0
Kolumne #Gedankenliebelei

Hallo 2020 – warum es völlig ok ist, auch einfach mal gar keine Pläne für´s neue Jahr zu haben

15. Januar 2020
Nadine Burck

Ich liebe Pläne. Ich liebe Konzepte, mag alles, das durchdacht ist. Ich packe gerne an und setze Ideen um. Am liebsten meine eigenen. Genau aus diesem Grund bin ich schon so lange meine eigene Chefin und aus diesem Grund entwickle ich meine ganz eigenen Projekte, die ich genau so umsetze, wie ich sie mir vorstelle. Ich liebe es, höchst motiviert ohne Gefühl für Raum und Zeit zu arbeiten. Sehr, sehr früh anzufangen und erst aufzuhören, wenn ich müde bin, um mich dann auf´s weitermachen am nächsten Tag zu freuen. Ich liebe das! Sehr!

Umso schwerer ist es für mich, wenn der Kopf leer ist. Wenn sich keine neuen Pläne blicken lassen. Wenn alle um mich herum motiviert schon die ganzen gerade beginnenden Zwanziger Jahre verplant und sich die höchsten Ziele gesteckt haben, während ich froh bin, wenn mir etwas einfällt, das wir heute kochen könnten. Versteht mich nicht falsch. Ich wäre froh, mein Kopf würde mir auch eine Idee nach der anderen liefern und mein Energie Level wäre entsprechend hoch. Aber naja, nachdem ich nicht mal ansatzweise meine ambitonierten Pläne, die ich Ende 2018 für das vergangene Jahr machte, umsetzen konnte, ist mein Kopf jetzt gerade einfach leer.

Wobei: leer wäre ja eigentlich ganz schön. Da sind zwar keine ehrgeizigen Pläne und Ziele, dafür aber die Stimme des Zweifels. Ich kenne diese Stimme so gut, die mir mal zuflüstert, mal laut ins Gesicht brüllt. Diese Stimme, die mir erzählt, alle anderen seien viel leistungsfähiger, viel belastbarer, stellen höhere Erwartungen an sich selbst, haben bessere Ziele. Funktionieren einfach besser.

Weil ich mich aber auch dann, so annehmen möchte, wie ich bin, wenn ich nicht ganz so auf der Höhe meiner Kräfte bin, übe ich mich genau darin. Ich übe mich darin, auszuhalten, einfach mal gar keine Pläne und Ziele für das neue Jahr zu haben. Einfach mal nichts verbessern zu wollen, obwohl es eine Menge zu verbessern gäbe. Einfach mal alle an mir vorbeiziehen zu lassen, ohne mich zu vergleichen. Einfach mal ich zu sein. Solange, bis der Funke wieder überspringt. Und jetzt gerade fällt mir auf, dass das doch der beste Plan von allen ist. Vollkommen man selbst zu sein.

Das wünsche ich euch für das neue Jahr!

Habt es schön!
Nadine

P.S.: Die Fotos hat Nathalie Scholl von mir gemacht! Schaut mal bei ihr vorbei!

Das könnte dir auch gefallen

4 Kommentare

  • Antworten Denise 15. Januar 2020 um 7:19

    Ist es nicht auch einfach so, dass unser Geist von Zeit zu Zeit ein bisschen Pause einlegen muss? Zumindest ist mir der von Dir beschriebene Zustand sehr bekannt und ich freue mich immer darüber, einen Gang zurück zu schalten … die Ruhe vor dem Sturm …

    Ich bin mir sicher, dass Du bald wieder in Deiner Kraft bist und in 2020 viele schöne Sachen kreieren wirst!

    Liebe Grüße
    Denise

    • Antworten Dreierlei Liebelei 15. Januar 2020 um 8:20

      Genau so ist es! Aber das, was man rational begreift und das, was man fühlt, kann leider kilometerweit auseinanderliegen. Das ist der Grund, warum ich drüber schreibe. Einfach, um aufzuzeigen, dass es völlig normal ist, so zu empfinden. Und auch völlig in Ordnung, sich einfach mal treiben zu lassen ohne festes Ziel vor Augen 🙂

  • Antworten Hannah 15. Januar 2020 um 11:13

    Liebe Nadine,
    genau an diesem Punkt war ich vor einem Jahr. 2019. Rückblickend ein sehr schwieriges und nicht unbedingt immer schönes Jahr für mich: immer nur am Kämpfen war ich. Mit mir selbst, mit meinem Willen, meinen Gedanken und meinem Herzen. Am Ende war ich ziemlich erschöpft. Äußerlich hat sich nicht viel geändert – außer, dass wir jetzt ein Haus in unserer Heimat im Schwarzwald bauen und ich endlich das Gefühl habe, wieder „heimzukommen“. Innerlich hat sich jedoch eine Menge geändert und ich stehe an einem ganz anderen Punkt als noch vor einem Jahr. Und das ist gut. Es hat die Zeit gebraucht. Und ich habe das gebraucht. Ich bin glücklich und ausgeglichen, auch wenn längst nicht alle Baustellen beseitigt sind. Das ist aber auch ok. Ich weiß um meine Baustellen. Ich sehe sie aber mittlerweile als Teil von mir. Sehe mich selbt als eine Art Restaurierungsprojekt, an dem ich langsam und bedacht etwas herumschleife – ohne den eigentlichen Kern kaputt zu machen.
    Was will ich dir damit sagen (was du sowieso schon weißt ;-)): Hab Geduld. Es lohnt sich.

    Mögen wir dem Geschehen den Raum geben, den es gerade braucht.
    Mögen wir uns daran erinnern, dem Rythmus unseres Lebens zu folgen.
    „Wenn die Dinge über uns zusammenbrechen, dann ist das eine Prüfung und gleichzeitig ein Heilungsprozess.
    Wir glauben, es ginge darum, die Prüfung zu bestehen und das Problem zu überwinden, aber in Wirklichkeit gibt es gar keine Lösung.
    Die Dinge kommen zusammen und fallen wieder auseinander. So einfach ist es.
    Die Heilung stellt sich ein, wenn wir allem Geschehen Raum lassen: Raum für Trauer, Raum für Linderung, Raum für Elend,
    Raum für Freude.“
    > Pema Chödrön<

    Ich wünsche dir Kraft und Gelassenheit, die Phasen des Lebens so anzunehmen, wie sie zu dir kommen. Meist wollen sie dir etwas sagen.

    Alles Liebe
    Hannah

  • Antworten Ilka Arndt 15. Januar 2020 um 20:53

    In Zeiten von Pause und Langeweile wächst unserer Kreativität. Und wenn wir uns selbst so sehr unter Druck setzten mit dem besser, schneller, weiter, das uns von außen suggeriert wird, dann holt sich der Körper eben die Ruhe, die er braucht und schaltet auf stur. Dann geht nichts mehr. Und statt das anzunehmen, quälen wir uns mit Selbstzweifeln. Weil wir nicht so funktionieren wie früher oder wie andere oder wie wir meinen, das andere das von uns erwarten. Der Frustrationsgrad steigt und wir ziehen uns selbst in die Abwärtsspirale. Ich kenne das gut. Was mir geholfen hat: nicht vergleichen!

    1. Nicht mit anderen. Von allen sieht man nur das, was sie uns zeigen wollen. Niemand offenbart so einfach der großen Öffentlichkeit seine Ängste und Zweifel. Von allen sieht man jedoch immer die Seiten, die funktionieren. Das machen wir selbst dich auch so, wir sind ja – zu Recht – stolz auf unser Gelingen. Alle um uns rum sind also immer besser als wir selbst, weil wir nur die Sonnenseite sehen, unsere eigenen Schatten aber gut kennen (und die ja unsere eigenen Sonnen überschatten).

    2. Nicht mit sich selbst. Meine Situation war vor einem Jahr eine andere als jetzt, die Menschen um mich herum waren andere, die Orte waren anders – denn es ist ein Jahr vergangen. Niemand, auch nicht wir selbst, musste etwas dafür tun oder lassen, denn die Zeit tat, was sie kann, sie verging. Gedanken, Erfahrungen, Einflüsse, Erkenntnisse sind doch jetzt völlig anders. Besser oder schlechter steht nicht zur Auswahl, lediglich eben dieses anders.

    3. Nicht mit einem zukünftigen Ideal-Ich. Der Mensch braucht Ziele, sonst flattert er haltlos durch die Zeit. Das stimmt. Aber Ziele dürfen, ja müssen sich ändern, wenn es anders kommt, als man gedacht hat. Das Zukunfts-Ich hat man sich konstruiert mit dem Wissen und den Zielen von damals (wann immer man es gemacht hat). es macht Sinn, das zu hinterfragen. Je nach eigenem Lebensstil tun es manche turnusmäßig, die meisten zum Jahreswechsel. Aber Veränderung ist nicht an ein Datum gebunden. Und wenn es zum Jahreswechsel nichts Neues gibt, dann ist das eben so. Und wenn es zwischendrin eine Veränderung gibt, dann ist das eben auch so.

    Das einzige Wichtige: tue es. Schau, was noch für dich passt und was nicht. Sortiere aus und trenne dich von Ballast. Und dann nimm dir eine Auszeit und lass die Leere und die Stille für dich arbeiten (Haha! DAS ist die wahre Schwerstarbeit, das, sich, auszuhalten ist hammerhart.)

    „Amen“

    Entschuldige den langen Kommentar. Das war und ist mir wichtig. Vielleicht hilft es dir ein bisschen, weniger mit dir zu hadern. Solche Phasen kommen öfter im Leben. Sie gehen auch wieder.

    Herzlichst! Ilka (55)

    PS: Ab 40 ist es gut. Ab 50 ist es wunderbar!

  • Hinterlasse einen Kommentar