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Kolumne #Gedankenliebelei Reisen

So schmeckt Freiheit – unser Roadtrip nach Kroatien

8. Juli 2019
Roadtrip nach Kroatien

Ich hatte da diesen Gedanken. Den Gedanken, dass es nicht gut ist, sich immer auf alle Eventualitäten vorzubereiten. Immer einen Plan zu haben. Besser noch Plan B und C – für alle Fälle. Das gibt mir Sicherheit, dachte ich. Aber übersetzt heißt immer einen Plan haben zu müssen, eigentlich nur, kein Vertrauen zu haben. Nicht in mich, nicht in andere. Es heißt, Angst davor zu haben, sich spontan auf eine Situation einzulassen. Will ich das? Will ich meine Zukunft auf ein ängstliches Gefühl meiner Vergangenheit bauen? Will ich mich an meinen vermeintlich guten Plan halten und dabei vielleicht viel bessere Wege übersehen? Nein. Ich möchte vertrauen. In mich. In andere. In das Gute. Ich möchte zwischen den Zeilen lesen. Und offen für das sein, was kommt. Dann, wenn es kommt.

When we give up our need for control, we can dance sweetly in the hope of the unknown.

Tory Eletto

Wie ich dieses Pläne loslassen geübt habe? Zwei Wochen Urlaub genommen, ein Ziel in 950 Kilometer Entfernung herausgesucht, eine Roadtrip Playlist zusammengestellt, etwa tausend Mal Panik bekommen, dass wir spontan keine Unterkünfte finden oder ausgeraubt werden und trotzdem ins Auto gesetzt und losgefahren. Vier Länder, vier Stopps und das für alle Fälle eingepackte Zelt haben wir nicht gebraucht. Es war die beste Zeit!

Das erste, was ich machte am Morgen, an dem wir zu unserem Roadtrip aufbrechen wollten? Ich löschte Instagram von meinem Handy. Zwei Wochen Freiheit lagen vor uns und ich wollte jeden einzelnen Moment erst Mal nur für mich haben – ohne wertvolle Zeit damit zu verschwenden, auf mein Handydisplay zu schauen, statt in die Umgebung oder in mein Buch. Ich wollte Instagram weder aktiv noch passiv nutzen. Ich wollte im Moment sein. Im Hier und Jetzt. Also, weg damit!

Und wenn man sich als Heavy Instagram User, wie ich einer bin, darauf dann mal einlässt, merkt man erst Mal, wie viel man sonst verpasst. Wie wenig man zwischen den Zeilen liest. Und wie viele schöne Momente des eigenen Lebens es kostet, auf sein Handy Dislay zu schauen, um anderen bei ihrem Leben und ihren Abenteuern zuzusehen. Während die Menschen, denen wir zusehen ja eigentlich auch nur die ganze Zeit auf ihr Display schauen, statt so richtig in den Moment einzutauchen. Statt richtig zu leben. Nicht durch die Linse des Smartphones. Ohne Bühne für Zuschauer.

Ich frage mich oft, wann es so wichtig wurde, anderen sofort zu zeigen, was man gerade macht. Wann einen das Gefühl beschlich, dass man etwas nur dann wirklich erlebt hat, wenn man Fotos oder Videos davon hat und zeigt. Da ich mich aber gerne auf das Gute fokussiere, fing ich stattdessen an, mich zu fragen, wie ich dieses Gefühl wieder loswerde? Wie lernt man, wieder eigene Abenteuer zu erleben und voll und ganz im Jetzt zu sein?

Wie lernt man, wieder eigene Abenteuer zu erleben und voll und ganz im Jetzt zu sein?

Meine Antwort darauf: in dem man springt. Ins kalte Wasser. Handy aus der Hand, Pläne über Board und rein ins Leben. Einfach nur treiben lassen. Atmen. Lachen. Vielleicht weinen. Sein. Fuck, fühlt man sich dann plötzlich wieder lebendig. Wenn das Auge Neues sieht. Die Nase neue Gerüche wahrnimmt. Der Verstand bemerkt, dass das Unbekannte gar nicht so angsteinflößend, sondern wunderschön ist und sich langsam entspannt. Dann, wenn das Leben größer ist, als die Sorgen, die es mit sich bringt.

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1 Kommentar

  • antworten Steffi R. 18. Juli 2019 at 8:17

    Liebe Nadine, Dein Blogeintrag „Kroatien“ finde ich sehr gut – sehr schöne Fotos – und einen sehr guten, zum Nachdenken anregenden Text. Ich wünsche dir viele weitere Abenteuer, auf die du dich gelöst einlassen kannst – vor allem hat man dann die Chance, auch die Zwischentöne von sich selbst mitzubekommen. Oftmals denke ich, dass viele mit dieser ständigen Präsens sich selbst auch aus dem Weg gehen möchten. Du hast Kroatiensküste sehr hübsch fotographiert. Tolles Morgenlicht. Liebe Grüße, Steffi

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