Jobliebelei

Wie es wirklich ist, von dem zu leben, was man liebt // Interview mit Julia und Steffi von fremdformat

25. Januar 2019
Wie es wirklich ist, von dem zu leben, was man liebt // Interview mit Julia und Steffi von fremdformat

Ein eigenes Produkt entwickeln, herstellen, vermarkten und gleichzeitig aufzeigen, dass man seinen ganz eigenen Weg gehen kann – verbunden mit den persönlichen Werten und Überzeugungen. Darum soll es im heutigen, elften Teil meiner Jobliebelei Interview Reihe gehen. Julia und Steffi sind die Köpfe hinter dem Heidelberger Schmucklabel fremdformat, das sich durch und durch nachhaltig gestaltet. Ich freue mich sehr darüber, dass Julia, die ihr links im Foto seht, heute meine Fragen beantwortet. Vor allem, weil die beiden aktuell in den letzten Zügen der Renovierung für das neue fremdformat STUDIO in der Bergheimer Straße 29 in Heidelberg sind. Eröffnet wird es am 9. Februar 2019 um 16 Uhr und ich werde ganz sicher vor Ort sein, um die beiden zu beglückwünschen.

Wie es wirklich ist, von dem zu leben, was man liebt // Interview mit Julia und Steffi von fremdformat

Hallo Julia, erzähl meinen Lesern doch bitte zuerst Mal ein klein wenig über dich: wer bist du? Wofür schlägt dein Herz? Und womit verdienst du deinen Lebensunterhalt?
Liebe Nadine, Steffi und ich wohnen seit 7 Jahren gemeinsam in Heidelberg und sind privat und beruflich ein Paar. Mein Herz schlägt dafür, mit meinen Händen zu arbeiten. Ich habe vor meiner Selbstständigkeit sehr kopflastig gearbeitet und merke, dass das Handwerk zur Zeit besser zu mir passt. Vor ca. vier Jahren haben wir offiziell fremdformat gegründet. Ein modernes Schmucklabel, welches durch und durch nachhaltig gestaltet ist. Wir verwenden Reste aus der Metallindustrie, um unseren Schmuck herzustellen. Das tun wir, weil die Abbaubedigungen bei Gold & Silber unmenschlich und sehr schlecht für die Umwelt sind. Wir wollen aufzeigen, dass man Schmuck auch anders denken kann.

Wie es wirklich ist, von dem zu leben, was man liebt // Interview mit Julia und Steffi von fremdformat

Seit wann machst du das, was du liebst, beruflich und was war der ausschlaggebende Grund dafür, diesen Schritt wirklich zu gehen?
Ich verdiene meinen Lebensunterhalt mit fremdformat seit 2 Jahren. Gegründet haben wir allerdings nebenbei. Ich hatte eine 80% – und Steffi eine 100% Stelle. Das war gegen Ende meines Angestellten-Seins eine hohe Belastung für uns, deswegen haben wir uns Ende 2016 dazu entschlossen, dass ich kündige und mich ganz dem Schmuckmachen widme.

Der ausschlaggebende Grund für die Entscheidung zur Selbstständigkeit war die Lust am Schmuckmachen und die Freiheit mein eigener Boss zu sein. Ich wusste schon immer, dass ich Schmuck machen will, aber nach der Schule hatte ich keine Ausbildung gefunden. Aus Vernunftsgründen habe ich mich für etwas entschieden, was ich kann, aber das nicht meine Leidenschaft ist. Diese hat mich dann aber wieder eingeholt. Steffi arbeitet weiterhin 80% in der IT.

Wie es wirklich ist, von dem zu leben, was man liebt // Interview mit Julia und Steffi von fremdformat

Hattest du anfangs in deinem persönlichen Umfeld mit Vorurteilen oder Gegenwind zu kämpfen?
Und wie steht dein Umfeld jetzt zu deinem Job?
Sagen wir, es war eher ein Gegensturm, als ein Gegenwind. Ich hatte eine unbefristete Stelle im öffentlichen Dienst und diese zu kündigen war für viele Menschen total unverständlich. Einer Leidenschaft zu folgen, und dafür Risiken einzugehen, dafür ist nicht Jede*r gemacht. Auch jetzt nach zwei Jahren denken glaube ich einige, dass ich da in der Werkstatt „nur ein bisschen bastle“. Manchmal ärgert mich das und ich habe den Drang mich zu beweisen und aufzuzeigen, was wir schon alles tolles erreicht haben… aber das geht vorbei. Ich hätte auch nicht so einfach kündigen können, wenn Steffi nicht ein weiteres, stabiles Einkommen hätte. Wir sind da sehr vernünftig, auch wenn wir uns natürlich manchmal wünschen, beide Vollzeit einzusteigen und endlich alle unsere Ideen umzusetzen.

Wie es wirklich ist, von dem zu leben, was man liebt // Interview mit Julia und Steffi von fremdformat

Was sind für dich persönlich die negativen Seiten an der Selbstständigkeit?
Es ist schwer mal abzuschalten, vor allem, wenn man als Paar auch zusammen arbeitet… und die vielen Mails, die man schreiben muss.

Und jetzt aber zurück zum Schönen: was ist das tollste daran, sein eigener Chef zu sein?
Mich kreativ auf allen Ebenen ausleben zu können, bereitet mir viel Spaß. Ich beschäftige mich nun mit Dingen, welche mir vorher ganz fremd waren. Indem wir fremdformat aber durchweg nachhaltig und fair gestalten, habe ich für mich einen Weg gefunden, meine Werte und die Modewelt, in der ich mich jetzt bewege, miteinander zu verknüpfen. Mir meine Zeit frei einteilen zu können, ist ebenfalls ein großes Geschenk. Ich bin leistungsfähiger, wenn ich selber entscheiden kann, wann mein Arbeitstag beginnt und endet.

Wie es wirklich ist, von dem zu leben, was man liebt // Interview mit Julia und Steffi von fremdformat

Hand auf´s Herz: sich selbst zu motivieren, kann einem schon mal schwer fallen. Wie organisierst du deinen Tagesablauf??
Mir tut es gut, wenn ich immer zur selben Zeit aufstehe. Egal, ob ich dann gleich in die Werkstatt fahre, oder noch zu Hause Bürokram erledige. Manchmal verbummel ich dann zu viel Zeit auf Instagram, aber solange ich mein Wochen-Soll, welches sich durch die offenen Bestellungen ergibt, trotzdem schaffe, ist alles gut. Ich habe keinen Perfektions-Anspruch an mich selbst. Meine größte Motivation ist der Spaß an der Arbeit, der mir glücklicherweise bisher nicht abhanden gekommen ist.

Wie es wirklich ist, von dem zu leben, was man liebt // Interview mit Julia und Steffi von fremdformat

Welche Frage hättest du gerne gestellt, bevor du den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt hast? Und wie lautet deine Antwort darauf?
Ich habe eigentlich alle Fragen gestellt, da ich bei einer Gründerinnenberatung in Mannheim war. Das hat mich nichts gekostet und hat sehr geholfen, mein Business Modell zu prüfen und zu festigen. Bei allen sonstigen Fragen, bei der gerade keine Beraterin zur Seite stand, habe ich mich immer auf mein Bauchgefühl verlassen und damit auch gute Erfahrungen gemacht. Und viel gegoogelt haben wir auch.

Und zuguterletzt: welchen Rat hättet ihr (oder habt ihr) gerne bekommen, bevor ihr euer Glück selbst in die Hand genommen habt?
Tu es einfach. Du kannst auf dich vertrauen und das wird gut.


Liebe Julia, vielen Dank, dass du dir die Zeit für meine Fragen genommen hast! Ich ziehe meinen Hut vor eurer visionären Idee und der Umsetzung und Integration eurer Werte und Überzeugungen. Ich weiß selbst sehr gut, dass das nicht immer einfach ist. Für den Endspurt eurer Vorbereitungen für das fremdformat STUDIO wünsche ich euch, dass alles gut geht und ihr entspannt eröffnen könnt. Wir sehen uns dann am 9. Februar.

Ich hoffe, ihr konntet genau das aus diesen Worten ziehen, dass ihr für euch zur Inspiration gebrauchen könnt. Sich selbst zu vertrauen, ist ein Rat, den ich auch gerne gebe. Natürlich gilt auch hier: von nichts kommt nichts. Aber statt seine Energie in die Ziele von jemand anderem zu stecken, ist es für manche vielleicht genau der richtige Weg, sich seine ganz eigene Jobliebelei mit den eigenen Werten zu schaffen.

Habt es schön!
Nadine

Fotos: fremdformat

Falls ihr euch fragt, was es mit dieser Serie auf sich hat: hier könnt ihr nachlesen, um was es bei der #Jobliebelei geht.

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