heißt nicht immer loslassen! „Du musst ihn, es, das… loslassen und verabschieden“, passt für mich nicht. Ich muss gar nichts. Ich habe innerlich gute Plätze gefunden für die Dinge, die mich im Außen nicht durchs Leben begleiten. Und ein Teil meines Herzens wird immer diesem Menschen gehören – und mit ihm auch meinen ungeborenen Kindern. Das gehört für mich zu meiner eigenen Option B dazu.
    Ich glaube, dass Menschen vorsichtiger werden mit unbedachten Fragen, je mehr diese Themen im Alltag präsent sind. Daher von Herzen Danke und liebe Grüße von Juli

  • antworten K 16. Oktober 2018 at 22:39

    Liebe Nadine,
    vielen Dank für deine Worte und dass du uns daran erinnerst, wie vielfältig die Gefühle sein können.
    Mir persönlich hat im Laufe der ungewollten Kinderlosigkeit ein relativ offener Umgang geholfen. Nicht im Detail, aber dadurch dass unser Umfeld Bescheid wusste, gab es auch immer wieder gute Gespräche. Wenn mal wieder jemand schwanger war, konnte ich mich erhrlich mit freuen und die anderen verstanden auch unsere Gedanken und versuchten auch zu stärkten, dass es verschiedene erfüllende Lebensmodelle gibt. Als wir dann Eltern einer (mittlerweile Teenager-) Tochter wurden, sind wir auch diesen Weg sehr offen gegangen. Wir haben eher dann die unmöglichen Fragen bekommen. In der Regel von komplett Fremden auf der Strasse. Wenn sich ein nettes und respektvolles Gespräch entwickelt, berichte ich gerne über unsere Erfahrungen. Plumpe Fragen bekommen auch kurze Antworten! Ich wünsche Euch alles Gute und dass ihr beiden einen für euch guten Weg geht.
    Herzliche Grüße!

  • antworten Tina 16. Oktober 2018 at 23:18

    Liebste Nadine,
    wie viele andere vor mir, möchte ich dir danke sagen, für dieses doch Tabuthema, was du hier ansprichst, was so viele kinderlose Frauen/Paare angeht. Kinderlos – aus welchem Grund es nun sei, ob gewollt oder nicht. Zu dem Thema kann ich nur schreiben, dass mein Mann und ich lange vergeblich versucht haben, ein Kind zu bekommen. Alle Untersuchungen ergaben nichts, nur Aussagen wie: Sie sind gesund und wir wissen uch nicht, wieso es nicht bei ihnen funktioniert. Sie sind eben was besonderes! Das war ein herber Schlag für mich. Denn zumindest mit einer Diagnose kann man versuchen umzugehen oder etwas zu ändern. Nur durch einen Zufall kam heraus, dass ich eine Art chronische stille Blasenentzündung seit Jahren mit mir rumtrage, die abslut asymptomisch verlief. Nach einer Antibiotikabehandlung war ich schnell geheilt (was bei einer CZystitis auch normal ist). 4 Monate später war ich schwanger. Erst dann kam heraus, dass Familie, Freunde, Bekannte, ja quasi das ganze Dorf von unserem Kinderwunsch bescheid gewusst hat und es immer hiess: bloss nicht drauf ansprechen! Denen ist das zu peinlich.
    Doch uns war das nie peinlich dass es nicht klappte. Sondern einfach nur zu intim, um es mit jedem zu teilen.

  • antworten Bebe 16. Oktober 2018 at 23:22

    Liebe Nadine,
    Danke für diesen Beitrag! ♡
    Ich bin auch eine dieser Frauen. Seit drei Jahren versuchen wir ein Kind zu bekommen. Zunächst entspannt und geduldig, immer daran glaubend, dass es sicher bald passieren wird. Dann kam der große Schritt in eine Kinderwunschklinik zu gehen. Empfehlung aufgrund einer Infektion: künstliche Befruchtung! Voller Hoffnung starteten wir im Januar 2018 mit den Behandlungen und ich wurde schwanger. Endlich durfte ich einen Test in den Händen mit dem Wort „schwanger“ halten! 🙂
    Doch die Freude währte nicht lange. Das Herz wollte nicht schlagen und man empfahl mir eine Ausschabung zu machen. Zunächst drückte ich mich davor. Ich wollte meinem Körper die Chance geben, den Abgang selbst zu regulieren und hatte Angst vor Spätfolgen. Aber es half nichts, im März bekam ich dann die Ausschabung. Zwei fehlgeschlagene Restversuche wegen fehlender Entwicklung haben wir seit dem hinter uns.
    Nun beginnen wir mit dem zweiten Versuch woran wir wesentlich vorsichtiger und weniger optimistisch heran gehen.
    Unser Umfeld reagiert zum Glück meist sehr einfühlsam. Vor allem seit wir von der Fehlgeburt usw erzählt haben.
    Diese Sehnsucht nach einem Kind ist einfach unfassbar groß bei uns beiden und es gibt Tage, da fehlt einem der Mut und man möchte am liebsten verzweifeln. Und dann ist da immer wieder Hoffnung die einem die Kraft gibt, diesen Weg weiter zu gehen.
    Ich freue mich immer noch für meine Freundinnen, die mittlerweile alle Mütter sind, ohne Neid zu empfinden. Aber es durchzuckt mich jedes Mal, weil es einen schmerzlich an das eigene Leid erinnert. Ich wünschte es wäre leicht zu akzeptieren, dass es vielleicht nicht sein soll. Aber mit gerade 30 Jahren sehe ich meine Mutterrolle noch nicht vergebens.
    Manchmal muss man im Leben lange kämpfen, um am Ende belohnt zu werden. ♡

  • antworten N. 16. Oktober 2018 at 23:34

    Zuerst nochmal Danke, dass Du offen und mutig an diese Geschichte rangegangen bist. Die Resonanz zeigt, wie wichtig dieses Thema ist.

    Meine Geschichte ist ganz ähnlich, nur bin ich jetzt ca. 10 Jahre weiter. Wir hätten mit Mitte 20 Kinderwunsch, dann Wahrscheinliche Diagnose, Entwarnung mit 38. Mein Partner wollte zu diesem Zeitpunkt keine Kinder mehr und auf Teufel komm raus ein Baby könnte ich mir nicht vorstellen. Genauer gesagt, ich wollte nie als Alleinerziehende starten. Auch wenn mir Kinder unheimlich wichtig sind. Aber mir wurde das Risiko mit dann 39 einfach zu groß. Und damit meine ich nicht, das erhöhte Risiko ein Kind mit Gendefekt auf die Welt zu bringen, sondern das Risiko, dass durch viele Faktoren der Traum zur Belastung aller wird. Der Kinderwunsch war und ist trotz allem immer da (gewesen) und mir passiert es auch jetzt noch hin und wieder, dass mir Tränen in die Augen schießen, wenn ich ein Baby sehe. Wirklich abgeschlossen hab ich damit also noch nicht.

    Eine Sache möchte ich noch ergänzen. Ich sehe ca. 10 Jahre jünger aus, das heißt, dass die Frage nach wie vor von Leuten die mein Alter nicht kennen, kommt. Dazu gekommen ist, dass ich mittlerweile häufig Sätze höre wie: „Das kann nur eine Mutter beurteilen“, „Du hast keine Kinder, Du weißt nicht, wie das ist.“… Die Liste geht unendlich weiter. Nein, ich habe keine Kinder. Ich kann mir Geburtsschmerz nicht vorstellen (oder nur sehr vage), ich kann mir nur genauso vage vorstellen, wie es ist, über viele Monate nicht genug zu schlafen. Aber, ich weiß, wie sich so ein kleines Wesen anfühlt, wie es riecht und wie man es ganz automatisch gegen die komplette Welt verteidigen will. Und es auch könnte. Ich bin empathisch, einfühlsam, „mütterlich“. Und das öffnet mir (fast) die gleichen Welten wie Eltern. Natürlich nur fast, das ist mir klar, aber keine Kinder haben zu können macht mich trotzdem zu keinem halben oder halbwertigen Menschen. Und das kann mir auch niemand einreden, auch wenn es an manchen Tagen unendlich hart ist, damit umzugehen.

  • antworten Judith 17. Oktober 2018 at 7:37

    Ich hab solche Fragen früher auch immer gestellt. Dann hat meine Freundin einen Mann geheiratet, der keine Kinder zeugen kann, meine Nachbarin musste über 3 Jahre warten bis sie endlich zu Kind 2 schwanger wurde und eine Bekannte möchte tatsächlich einfach kein Kind.
    Seitdem weiß ich, dass jeder seine Geschichte hat und dass solche Fragen nie böse gemeint, aber trotzdem meistens unangebracht sind.

  • antworten Anonym 17. Oktober 2018 at 8:06

    Liebe Nadine!
    Danke für den Beitrag über das bittere Thema der ungewollten Kinderlosigkeit, über welches so gar keiner in unserer durchdachten Gesellschaft weder spricht, noch darüber überhaupt vielleicht nachgedacht hat. Ein Lob will ich zuerst an Dich aussprechen dass Du mit Deinem Schmerz so offen umgehst. Es tut mir trotzdem leid, auch wenn Mitleid völlig unangebracht ist an dieser Stelle. Ich selber habe den grossen Wunsch Kinder zu haben nicht verwirklicht, aus vielen verschiedenen sich überlappenden Ereignissen die mir im Leben widerfahren sind. Die gesundheitliche Situation streikt dann wohl insbesondere, oder vielleicht gerade deshalb weil man irgendwann überladén ist. Unsere gesellschaftliche und wirtschaftliche Landschaft abverlangt von uns allen schon ziemlich lange Abnormales, da ist es nicht schwach wenn man einfach nicht mehr mitkommt. Das was ich am allerschlimmsten dabei empfinde, ist, dass die fragende Umgebung nicht mitdenkt und einfach übersieht dass die betroffene Gefragte gar nicht offen antworten kann, da es einfach nicht selbstverständlich ist dass man seine Privatsphähre so offenlegt. Die umgangenen und meist völlig an der Sache vorbei geleiteten Antworten, werden dann meist auch noch falsch verstanden. Ich versuche es dann auch noch mit Humor zu überspielen, was, wie ich glaube gar nicht wirklich klappt. Einen Alptraum finde ich z.B. noch dazu, wenn man als Kinderlose von den boomenden, immer breiter werdenden Kinderwagenautobahnen fast überfahren wird, wie der Tenor im Konfront im öffentlichen Raum in die Richtung geht, zumindest in der Grosstadt – und keiner bekommt es mit ausser die Betroffenen selber. Da meldet sich mein Humor gleich und ruft eine Szene aus dem Film“die nackte Kanone“hervor, wo Priscilla vor lauter Kinderwunsch nur noch Babys sieht, was aber gleichzeitig nicht aussagen soll, dass Kinderlose vom Hormon alleine getrieben sind.
    Zur Krönung ist man dann auch noch von der bürokratischen Seite (eigentlich auch in allen anderen Lebensbereichen) während des kinderlosén Daseins bis zum Alter völlig verurteilt und benachteiligt.Im Alter bekommen wir es dann wahrscheinlich nochmal als Vorwurf aufs Brot geschmiert, weil wir keine Kinder haben. Dass das Ganze ein Gefühl ist, ein Schmerz, eine mangelnde Liebe, und Alles das, was das lebende liebende Leben ausmacht, welches man ungewollt nicht verwirklicht hat, lässt so viele Soziologen stumm bleiben. Und alle anderen die eine Stimme hätten in dem Bereich etwas zu bewegen.
    Aber ich tröste mich damit, dass meine Kinder als Engelchen auf Wolken sitzen, und auf uns herabschauen. Einen Grund gibt es sicherlich warum sie nicht auf die Erde wollen.
    Liebe Nadine,
    es wird Dir ein schwacher Trost sein, wenn ich mir als Unbekannte erlaube zu sagen dass deine Engelchen auch auf den Wolken sitzen, aber ich will nur zum Aussdruck bringen, dass ich Dir die notwendige Kraft wünsche für das alltägliche Dasein. Viele liebe Grüsse und die allerbesten Wünsche für deine Dreierlei Liebelei, die ich vor einigen Jahren liebgewonnen hab und sehr gerne lese🌸

  • antworten Sarah 17. Oktober 2018 at 9:22

    Liebe Nadine,
    danke für diesen wieder einmal wertvollen Beitrag.
    Die Krux ist, dass dieses Thema jedoch nie ein Ende findet. Hast du 1 Kind, wird spätestens an dessen 2. Geburtstag nachgefragt, wann das Geschwisterchen unterwegs ist. Sagst du, du planst ein 3./4./… Kind zu haben, meint die Mehrheit plötzlich, dich darauf hinweisen zu müssen, dass das vielleicht keine so gute Idee ist. Planst du ein Kind zu adoptieren, werden dir ungefragt diverse Gefahren aufgezeigt. Und ich frage mich ernsthaft, was soll ich mit diesen (gut gemeinten) Informationen?
    Ich wünsche dir bzw. euch jedenfalls alles Gute und dass alles so kommt, wie es gut für euch ist.

  • antworten Ursina 17. Oktober 2018 at 9:34

    Liebe Nadine,
    du hast wieder einmal ein heikles, ansprechendes und vorallem auch präsentes Thema auf eine einfühlsame Art und weise ausgesprochen. Vielen Dank für deine authentischen Posts und Inspirationen. Und, schau dir mal all diese Comments an- das ist nur ein Buchteil von denen die deine Posts lesen und lieben.
    Das ist deine Plattform (und ich denke such bestimmung) in der du inspirierst & herausforderst. DANKE für deine Transparenz und Authenzität.
    Bevor ich das Geschenk hatte, Mami zu werden habe ich mich auch oft sehr gestört an unsensiblen Fragen oder Kommentaren und habe mich oft positioniert und versucht mein Umfeld zu sensibilisieren wie persönlich dieses Thema ist.
    Das hast du wunderbar zusammengefasst,
    Einmal mehr- ich lese & liebe deine Posts!
    Alles Liebe für dich!
    Ursina

  • antworten Ursina 17. Oktober 2018 at 9:37

    … und was ich noch sagen wollte. Als Frau sind wir vollkommen. Mit oder ohne Mann. Mit oder ohne Kind.

    • antworten Natalie 17. Oktober 2018 at 14:28

      Das hast du schön gesagt 🙂 <3

  • antworten Isabella 17. Oktober 2018 at 10:24

    Hallo liebe Nadine,
    Ich verneige mich vor deinem Mut dieses sehr sensible Them anzusprechen. In meiner Familie gibt es sehr viele kinderlose Frauen. Meine Tante hatte 13 Fehlgeburten. Meine Mama hatte 3 und ich war ihr absolutes Wunschkind. Als aber dann nie ein Geschwisterchen für mich kam und ständig alle Leute fragten, hat auch mich als Kind das sehr belastet. Ich hab mir so sehr eine Schwester gewünscht und anfangs nie verstanden, warum ich denn keine bekam. Ich war traurig und wütend wenn jemand fragte, ob ich Geschwister habe oder ob ich denn bald mal eins bekäme. Ich fand es unfair, dass alle mich als das „verwöhnte Einzelkind“ betitelten. Ich hätte alles dafür gegeben eine Schwester zu haben. Umso glücklicher bin ich, zwei Töchter zu haben. Aber beides Schwangerschaften waren Risikoschwangerschaften und meine FÄ sagte, es wäre nun besser, nicht nochmal schwanger zu werden. Und dann wird man andauernd gefragt, warum kein 3. mehr kommt. Man hätte ja schon zwei Kinder austragen können. Ist ja seltsam, dass man plötzlich kein 3. mehr bekommen „darf“! Aber dieses Risiko geh ich nicht ein. Ich spiele nicht mit meinem Leben oder das eines unschuldigen undgeborenen Kindes.
    Ich drücke dich ganz fest
    Liebe Grüße Isabella

  • antworten Mimi 17. Oktober 2018 at 10:39

    DANKE!
    … Als Frau Anfang 30, verheiratet, kinderlos.
    Ich kann die Frage nicht mehr hören. Mittlerweile verweise ich auf die Katzen oder im Notfall auch darauf, dass mein Uterus privat ist.
    Warum muss ich mich dafür rechtfertigen, dass ich keine Kinder möchte? Ich glaube, das ist für die Fragenden tatsächlich die schlimmste Möglichkeit – dass man Kinder haben könnte, aber nicht möchte…
    Und generell, die Frage ist natürlich unfassbar unsensibel.

  • antworten LISA 17. Oktober 2018 at 10:56

    Liebe Nadine, zu allererst möchte ich dir meinen größten Respekt für diesen persönlichen Blogpost aussprechen. Danke!

    Ich selbst bin 29 und seit Januar diesen Jahres Mama einer Tochter. Es ist ein Segen und ich bin täglich dankbar darüber- denn auch in meinem Umfeld habe ich einige Frauen, die aus den verschiedensten Gründen kinderlos sind.
    Ich finde, wir sollten doch alle zusammenhalten!!! Keine lästigen Fragen stellen, immer Erwartungen an andere haben, getrieben werden von Neugierde..wir sollten einfach jeden Menschen so nehmen wie er ist.

  • antworten Joan 17. Oktober 2018 at 11:12

    Liebe Nadine,
    diesen Artikel zu schreiben und das Thema einmal so öffentlich anzusprechen, ist ein mutiger Schritt und ich ziehe den Hut! Und gleichzeitig löst es eine Debatte aus, die viel präsenter in der Gesellschaft sein sollte undehr Bewusstsein schaffen sollte, dass diese Kinderfrage egal von wem nervt und nicht so harmlos ist, wie sie auf den ersten Blick für viele scheint. Ich gehöre nicht zu den Frauen, die keine Kinder bekommen können oder aus gesundheitlichen Gründen dürfen, sondern ich möchte einfach keine Kinder und auch wenn ich „erst“ 29 bin, beschäftigt einen das Thema und es kommen vermehrt Nachfragen. Und wenn ich dann direkt und ehrlich Stellung beziehe und sage, dass ich mir das nicht vorstellen kann und einfach keine Kinder möchte, dann kommen komische Blicke und Aussagen wie: „Das kommt bestimmt noch, du hast ja noch Zeit.“ oder „Das ändert sich mit Sicherheit, du wirst schon sehen.“ oder „Das musst du ja jetzt noch nicht entscheiden, in deiner Phase (ich hab mich selbstständig gemacht und es läuft noch nicht ganz so rund) ist das bestimmt auch schwierig, aber dann eben später.“ Und bei jeder dieser Aussagen denke ich mir, nein ich möchte definitiv keine und wieso ist das so schwierig zu akzeptieren und wieso muss ich mich deshalb schlecht fühlen, nur weil ich eben keine Kinder möchte. Ich ertappe mich, wie ich meine Aussagen manchmal extra abschwäche, um die Leute nicht in Verlegenheit zu bringen und ihrem Unverständnis dem gegenüber zu überlassen. Wieso kann ich mich als Frau nicht einfach verwirklichen wollen, eine Karriere haben und keine Abstriche machen müssen, ohne schief angeguckt zu werden? Wieso gehören Kinder immer noch zum klassischen und in den meisten Köpfen verankerten Bild einer Frau?
    Ich merke immer mehr, wie sehr die harmlos gemeinte Frage nach Kindern, Frauen in den unterschiedlichsten Situationen verletzt und am Ende viel Schaden anrichtet. Ich wünsche mir einfach, dass dabei etwas sensibler vorgegangen wird und diese doch sehr persönliche Entscheidung von anderen wertfrei akzeptiert wird, egal wie die Antwort ausfällt. Dein Artikel hat mit Sicherheit ein wenig dazu geführt und ich hoffe, dass das Thema damit noch weite Wellen schlagen wird.
    LG Joan

    • antworten Natalie 17. Oktober 2018 at 14:25

      Genau das! <3

  • antworten Anita 17. Oktober 2018 at 11:30

    Liebe Nadine!

    Ich habe einen Sohn, der inzwischen 8 Jahre alt ist und zum Glück (!) werde ich bald 40, daher erübrigen sich so langsam die ganzen übergriffigen Fragen meines Umfeldes. Denn keineswegs ist es so, dass die anmaßende und permanente Fragerei mit der ersten Schwangerschaft/ dem ersten Kind endet. Kaum war unser Sohn ein Jahr alt, ging das nämlich wieder von vorne los. „Wo bleibt das Zweite? Da muss doch ein Geschwisterchen her..!“ Das habe ich mir jahrelang angehört, Jahre, in denen ich einen Schultertumor und eine lebensbedrohliche, durch FSME verursachte Hirnhautentzündung hinter mich gebracht habe. Wir sind zu dritt gesund und glücklich. Wir wären es auch zu zweit gewesen. Kinder begleiten unser Leben und j unsere Partnerschaft, sie sind aber nicht deren Zweck und Sinn.
    Ich wünsche dir Gelassenheit, Liebe und Stärke.
    A

    • antworten Natalie 17. Oktober 2018 at 14:24

      Der vorletzte Satz trifft es genau! <3

  • antworten Kinderwunsch trotz Handicap 17. Oktober 2018 at 12:35

    Liebe Nadine,

    Vielen Dank für Diesen Betrag. Für meinen Mann und mich war von Anfang an klar, dass wir Kinder möchten und meine Behinderung für uns kein Grund war, darauf zu verzichten. Nach 8 Jahren vergeblichen Versuches, erfuhren wir, dass es auf „normalem“ Weg nie klappen würde, da mein Mann durch eine Chemo, die er mit 16 benötigte, zeugungsunfähig sei. Dies war ein riesen Schock für uns, vor allem, da es vorher immer hieß, dass es trotz allem klappen müsste..Fragen / Kommentare bekamen – und bekommen wir auch heute noch- zu Genüge. Allerdings eher in die Gegengesetzte Richtung: “ Kinder wollt ihr hoffentlich keine?!“– und ähnliches. Ich wünsch dir alles Liebe und viel Kraft! <3

    LG N.

  • antworten . 17. Oktober 2018 at 13:55

    Liebe Nadine,
    Seit ich 13 bin sagt man mir, dass mit eigenen Kindern wird einmal schwierig werden. Es wird dauern, evtl. Nicht klappen oder schlecht ausgehen. Denn als ebenfalls chronisch kranke darf ich auf die Medikamente nicht verzichten und mit nicht schwanger werden… Ein Leben ohne Kinder ist für mich lange keine Option gewesen. Mein Mann kennt mich seit der Grundschule, er weiß schon immer von meinen Wunsch und meiner Krankheit. Nach dem wir uns viele unserer Freunde mit Mitte 20 geheiratet haben wurde der kinderwunsch groß und größer, jedesmal wenn uns von einer Schwangerschaft berichtet wurde lag ich abends weinend im Bett unter mit dem Gedanken und was ist mit uns, wir wollen doch auch… Uns fragte, ihm Gegensatz zu unsern Freunden, niemand nach Kindern. Da ich mit meiner Krankheit schon immer sehr! offen umgehe war jedem klar, dass das Thema nicht so einfach ist. Und so komisch es klingt, auch das nicht gefragt werden kann sehr weh tun.
    Ende 2016 haben wir entschieden gegen Empfehlungen der Ärzte schwanger zu werden. Das der Weg dorthin nicht einfach war ist klar, wir haben mit allem gerechnet und uns über alles informiert. Das war anscheinend, ernüchternd aber auch mutmachend. Schließlich stand der Entschluss für uns fest, wenn Gott uns ein Kind schenken will, egal ob gesund oder nicht dann freuen wir uns darüber. Heute, zwei Fehlgeburten später, macht unser gesundes kleines Mädchen seinen Mittagschlaf neben mir.

  • antworten Lila 17. Oktober 2018 at 15:27

    Ich habe zwar inzwischen einen kleinen Engel aber auch ich durfte mich jahrelang mit dieser Frage auseinander setzen. Nach unzähligen schlechten Beziehungen und einer Erzungen Abtreibung tat diese Frage noch mehr weh. Als ich dann den richtigen gefunden habe mussten erst mal Wunden gelegt und Vertrauen hergestellt werden, zudem mussten die Schulden aus alten Beziehung die auf meinem Namen gemacht wurden abgetragen werden. Jedes mal wenn ich mein Patenkind auf dem Arm hatte sagte man mir wie gut mir das steht (als wenn es eine Handtasche wäre). Als ich endlich schwanger war sollte ich das Glück haben gleich 2 Kinder zu bekommen, aber leider ist eines meiner 2 Kinder in der 32. Woche in den Himmel gegangen. Und auch dann liess man mir keine Ruhe, noch im Krankenhaus mit einem toten und einem noch etwas zu leichtem Kind in meinem Bauch wurde die Frage gestellt ob wir denn jetzt noch mal eines machen wollen. Ich sammel immer noch die Scherben und die Leute zählen mir jetzt auf wie viel Zeit ich noch für ein zweites hätte. Meine Argumente von der Angst das es wieder so schwierig wird oder das es vielleicht noch mal Zwillinge werden, werden einfach ignoriert.

  • antworten Claudia 17. Oktober 2018 at 16:41

    Hallo,
    vielen Dank für den Artikel und die besten Wünsche für dich!
    Ich möchte keine Kinder und habe dafür auch meine Gründe, die ich natürlich nicht mit jedem ausdiskutieren möchte. Aber ich gehe immer sehr offen damit um, dass ich keine Kinder möchte, um darauf aufmerksam zu machen, dass man Frauen darauf nicht reduzieren sollte, wie du so schön geschrieben hast, ist jeder Mensch auch einzeln vollständig! Was mich am meisten stört, ist dass es meistens Frauen sind, die die Frage stellen und dass Männer viel seltener mit der Frage konfrontiert werden!
    Ich muss aber leider sagen, dass ich meine schlechtesten Erfahrungen mit einer Frau gemacht habe, die selbst keine Kinder bekommen kann!
    Denn sie hat mich vehement beschimpft und mir erklärt, ich müsse Kinder bekommen. Auf meine Nachfrage, was sie davon hätte, hätte sie leider keine Antwort!
    Ich verstehe ja ihren Schmerz und würde auch keiner Frau wünschen, dass ihr die Entscheidung abgenommen wird, ich kämpfe nur für das Recht entscheiden zu dürfen und ich freue mich auch mit allen Freunden bei denen der Kinderwunsch in Erfüllung geht! Aber ihr Leid wird doch nicht kleiner, eher größer, wenn jede Gebärfähige Kinder bekommt. Das hat mich echt traurig gemacht!
    Außerdem wollte mich meine Frauenärztin nicht mehr weiter behandeln, als ich sagte, dass Kinder keine Option sind, das war auch hart!

  • antworten Isabell 17. Oktober 2018 at 18:19

    Vielen Dank für diesen Artikel! Ich finde mich dort so sehr wieder. Mein Herzenswunsch war von frühester Zeit an, selbst einmal Mama zu sein und diesem Wunsch entsprechend habe ich z. B. auch meinen Beruf gewählt. Ich glaube auch, dass ich eine richtige Herzblut Mutter wäre und hatte selbst mit einer konservativen Rollenverteilung nie ein Problem. In meinen 20ern war das Single Dasein der Punkt, der diesen Wunsch verhindert hat (für mich persönlich war der Rahmen einer Ehe immer Voraussetzung für Kinder). Als ich dann meinen Mann kennenlernte und wir nach 1 Jahr Ehe die Familienplanung angegangen sind, hat es nicht geklappt. Das viele Hoffen und Bangen und die Tränen sind so schmerzvoll, wenn man andere Frauen mit Babybauch und/oder Kinder sieht. Ich bin sehr offen im Familien-,Freundes und Kollegenkreis mit dem Thema umgegangen, um mir selbst den Schmerz der ewigen Fragen zu ersparen. Dabei merkte ich erst, wieviele betroffene Frauen es in meinem Umfeld gibt. Aber bei Berichten über Abtreibungen, kommen mir dennoch die Tränen. Die Zahl der Paare, die gerne adoptieren möchten im Vergleich zu den Kindern, die in Deutschland zur Adoption stehen sind für ungewollt Kinderlose zudem ernüchternd. Ich bin jetzt über 36 Jahre alt und hege immer noch die Hoffnung auf mein persönliches Wunder. Mein Mann und ich haben im Glauben daran vor zwei Jahren eine Erstausstattung für ein Baby gekauft und uns gleichzeitig damit beschäftigt, das Leben ohne Nachwuchs zu durchdenken. Uns hat geholfen, das wir vor gut einem Jahr das gewohnte Umfeld (die vielen Paare mit Kindern) verlassen haben und knapp 250 km weggezogen sind. Die Gedanken kreisen jetzt nicht mehr ständig um das Thema…

  • antworten Regula 17. Oktober 2018 at 19:40

    Danke für deinen offenen Bericht Nataile,
    Egal ob gewollt oder unfreiwillig – mir ist es ein zentrales Anliegen, den kinderlosen Lebensentwurf in der Gesellschaft zu etablieren. Damit genau diese Fragen nicht mehr gestellt zu werden brauchen, bzw., sie nur gestellt werden, wenn jemand an einem echten Austausch interessiert ist.
    Nicht zuletzt aus diesem Grund hab ich die Website kinderfreilos.ch gegründet und auf Facebook die geschlossene Gruppe OK-Frauen eingerichtet. (OK-Frau steht für OhneKind-Frau; wir sind okay, auch ohne Kind.) Auf der Facebook-Seite hat jemand den Link zu diesem Beitrag gepostet, so bin ich hierher gekommen. Als ich ein wenig auf deiner Website stöberte (dein „über mich“ ist mir sehr sympathisch, deine Bilder sprechen mich an und ich staune über die Vielfalt), dachte ich: Du wärst eine Frau für meine Inspirations-Seite (http://www.kinderfreilos.ch/?id=aktuell&sub=inspirationen). Dort möchte ich Porträts von möglichst vielen kinderlose Frauen sammeln, weil ich der Meinung bin, dass wir erfreuliche Vorbilder brauchen; es lebt sich einfach besser in guter Gesellschaft – diese Sammlung ist aber noch neu und daher gibt’s erst wenige Porträts – vielleicht magst du dich dazugesellen? Für Frauen, die wie du einen Website betreiben und sich daher bereits ein Stück weit öffentlich zeigen, ist die Hemmschwelle kleiner als für andere.
    Herzlicher Gruss aus der Schweiz

    • antworten Regula 17. Oktober 2018 at 23:07

      Entschuldige bitte, Nadine, ich hab dich in meinem Kommentar versehentlich mit Natalie angesprochen … sorry!

      • antworten Dreierlei Liebelei 18. Oktober 2018 at 7:14

        Liebe Regula, danke für deinen Kommentar! Nimm es mir bitte nicht übel, dass das für mich aktuell nicht in Frage kommt, da bei uns das Thema Kinder noch nicht abgeschlossen ist. Ich weiß, dass mein Mann und ich auch ohne Kinder ein zufriedenes und glückliches Leben führen würden, aber da der Wunsch doch da ist und die Möglichkeiten noch nicht erschöpft sind, bleiben wir vorerst erst mal locker optimistisch.

        Alles Gute dir privat und für dein Projekt!
        Nadine

  • antworten K. 17. Oktober 2018 at 20:17

    Ich bin im Sommer 35 geworden und habe keinen Partner und keine Kinder. Wenn ich sage, dass ich weder das eine noch das andere gerade möchte, heißt es sofort, dass sich das doch bestimmt noch ändert. In Internet lese ich ganz oft davon, wie egoistisch Frauen ohne Kinder doch wären, so als wäre eine Pflicht. Außerdem möchte ich eine Familie, nicht nur ein Kind. Die Wahrheit ist aber, dass ich depressiv bin und selbst unter einer depressiven Mutter aufgewachsen bin. Das möchte ich keiner kleinen unschuldigen Seele antun und ich will diese furchtbare Krankheit nicht weitergeben. Ich habe Therapien hinter mir und die Krankheit mittlerweile einigermaßen im Griff, aber ich weiß, dass sie jederzeit wieder zuschlagen kann. Wie soll ich jemanden in mein Leben lassen und für jemanden da sein, wenn ich mich in mir selbst verliere?

  • antworten anonym 17. Oktober 2018 at 21:29

    Unglaublich berührend, dein Text. Ebenso, wie die Kommentare und die damit verbundenen Schicksale und Lebenseinstellungen.
    Vielen Dank dafür!!!
    Und ja, Menschen für dieses Thema zu sensibilisieren ist mehr als notwendig. Jeder hat seine eigene Geschichte und diese wird oftmals mit Füssen getreten. Was unglaublich weh tun kann.
    Als ich in meiner Schwangerschaft, mit Blutungen, in einem Krankenhaus in der Provinz landete, war die Frage/ Ansage der Oberärztin: Ist das ihr erstes Kind mit 35? Ja, dann wird es ja Zeit!…
    ich war so baff, dass ich erst mit der Zeit verstanden habe, wie unglaublich übergriffig das war. Vor allem in einer Situation, in der ich nicht wusste, ob ich das Kind verliere oder es bleiben wird (zum Glück ist es geblieben). Mittlerweile werden die Fragen nach dem 2. Kind von allen Seiten drängender und neugieriger, auch von nicht sehr nahen Menschen. Beim 2. Mal ist es leider nicht so gut ausgegangen und umso mehr habe ich Mühe, bei diesen Fragen neutral zu bleiben.
    Ich habe gestern Abend bis spät in die Nacht den Text und die vielen Kommentare gelesen und war einfach so berührt von diesen unendlich vielen Geschichten zu diesem Thema. Niemand sollte das Gefühl haben, sich erklären zu müssen, ganz egal, wie die eigene Einstellung zu dem Thema ist bzw. welchen (Leidens)weg sie schon gehen musste. Es ist einfach privat.
    Liebe Nadine, ich finde es so mutig und stark, deine Geschichte so offen zu erzählen und damit offensichtlich so vielen aus der Seele zu sprechen. Ich wünsche dir von ganzem Herzen alles Gute und hoffe für dich, dass du deinen für dich besten Weg gehen kannst.
    Vielen Dank!

  • antworten FamilieBitte 17. Oktober 2018 at 21:51

    Liebe Nadine, danke, danke, danke für diesen Beitrag. Ich kann leider sehr gut nachvollziehen wie Du/ ihr Euch fühlt. Mein Mann und die ich sind beide 36 und verhüten seit knapp zehn Jahren nicht mehr. Wir haben einige künstliche Befruchtungen hinter uns und der allererste positive Sstest endete letztes Jahr in einer Fehlgeburt. Wir hatten schon immer den Wunsch nach einer großen Familie und haben uns bereits 2014 beim Jugendamt vorgestellt, um ein Kind adoptieren zu dürfen. Wir hatten Riesenglück und durften 2015 ein 2 Wochen altes Mädchen adoptieren, unsere Tochter😍 Wir sind schon vorher im Freundeskreis relativ offen mit unserem Kinderwunsch umgegangen, aber von außerhalb kamen immer wieder diese Fragen nach dem Nachwuchs. Es hat uns oft sehr traurig gemacht und manchmal auch wütend, weil es den Menschen scheinbar so sehr an Sensibilität fehlt. Heute erzählen mir immer wieder Freundinnen oder Bekannte „Seitdem ich Euch und Eure Geschichte kenne, stelle ich die Frage nach dem Nachwuchs niemandem mehr.“ Also vielleicht ist es gar nicht die fehlende Sensibilität, sondern einfach Naivität und das Gefühl, dass das Kinderkriegen das Normalste und Einfachste der Welt ist…für uns nur leider nicht und darum ist es toll, dass Du aufmerksam machst und ermutigst auch über die andere Seite vom Kinderwunsch, die unerfüllte, zu sprechen! Ich schicke Euch feste Umarmungen! Solltet ihr Fragen zum Thema Adoption haben, meldet Euch gerne!
    Beste Grüße A.

  • antworten Kathinka 17. Oktober 2018 at 22:55

    Liebe Nadine,
    Du triffst mich mit Deinem Text mitten ins Herz. Ich, 47, kann meine ungewollte Kinderlosigkeit inzwischen ganz gut annehmen. Das hat viele Jahre gedauert und unglaublich viel Kraft gekostet.

    Meine Geschichte: Ich bin mit meinem Mann zusammen, seit ich 18 bin. Du kannst Dir vorstellen, dass die Fragen nach Kindern schon ziemlich zeitig kamen. Da dachten wir noch, wir haben ja Zeit. Ich habe studiert und wollte erst mal erste berufliche Erfahrungen sammeln. In den Nachwendejahren war das übrigens sehr typisch in meinem Freundeskreis, wir wollten so viel erleben und waren auch verunsichert. Mit 30 dann habe ich die Pille abgesetzt. Und bin nicht schwanger geworden. Irgendwann fingen die Schmerzen an. Ich konnte manchmal nicht mehr aufrecht gehen, so schlimm war es. Es hat dann fast drei Jahre gedauert, bis ein Arzt mal darauf kam, dass ich eventuell Endometriose habe.

    OPs und vorübergehende künstliche Wechseljahre sollten Abhilfe schaffen. Zwei OPs und 2 Jahre später klappte es immer noch nicht mit der Schwangerschaft. Die unangenehmen Fragen im Bekanntenkreis häuften sich, vor allem von Menschen, die ich gar nicht gut kannte. Ich habe übrigens mehr als einmal gehört, dass ich wohl zu karrieregeil wäre für ein Kind. Oder auch, Ihr müsst Euch nur entspannen. Oder, dann adoptiert doch einfach. Ich wich aus, lächelte weg und litt (Das mache ich heute übrigens anders).

    2005 stellte sich dann heraus, dass mein Mann auch krank ist und eine Schwangerschaft auf natürlichem Weg quasi ausgeschlossen ist. Ich weiß nicht, ob hier schon von Ärzten die Rede war, die einem die »Fakten« gnadenlos und ohne jede Empathie um die Ohren hauen? Das ist auch so ein Thema. Wir haben nicht aufgegeben, obwohl unsere Beziehung zwischendurch echt am Ende war.

    6 künstliche Befruchtungen später haben wir dann doch aufgegeben. Ich konnte einfach nicht mehr. Ich war inzwischen 42. Dann haben wir uns als Pflegeeltern registrieren lassen. Letztes Jahr hätten wir fast ein kleines Mädchen bei uns aufgenommen. Aber es sollte nicht sein. Und nun mit 47 mache ich so langsam meinen Frieden. Wir haben eine bezaubernde Patentocher, deren Eltern sich freuen, wenn wir uns kümmern und wir genießen unser Leben zu zweit. Das haben wir allerdings immer gemacht. Ich kann mich glücklich schätzen, einen so wundervollen Mann zu haben. Wir haben wunderbare Freundschaften und Familienbande. Ich sehe, wie gut es uns geht (und wir gestresst viele ums uns herum sind mit ihren Kindern). Und ja, es tut immer noch weh und das wird nie ganz weg gehen. Spätestens wenn die Fragen nach Enkelkindern kommen, haha. Meine 80jährige Tante ist auch kinderlos und hat mir das mal gesagt.

    Ich kann nur alle betroffenen Frauen ermutigen: Redet darüber, haut unsensiblen Nachfragern die Wahrheit um die Ohren (soweit Ihr das könnt). Und: Wir sind vollständig, voll und ganz. In Verbundenheit, Kathinka

  • antworten Marie 17. Oktober 2018 at 23:24

    Danke für den Beitrag! Ich selbst bin dieses Jahr 30 geworden, seit 9 Jahren in einer Beziehung und ich könnte jedes Mal schreien, wenn jemand nach Kindern fragt. Als ob das so eine Pflicht wäre, wie eine Ausbildung oder ein Studium. Als ob das „ja wohl langsam mal Zeit wäre“. Als ob das irgendwen was angeht. Mir ist einfach nicht danach, na und? Mittlerweile wurde ich sogar gefragt, ob ich jetzt Karriere machen will. Als ob es nur einen Weg gibt: Kind oder Karriere. Vielleicht ist es grade gut so, vielleicht fühle ich mich zu jung und noch nicht reif. Vielleicht bin ich das nie. Bin ich als Frau eigentlich weniger wert ohne Kind? – unfassbar genervt, aber mittlerweile einfach nur belustigt, frage ich jetzt immer zurück: Warum geht dich das was an? – Ironischerweise habe ich kürzlich meinen Job verloren und jemand sagte ernsthaft „Schade! Aber wenn du jetzt ein Kind hättest, dann hättest du wenigstens IRGENDWAS!“

  • antworten Petra 18. Oktober 2018 at 10:51

    Vielen Dank für diesen schönen Text und Deine offenen Worte. Selber verheiratet und bewusst kinderlos hat mich die Frage, wann wir endlich ein Kind bekommen, jahrelang genervt. Lange Zeit hatte ich das Gefühl, dass ich mich rechtfertigen muss, warum wir keine Kinder wollen. Viele Freundinnen und Bekannte haben große Strapazen auf sich genommen, um schwanger zu werden. Eine Qual, wenn dann diese Fragen kommen. Ich würde es aber noch etwas weiterfassen wollen: ganz grundsätzlich sollten wir alle darüber nachdenken, welche persönlichen Fragen wir tatsächlich stellen wollen. Meistens kennen wir die Geschichten dahinter nicht. Eine ebenso respektlose Frage an all die Singlefrauen um die 30 da draußen „Wieso ist eine Frau wie Du denn noch Single?“. Ja, sicherlich als Kompliment gemeint, trifft es aber leider mitten in das blutende Herz, denn die meisten sind nicht freiwillig Single. Es gibt noch so viel mehr Beispiele. Nehmen wir doch diesen Beitrag als Anregung, uns öfter mal ,BEVOR wir etwas frageb, Zeit darüber anchzudenken, was das mit dem anderen machen könnte.

  • antworten Caro 18. Oktober 2018 at 22:29

    Kann ich so nur unterschreiben – die meisten Menschen, die ich hinweise, dass ich mich zu dem Thema nicht weiter äußern werde, tun so als wäre ich zu einer Antwort verpflichtet. Als wäre man nicht „normal“ und unverständlich für die Gesellschaft, wenn man mit 35 in einer langjährigen Beziehung weder verheiratet ist, noch Kinder hat.
    In meiner Familie ist meine Cousine mit Ende 30 die einzige mit Kind – es stellt keiner unangebrachte Fragen und das macht’s erträglicher, wenn wieder Familienfeiern sind.

    Liebe Grüße

  • antworten Eva 19. Oktober 2018 at 10:20

    Liebe Nadine, ein so wichtiges Thema und so viele Geschichten, das macht einfach nur Mut, danke dafür.
    Mein Mann und ich versuchen seit fast 3 Jahren ein Kind zu bekommen und mussten leider schon zwei kleine Wunder wieder gehen lassen. Ich bin stolz darauf, wie gut wir mit der Situation umgehen können und habe von Anfang an sehr offen darüber gesprochen, was mir sehr gut getan hat. Ein Aspekt, der hier noch gar nicht viel angesprochen wurde ist der, was der ganze (unerfüllte) Kinderwunsch mit Freundschaften macht. Mit meinen jetzt 32 Jahren gibt es in meinem Freundeskreis kaum mehr Paare ohne Kinder, meine beste Freundin hat ihr Baby zur Welt gebracht, 2 Wochen bevor ich mein erstes verloren habe. Das ging und geht nach wie vor so unter die Haut und fordert so viel, wenn die Freundschaft bestehen bleiben soll. Jetzt bin ich immer die erste die von einer neuen Schwangerschaft erfährt, aus Rücksicht. Aber es tut mir auch immer für mein Gegenüber so Leid, dass da diese Schwere mitspielt, wenn doch eigentlich nur Freude da sein soll. Aber das ist dann wohl wahre Freundschaft. Emotional aber sehr sehr anstrengend. Unpassende Fragen bekomme ich zum Glück kaum, denn ich habe das große Glück in der Arbeit mit einer bunten Mischung aus Frauen zusammenzuarbeiten (spätes Kinderglück, gewollt kinderlos, Mamas), die für das Thema an sich sensibilisiert sind und nicht nachfragen, oder zumindest nicht mehr. Ich wünsche dir liebe Nadine und allen wundervollen Frauen in deiner Community viel Mut und Zuversicht für alles was kommt.

  • antworten M 20. Oktober 2018 at 8:58

    Ein wichtiger und mutiger Artikel. Ich selbst bin 30 und kenne die Fragen… wobei ich denke, das solche Fragen aus einem vertrauen! Umfeld durchaus erlaubt sind, wenn dabei die Grenze, die der Befragte aufzeigt, nicht überschritten wird. Oft haben wir nicht den Mut über dieses Thema zu sprechen, über unsere Ängste, Zweifel und Hoffnungen. Eine aufrichtige Frage, die keine Meinung vermitteln möchte, war schon oft der Türöffner für ein gutes Gespräch, nach welchem man noch enger zusammen gerückt ist (hier habe mal ich gefragt und wurde gefragt). Oft stellte ich eine Erleichterung von beiden Seiten fest. Klar, das dafür die richtigen Menschen an deiner Seite stehen müssen. Unangebracht finde ich dieses „Na…“ die der reinen Befriedigung der Neugier dienen. Wo ich als Mensch nicht zähle, sondern auf die Funktion Frau reduziert werde und mir ein Lebensentwurf aufgeschwatzt wird… da ziehe ich mich komplett raus.

  • antworten Andrea 20. Oktober 2018 at 19:52

    Liebe Nadine, vielen dank für deinen Artikel, ich mag deine Schreibweise so gerne und ich finde es toll, dass du sogar noch Verständnis für die Fragen dieser neugierigen Menschen zeigst.
    Ich habe mit 24 geheiratet, ich war schon immer ein bisschen mollig und drei Wochen nach der Hochzeit wurde ich zum ersten mal gefragt, ob ich schwanger bin. Ich war völlig verdattert, das Thema Kinder war damals bei uns noch gar nicht aktuell. In den nächsten Jahren kamen natürlich noch viele, viele weitere Fragen. Mit 28 habe ich dann meine Tochter bekommen. Lange hat es nicht gedaurt und ich wurde ständig gefragt, wann denn nun „das zweite“ unterwegs ist. Mein Mann und ich wollten kein zweites Kind, es war unsere Entscheidung und für uns war es so perfekt. Besonders eine Dame, Mutter von drei Kindern, wollte das gar nicht akzeptieren, hat immer immer wieder nachgefragt, irgendwann habe ich dann gesagt, mein Mann hat sich sterilisieren lassen, pffff…. Zum letzen mal wurde ich gefragt ob ich schwanger bin, als ich schon fast 40 war, wohl aufgrund meiner Molligkeit, tja, das war nicht sehr charmant von dem Herrn…..
    Als meine Tochter 16 Jahre alt war bin ich an Krebs erkrankt. Ich war froh, dass ich außer ihr keine kleineren Kindern mehr hatte, das hätte alles noch viel anstrengender gemacht. Zwei Jahre später bekam ich die Diagnose unheilbar….. Inzwischen ist meine Tochter erwachsen zum Glück. Jetzt bekomme ich solche Fragen natürlich nicht mehr gestellt. Dafür wird anderer Unsinn daher geredet, der meine Krankheit betrifft. Mich belastet es sehr, dass so unglaublich viele Menschen so unsensibel sind, Worte können so verletzend sein.
    Liebe Nadine, ich wünsche dir für deine Zukunft alles, alles, alles Gute!
    Liebe Grüße Andrea

  • antworten S 21. Oktober 2018 at 13:07

    Hey liebe Nadine.
    Vielen Dank an dich, für diesen wunderbaren, offenen und ehrlichen Beitrag. Aber auch vielen Dank an all die großartigen Frauen, die hier kommentiert haben.
    Ich bin selbst 32 Jahre und mein Freund und ich versuchen seit ca. 1,5 Jahren ein Baby zu bekommen. Am Anfang sind wir ganz entspannt an die Sache rangegangen. Als es nicht geklappt hat, habe ich es mit der Temperatur-Methode versucht, um meine fruchtbaren Tage abzupassen. Ich habe jeden Morgen meine Temperatur gemessen, meinen Zervix-Schleim beobachtet und fast schon meinen Freund dazu gedrängt, Sex nach Plan zu haben. Aber alles ohne Erfolg.
    Doch daneben sehe ich, wie es bei anderen Paaren scheinbar mühelos funktioniert. Entscheidung gefällt, Pille abgesetzt und schon im nächsten Zyklus schwanger. Dieses Glück bei anderen zu sehen tut weh, ich hätte vorher nie gedacht wie sehr es wehtun kann.
    Am schlimmsten war zu sehen, dass der Bruder meines Freundes und seine Frau Nachwuchs bekommen haben. Ich freue mich für sie und die Kleine ist wahnsinnig süß. Aber seit ihrer Schwangerschaft ist jedes Bild in der WhatsApp-Familiengruppe, jede Nachricht, wie toll sich alles entwickelt, ein Stich in mein Herz. Heimlich weine ich ein paar Tränen, bevor ich mich selbst auffordere, mich zusammenzureißen. Meinem Freund geht es ähnlich. Wir haben darüber geredet. Uns versprochen uns nicht runterziehen zu lassen. Aber ich sehe seine traurigen Augen, wenn es Bilder seiner Nichte ansieht. Dieser Blick voll Liebe für das kleine Wesen und seinem eigenen Schmerz, da er so gerne selbst Vater wäre.
    Dock aktuell bleibt für uns nur abwarten und hoffen, jeden Zyklus aufs Neue. Wir haben alle Messmethoden abgesetzt, lenken uns ab vom Gedanken, um nicht verrückt zu werden und hoffen dass es mit einer entspannten Haltung irgendwann funktioniert.
    Aber wenn ich wieder mal besonders down bin, hab ich hier jetzt einen Ort gefunden, zu dem ich kommen kann. Ich kann mir die Nachrichten der anderen Frauen durchlesen und weiß, ich bin nicht allein. In meiner gefühlten Realität im Alltag und Instagram werden alle so easy schwanger, no problem. Aber hier ist die Wahrheit verborgen. Von vielen Frauen die im Alltag genauso lächeln wie ich, wenn die Nachfragen kommen. Wenn wieder eine Freundin schwanger ist. Wenn die Menstruation wieder mal einsetzt. Aber die tief im Inneren den gleichen Schmerz fühlen, den wir nicht beschreiben können und der lange braucht um zu heilen. Manchmal tut er es nie.
    Ich wünsche euch alles Gute, denkt daran: Ihr seid nicht allein. Wir haben uns. Wenn auch nur in Gedanken.

  • antworten Hanni 22. Oktober 2018 at 16:09

    Liebe Nadine! Danke, dass du dieses Thema so offen ansprichst. Schon ich als freiwillig kinderlose Mittdreißigerin habe mit der ständigen Nachfragerei zu kämpfen – da möchte ich mir gar nicht vorstellen, wie es erst Menschen gehen muss, die sich eigentlich sehnlichst Kinder wünschen… Mein Mann und ich antworten mittlerweile offen, dass wir keine Kinder möchten, weil es für uns einfach nicht passt. Die Reaktionen darauf sind immer die gleichen: Entweder wir werden belächelt mit den Worten „Das kommt schon noch!“, „Ihr ändert bestimmt noch eure Meinung!“ etc. oder wir ernten schiefe Blicke als wären wir Kinderhasser oder sonst irgendwie schräg drauf. Wenn mich jemand nicht kennt, kommt oft auch „Aha, eine Karrierefrau!“ Das gibt einem wirklich das Gefühl, als wäre man ohne Kinder kein vollständiger Mensch bzw. als würde etwas mit einem nicht stimmen. Und das ist echt alles andere als angenehm.

  • antworten Katja 23. Oktober 2018 at 11:40

    Es ist der Wahnsinn, ich würde fast darauf tendieren, dass es jeder Frau so geht die zu unserer Zeit in das Alter kommt wo es für die Generationen vorher ganz normal war bereits Kinder zu bekommen. Bei mir kommt tatsächlich die nervige Fragerei von der Generation meiner Eltern. Freunde fragen nach wenn wir über das Thema reden und auch dann wird höflich nach Zukunftsplanung gefragt und nicht auf eine tickende Uhr hingewiesen. Ich, 25, kinderlos werde nach 4 Jahren in einer Beziehung immer wieder gefragt und das obwohl alle wissen, dass es bei uns derzeit wegen beruflicher Zukunft und gesundheitlichen Einschränkungen bei meinem Partner auch nicht sinnvoll ist. Meine beste Freundin ist vor 1,5 Jahren Mutter geworden, sie hatte eine schlimme Schwangerschaft mit einer schlimmen Geburt, auch das wissen alle und trotzdem wird das zweite Kind von allen seit dem Krankenhaus geplant…sie möchte derzeit nicht. Die Schwester meines Partner hat ein krankes Kind adoptiert weil sie zusammen mit ihrem Mann das Geld hat um teure Operationen zu bezahlen, der Kleinen geht’s mittlerweile super gut. Sie wird verurteilt weil sie nicht versucht ein eigenes Kind noch dazu zu bekommen, Karrieregeil wird ihr vorgeworfen, eigentlich hat sie einfach nur Angst. Aus welchen Gründen Angst sie hat frage ich nicht nach, das geht nämlich schon zu sehr in die Privatsphäre und diese akzeptiere ich.

  • antworten Katja 28. Oktober 2018 at 0:15

    Diese Frage habe ich noch nie Jemandem gestellt, und wenn ich das hier lese, dann weiß ich auch, warum. Es ist doch sehr privat und geht oft über „Wir wollen nicht“ hinaus. Und selbst wenn der Wille der Hauptgrund ist, so ist auch das privat und einzig die Entscheidung der Person/des Paares. Vielleicht bin ich mittlerweile auch sensibel genug, weil ich lange in der Adoptionsberatung gearbeitet habe.
    Und ich weiß sehr genau: es muss nicht das leibliche Kind sein, wenn ein Kinderwunsch unerfüllt bleibt bzw. bleiben muss. Es gibt viele Wege, Eltern zu werden, wenn man es sich wünscht.

    Und übrigens: nach dem ersten Kind hören die Fragen nicht auf. Ganz im Gegenteil. Dann muss man sich immer für „das Einzelkind“ rechtfertigen. Auch das nervt.

  • antworten Katharina 30. Oktober 2018 at 10:01

    Hallo liebe Nadine und alle anderen lieben Frauen,

    schön, dass du dieses Thema mal deutlich ansprichst. Leider bekomme ich es auch mehr und mehr mit, dass Personen im Umfeld Ratschläge und Kommentare zum Familienleben bzw. zur Familienplanung abgeben, auch wenn sie nicht gefragt werden.
    Nach 1,5 Jahren mit unerfülltem Kinderwunsch wird man da manchmal ziemlich dünnhäutig und es gibt Tage, die besser sind und Tage, die schlechter sind. Am Anfang dachten wir uns auch „Ach, wir gehen die Sache ganz entspannt an, und wenn es nicht klappt, dann machen wir halt noch einige Reisen oder dies und das“, aber wenn das Umfeld sehr kinderreich ist (was auch sehr schön ist, und ich gönne es jedem von Herzen), dann wird man zwangsläufig mit dem Thema konfrontiert, ob man will oder nicht. Und Kommentare wie „Naja, vielleicht versteht ihr das nicht so, weil ihr ja noch keine Kinder habt“, die tun dann schon ziemlich weh. „Was, ihr seid beide schon über 30, na da wird es aber Zeit, da solltet ihr nicht mehr allzu lange warten“ oder „Hochzeit, Haus, jetzt fehlt nur noch das Kind“, das sind eigentlich so Kommentare, die man ständig zu hören bekommt. Mittlerweile kann und möchte ich mich aber auch nicht mehr dafür rechtfertigen, weil es einfach ein sehr persönliches und vor allem sensibles Thema ist und ich auch merke, dass es mir nicht gut tut. Eine Zeit lang wollte ich gar nicht mehr aus dem Haus, weil ich gefühlt nur schwangere Frauen oder Mamas mit Kinderwagen gesehen habe.
    Liebe S., deine Worte kann ich aus tiefstem Herzen nachempfinden, weil es mir genauso geht. Was tröstet ist einfach die Tatsache, dass man wirklich nicht alleine ist, auch wenn es im Umfeld und im Bekanntenkreis vielleicht so scheinen mag.
    Und ich finde keiner sollte sich für seine Situation und seine Einstellung rechtfertigen müssen – wenn jemand keine Kinder möchte, dann ist das doch auch ok! Deswegen ist man doch nicht weniger vollständig. Wichtig für mich ist hier nur, dass mein Partner voll und ganz zu mir hält und das zu wissen, gibt mir auch Kraft.
    Liebe Frauen, lasst Euch von nichts und Niemandem einreden, dass ihr dies und jenes tun müsst und nur mit Kindern vollständig und akzeptiert seid! Jeder ist auf seine Art und Weise wunderbar und dazu braucht es keine Bestätigung von außerhalb.

  • antworten sabine 1. November 2018 at 9:08

    Warum Kinder immer als Garant für Glück angesehen werden, ist mir schleierhaft. Ich sehe dauernd gestresste, ja unglückliche Mütter, die nur am lamentieren und vergleichen sind. Die ihr altes Leben vermissen, die alten Freundinnen, den Urlaub, die Partys, das Geld ausgeben. Die über andere Mütter wie die Geier herfallen, die ihr Kind nicht so und so ernähren oder so und so mit ihm umgehen. Die mich am liebsten mit Blicken töten würden, wenn ich von meinen Ferien auf den Malediven erzähle.
    Ich bin 35 und finde Kinder klasse. Ja, sie tun mir sogar oft leid, wenn ich sehe wie kalt und herzlos ihre Mütter mit ihnen umgehen. Jedes Kind hat unendliche Liebe und ein altersgerechter Umgang verdient. Ich denke, die Kälte kommt daher, dass das Kind als Garant für Glück angesehen wurde und nun eigentlich einfach viel Arbeit und Entbehrung für die sonst so verwöhnten Frauen meines Alters bedeueten.
    Kinder bedeuten, dass das Kind an erster Stelle steht und nicht die Bedürfnisse der Mutter. Ich bin mir dessen voll bewusst, dass ich dies einem Kind nicht zu 100% bieten kann, dass ich meine Freiheit brauche, dass ich bis spät in die Nacht aufbleiben möchte und bis in den Mittag schlafen will. Dass ich spontan einen Ausflug 200 km entfernt von meinem Wohnort machen will, wann immer ich möchte. Ich weiss, dass ich darauf nicht verzichten kann und werde deswegen keine Kinder in die Welt setzten. Die Verantwortung fängt also schon mit dieser bewussten Entscheidung an.
    Ich möchte glückliche und zufriedene Mütter sehen, die vollkommen zufrieden sind mit ihrer Rolle als Mutter. Warum gibt es das nicht mehr? Sind sich Frauen dessen bewusst, welche Entbehrung und Verantwortung auf sie zukommt. Sind sie bereit, dies für das Wohle des Kindes zu tragen?
    Das vermisse ich in der heutigen Gesellschaft völlig.

  • antworten Links with Love: Oktober – Chestnut & Sage 1. November 2018 at 10:01

    […] gefragt: etwas, das niemanden zu interessieren hat. […]

  • antworten Link-Liebe im Oktober 2018 | fraeulein-nebel.org 4. November 2018 at 20:01

    […] Lädchen in Freiburg. Nach Freiburg wollte ich sowieso mal. Nadine von dreierlei liebelei hat eine Kolumne über kinderlose Frauen um die 30 geschrieben. Bei mir hatte die Fragerei Mitte 20 den Höhepunkt, hauptsächlich Kollegen oder entfernt bekannte […]

  • antworten Blackmoon 16. November 2018 at 4:17

    Hallo,

    eigentlich ist es ja grundsätzlich und wenn man es genau nimmt,schon dreist zu fragen bezüglich Nachwuchs oder ? Also geht ja ansich niemanden was an,wann,ob,warum,wieso,weshalb,warum. Ich persönlich würde glaub ich nicht auf die Idee kommen ein befreundetes Pärchen nach Babyplänen zu fragen.

    Ich bin kinderlos und das ist völlig in Ordnung. Der Zug ist jetzt auch abgefahren. Ich bin jetzt 36 und nun bin ich mir zu alt. Früher hatte ich einen Kinderwunsch,da ging es nicht. Auch aus gesundheitlichen Gründen,wie bei dir. Seit Jahren hab ich chronisch eine Angst&Paniksymptomatik (wohl u.a durch Gluten/unerkannte Zöliakie ausgelöst) und damit hatten sich sämtliche Babypläne. Denn eine Panikmama,die hier und da nicht alles so kann obwohl sie will, wollte ich nie werden. Das wollte ich meinem Kind nie zumuten.
    Wir haben zwar mal über ein paar Jahre „versucht“ dann später (da war ich so mitte 20) Aber da hat es dann nicht geklappt.
    Seit ich jetzt die 30 überschritten hab,ist es für mich auch zu spät. Klar,heute werden Frauen auch noch mit mitte 40 oder 50 schwanger. Ich hab halt einen kleinen Knacks bezüglich des Alters. Meine Adoptiveltern waren „alt“ und wurden in meiner Kindheit für meine Großeltern gehalten,Generationenkonflikte vom feinste usw. Da hab stand für mich recht früh fest,ich will wenn,eine junge Mama werden.

    Was ich immer wieder schade finde ist,sobald man keine Kinder hat,das einem oft unterstellt wird,das man Kinder nicht mag,kinderfeindlich sei,kein Verständnis für sie hätte etc.

    Inzwischen „prallt“ das aber auch alles soweit an mir ab. Früher hat´s mich noch zum nachdenken gebracht,verletzt. Aber letztendlich weiß ich wie´s ist,ich muss mich keinem rechtfertigen.
    Heute sag ich dann auch einfach mal ganz trocken „wir haben Katzen,das reicht“ Was das Gegenüber aus der Aussage macht,ist mir inzwischen wirklich egal.
    Ich bin damit völlig in Ordnung das sich ein Kind oder zwei (Fragerrei hört mit dem ersten bekanntlich nicht auf) nicht ergeben haben. Vielleicht weil ich nie so einen intensiven Kinderwunsch hatte ?! Oder weil ich´s immer locker gesehen habe „wenn´s klappt dann isses so,wenn nicht,dann nicht“ ?! Ich ein Mensch bin der grundsätzlich die Dinge so annimmt wie sie kommen,ohne großartig damit zu hardern. Keine Ahnung. Jedenfalls sind wir beide als Paar auch so zufrieden.

    Liebe Grüße
    Blackmoon

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